RH #300Festivals & Live Reviews

STEEL PANTHER, THE TREATMENT

Köln, Live Music Hall

STEEL PANTHER

Wenn man bedenkt, dass beim eine Woche vor dem Kölner STEEL PANTHER-Gig stattfindenden Glam- und Sleaze-Festival „Shout It Out Loud“ in Mülheim an der Ruhr gerade mal 600 Die-hard-Fans jahrzehntealte Szenerecken abfeierten und sich im Gegenzug mindestens die doppelte Menge an Zuschauern in der restlos ausverkauften Live Music Hall tummelt, kann man sich in etwa vorstellen, welche Art von Publikum bei der Show von Sänger Michael Starr, Gitarrist Satchel, Bassist Lexxi Foxxx und Schlagzeuger Stix Zadinia zugegen ist.

Vermutlich hat ein Großteil der Spacken, die für den Abend kurzerhand noch einmal ihre Karnevalsperücken hervorgekramt haben, keinen Plan, welche Helden und Ikonen der Sleaze- und Hardrock-Szene der achtziger Jahre gerade parodiert werden. Das wird allerspätestens zur Gewissheit, als Satchel in seinem Solo zunächst einige der markantesten Van-Halen-Soli zitiert und anschließend einige Riff-Klassiker der Metal-Geschichte zum Besten gibt. Während die breite Masse ´Iron Man´, ´Smoke On The Water´ oder ´Paranoid´ noch erkennt und munter mitklatscht, trennt sich spätestens bei ´The Trooper´, ´Master Of Puppets´, ´Balls To The Wall´ und selbst ´Rock You Like A Hurricane´ die Spreu vom Weizen. Oder besser gesagt: die Party-Fraktion, die Hair-Metal vor einigen Jahren vermutlich noch belächelt hat, vom echten Szenekenner. Doch dem feierfreudigen Publikum ist das egal, schließlich legt das Quartett aus Hollywood knapp zwei Stunden lang ein kurzweiliges, musikalisch überzeugendes und mit charmanten Anzüglichkeiten und satirischer Selbstironie gespicktes Konzert hin. Gitarrist Satchel gibt vergnügt schweinische Frechheiten wie „Fickschlitz“ zum Besten, die er vor der Show in seine Handinnenfläche gekritzelt hat, und macht sich über die angeblichen Gesichts-OPs von Sänger Michael Starr lustig, die bei näherer Betrachtung allerdings auch knallharte Realität sein könnten. Der Frontmann selber springt beinahe fideler als der junge David Lee Roth über die Bühne, lässt seine Hüften kreisen und spielt den selbstverliebten Gockel fast so gut wie Bassist Lexxi, der den obligatorischen Handspiegel zur Selbstbewunderung zückt. ...

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