RH #288Interview

LAZARUS A.D.

Exklusive Online-Ergänzung: Fühlen, nicht hören

Nach dem brettharten Debüt „The Onslaught“ überraschten LAZARUS A.D. ein Jahr später mit einem modernen und groovigen Nachfolgewerk. Als Ergänzung zum Interview im aktuellem Heft findet ihr hier weitere Auszüge aus dem Gespräch mit Fronter Jeff Paulick.

Jeff, ihr lebt in der Kleinstadt Kenosha, wo die Metalszene nicht gerade floriert. Habt ihr schon mal über einen Umzug nachgedacht?

»Vielleicht würde ich eines Tages gerne nach Kalifornien ziehen. Das Wetter ist dort einfach viel besser. Es zieht viele Musiker dorthin, dort passiert einfach mehr. Aber erst mal bleiben wir in Kenosha, es ist sehr billig hier zu wohnen. Außerdem haben wir im Sommer auch ein paar schöne Tage hier. Außerdem sind Milwaukee und Chicago nicht weit weg, wir sind also nicht komplett von der Außenwelt abgeschlossen.«

In den Staaten wart ihr letztes Jahr u.a. mit Kreator auf Tour. Was kannst du davon berichten?

»Ja, das war großartig, Voivod und Evile waren auch dabei, Kataklysm kamen für die zweite Hälfte der Tour hinzu. Kreator haben jeden Abend gerult, man merkt ihnen ihr Alter in keinster Weise an. Wir haben an einigen Abenden gut mit ihnen gefeiert. Das war ein sehr cooler Abschluss unserer Liveaktivitäten für „the Onslaught“. Direkt danach haben wir uns mit den neuen Songs befasst.«

Auf dem neuen Album stehen lediglich neun Songs, obwohl ihr eigentlich 
genügend Zeit hattet, an neuen Ideen zu feilen, wenn man bedenkt, dass
ihr das Debüt bereits 2007 aufgenommen habt.

»Ja, wir wollten eigentlich auch einen zehnten Song schreiben, aber uns lief die Zeit davon. Wir wollten aber auch keine Filler aufs Album packen. Ich hasse, es wenn Bands das tun. Heute ist es ja üblich 13 oder 14 Songs auf einem Album zu haben. Aber was bringt das, wenn fünf bis sechs Songs es überhaupt nichts taugen? Oft werden einfach ein paar Riffs aneinander geklatscht und fertig ist ein Song. Ich habe lieber neun Killer auf dem Album als 14 Songs, von denen fünf gut sind und der Rest im Mittelmaß versinkt. „The Onslaught“ hatte zehn Songs, das neue Album hat neun, dennoch ist der neue Longplayer länger als der erste (stimmt bei nachträglicher Überprüfung nicht: „Black Rivers Flow“ ist mit 42:04 Minuten eine Minute kürzer als „The Onslaught“ - rb). Vielleicht liegt das daran, dass das Album langsamer ist. Außerdem hatten die alten Metallica-Alben auch nur acht Songs.«

Einer meiner Lieblingstracks von „Black Rivers Flow“ ist 'Casting Forward'.

»Das ist auch einer unserer Favoriten. Ich denke, das wird die dritte Single des Albums sein. Auf der einen Seite hat der Song eine kommerzielle Ausrichtung auf der anderen Seite hat er auch diesen Thrash-Einschlag. Es ist der schnellste Song des Albums, hat dennoch Groove und einen eingängigen Refrain. Wir haben vieles auf dem neuen Album ausprobiert, wenn ich zurückblicke, denke ich, dass wir mit 'Casting Forward' den Nagel auf den Kopf getroffen haben. Ich denke in die Richtung sollten wir zukünftig noch mehr machen. Dabei war der Song eher ein Schläfer, während der Entstehung haben wir ihn alle unterschätzt, wir hätten nicht damit gerechnet, dass er so gut wird.«

Ein weiteres Juwel ist der Titeltrack.

»Das sehe ich auch so. Das wird auch eine Single sein. Bei dem Song fließt einfach alles. Ich freue mich schon die neuen Tracks live zu spielen. Wir werden sie wahrscheinlich wieder etwas schneller spielen. Auf „The Onslaught“ waren alle Songs bei 200 bpm, live haben wir sie mit 220 bpm gezockt. Diesmal haben wir etwas langsamer aufgenommen, live wird das Ganze dann so klingen wie es sein soll, haha.«

Ihr habt nun auch fast zwei vollwertige Sänger in der Band, da euer Gitarrist Dan mit seinen cleanen Gesängen erheblich öfter zu hören ist.

»Viele Leute kamen auf uns zu und meinten, dass ihnen der Wechselgesang von uns beiden sehr gut gefällt. Von daher wollten wir das ausbauen. Ich denke auch nicht, dass meine Vocals alleine in der Lage wären, die Band vorwärts zu bringen. Wir sind nicht wie Metallica, wo James Hetfield einfach diese unglaublich geile Stimme hat. Dan ist ein wirklich guter Sänger, wir haben uns beide weiterentwickelt. Wir stehen einfach total auf abwechselnde Gesänge, das haben auch viele Bands aus den Siebziegern 
gemacht, zum Beispiel Kiss.«

Eine Frage zum Sound: Auf dem Debüt war dein Bassspiel sehr gut zu hören, auf dem neuen Album ist der Bass eher in den Hintergrund gerückt.

»Das ist eine Sache, die wir am ersten Album nicht so sehr mochten. Der Bass war etwas zu präsent im Mix. Einige Leute mögen es, den Bass so deutlich zu hören. Aber die meisten wollen ihn nicht hören, sondern spüren. Ich zähle auch nicht zu den absoluten Koryphäen am Bass. Ich konzentriere mich mehr auf den Gesang und muss mich auf meinem Instrument nicht mit den anderen in der Band messen. Der Bass ist auf „Black Rivers Flow“ im High-End-Bereich weniger präsent, wenn du die Scheibe aber ordentlich aufdrehst, wirst du merken, dass es im Low-End-Bereich ordentlich drückt und der Musik noch mehr Energie verschafft. Wir wollten, dass der Bass gefühlt, nicht gehört wird.«

 
 

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