Online-MegazineTourtagebuch

MORGOTH

Morgoth - Latin And South America - Ungod Tour 2016

MORGOTH

Die deutsche Death-Metal-Legende MORGOTH absolvierte im November eine Tour durch Lateinamerika. Für Rock Hard hat Fronter Karsten „Jagger“ seine Eindrücke der Rundreise in einem Tourtagebuch festgehalten.


08.11.16: Anreisetag nach Santiago (Chile):

Start unserer Reise ist der Flughafen Frankfurt/Main, von wo aus wir über Amsterdam nach Santiago fliegen. Dort angekommen gibt es am Flughafen eine Begrüßung von Tour-Manager Adolfo Blanco, einem zwei Meter großen Chilenen, was für einen Latinoamerikaner eine enorme und stattliche Größe ist. Danach suchen wir unser Hotel auf und treffen uns zum Essen. Bei diesem Essen muss irgendwas mit unserem Bassisten Soti passiert sein, denn er bestellt eine Runde Bier nach der anderen, so dass wir alle zum Einstand mal schön einen sitzen haben.

Tag 1: 09.11.16 Copiapo (Chile):

Nach der Ankunft am Morgen des 09. November am Flughafen in Copiapo fahren wir eine ganze Weile mit dem Van durch die chilenische Atacama-Wüste zum Hotel, das sich als wunderschöne Ferienanlage samt Swimmingpool darstellt. Später im Club angekommen stellen wir fest, das wir in einer etwas runtergekommenen, unscheinbaren, alten Discothek mitten im Wüstenkaff Copiapo gelandet sind.
Am Abend versammeln sich dann doch circa 120 Leute in der Disco, wobei sich darunter nur coole Metalheads befinden. Unter den Fans sind sogar echte Indianer dabei, und mit gefühlt allen Besuchern müssen wir vor und nach der Show ein Foto machen.
Zum Ende unseres Auftritts zieht sich ein Fan aus der ersten Reihe sein Trikot der chilenischen Nationalmannschaft aus und gibt es mir mit den Worten, dass er dieses Trikot nun zwei Jahre lang getragen habe und es von nun an meins sei. Voller Stolz habe ich dieses Trikot dann bei unserem letzten Song 'Isolated' angezogen und alle Anwesenden hoffentlich damit glücklich gemacht. Ein sehr interessanter Beginn unserer Tour!

Tag 2: 10.11.16 Santiago (Chile):

Nach dem Frühstück starten wir unsere Reise, es geht wieder durch die Wüste zum Flughafen und zurück nach Santiago, um dort anschließend unseren Soundcheck zu absolvieren. Diesmal erwartet uns ein richtig guter Metalclub. Zum Abend hin füllt sich der Laden auch sehr gut mit über 300 Metal Maniacs, die mal so richtig Gas geben und uns so abfeiern, wie ich es bis dato noch nicht erlebt hatte. Wahnsinn! Zu 'Isolated' wird hier im Iron-Maiden-Style chorartig mitgesungen, Gänsehaut pur!

 

Tag 3: 11.11.16 Bogota (Kolumbien):

Von Santiago geht es mit dem Flugzeug weiter nach Bogota in Kolumbien. Erstmal wieder zum Hotel, Schlaf nachholen und ab zum Soundcheck. Der Laden ist eher in der Bronx von Bogota ansässig und sehr räudig. Kein Backstagebereich für uns, geschweige denn vernünftige sanitäre Anlagen. Das Konzert an sich ist wieder sehr geil, die rund 200 Anwesenden feiern uns ab und geben uns ein Feedback of Hell. Ich glaube hier müssen wir die meisten Fotos mit Fans machen, am Ende bin ich fast schon froh, wieder in unserem Van zu sitzen, weil es dann irgendwann auch genug ist. Zurück ins Bett, vollgesaugt mit Adrenalin, bereit für Medellin, ha!

Tag 4: 12.11.16 Medellin (Kolumbien):

Der erste Eindruck von Medellin ist erst mal fantastisch. Dadurch, dass wir mit dem Van über die Berge fahren, können wir uns erst mal einen Eindruck von Meddelin von oben machen.

Adolfo, unser Tour-Manager meint zu Medellin, dies sei Rockcity, und so gehen wir diese Show auch an. Der Club, in dem wir hier spielen, ist ein Improvisationstheater, in dem erstmal unser Soundmann Inspector Klausou, mit den örtlichen Technikern hart daran arbeitet, die Soundanlage auf Vordermann zu bringen. Die Vorband AKHERON hat mir an diesem Abend sehr gut gefallen, räudiger Thrash Metal, der wie aus den Achtzigern klingt.
Der Gig von uns ist sehr gut, die rund 150 anwesenden Leute sind sehr dankbar und freuen sich wie Schneekönige, uns live zu sehen. Im Backstagebereich des Improvisationstheaters befinden sich alle möglichen Requisiten, wobei mich eine grüne Maske so begeistert, dass ich mich kurzerhand dazu entschließe, mit dieser über dem Gesicht auf die Bühne zu gehen. Get crazy for two days of freetime!

Tag 5 und 6: 13. und 14.11.16 Bogota Columbia und El Salvador (San Salvador):

Tag 5 und 6 sind vorgesehen, um uns von den Strapazen der ersten vier Tage zu erholen und mal richtig ausschlafen zu können, was wir auch ausgiebig tun.
Nachmittags besuchen wir die Altstadt von Bogota, haben einen speziellen Guide namens Marcello, einen Manager einer heimischen Metal-Rock-Band und Freigeist, der später noch im leicht betrunkenem Zustand meint, dass die Erde von Aliens erbaut wurde. Ja, ja...
Durch ihn erfahren wir einiges über die Historie von Bogota, was hier so abging und immer noch abgeht. Korruption at it's best! Hier wurden Frauen mit langen Haaren die Zöpfe abgeschnitten, um damit Geld zu verdienen, Regierungsgebäude von den Rebellen gestürmt, um alle darin zu töten, um dann selbst verbrannt zu werden.
Mein Eindruck: Eine durch die Historie geprägte Stadt, die immer noch brodelt, aber die auch nach Lösungen sucht, wie die neuesten Meldungen auch zeigen.
Dann heißt es am nächsten Morgen Abschied nehmen von Kolumbien, es geht in Richtung San Salvador.
Ankunft am Flughafen: nette Begrüßung mit dem örtlichen Veranstalter Ricardo und ab geht es in das super-schwüle Pumpgunman-Land El Salvador, uns erschlägt die dünne, tropische Luft erstmal. Brutal, und dabei ist hier erst Frühling. Oh je, oh je...
Als wir mit dem Van an unserem Hotel ankommen, stellen wir fest, dass hier fast jedes zweite Haus von einem Security, mit einer Pumpgun ausgestattet, bewacht wird. Als Europäer ein sehr ungewohntes Bild und mir auch nicht ganz geheuer.
Abendessen gibt es dieses Mal in einem Schnellimbiss mit dem schönen Namen Margoth, in das wir sozusagen schon wegen des Namens einkehren müssen, wie passend of Hell!

Auch hier wird uns die Tür von einem netten Herrn mit Pumpgun geöffnet. Danach zieht es einen Teil von MORGOTH, Adolfo, Ricardo und ein paar seiner Freunde, in eine Metalkneipe, um zu guter, sehr lauter Musik und Bier den Abend zu zelebrieren und zu genießen.
Dabei lassen wir es uns nicht nehmen, Tourmanager Adolfo Blanco seinen deutsch-kubanischen Namensvetter Roberto Blanco via Youtube und Flatscreen vorzustellen. 'Ein bisschen Spaß muss sein', erste Reaktion: „Oh, this man is black“, köstlich! Dann Roberto Blanco, zusammen mit Sodom live, zweite Reaktion: „Oh, this is Blasphemy!“ Jetzt kommt Adolfo auch nicht mehr um Heino herum, erst solo und dann mit Rammstein live, weitere Reaktion: „Oh, this is Blasphemy too!“ Ja ja die deutsche Kultur und ihre Kinder!
Untergebracht sind wir in einer Hotelanlage, die nichts zu wünschen übrig lässt, leider geil! Hier können wir weitere Kraft tanken, um uns für de angehende Show bestens präpariert zu wissen.

Tag 7: 15.11.16 El Salvador (San Salvador):

Der Laden in dem wir in El Salvador spielen, ist Pub, Bistro und Cafe in einem. Der Gig findet vor ca. 120 Leuten statt, die uns sehr euphorisch empfangen und uns eine sehr intensive Show bescheren, sehr cool! Die Gespräche mit den Fans nach dem Konzert sind sehr ergiebig und herzlich, vielen Dank El Salvador!

Tag 8: 16.11.16 Guatemala City (Guatemala):

Nachdem wir praktisch jeden Tag am Flughafen und in Flugzeugen verbracht haben, ist es eine willkommene Abwechslung, die Strecke von San Salvador nach Guatemala City im Van zurückzulegen. Auf der fast siebenstündigen Fahrt können wir viele, teils gewöhnungsbedürftige Eindrücke der Umgebung sammeln. Während Guatemala City in weiten Teilen wie eine moderne und amerikanisch geprägte Metropole wirkt, vermitteln die kleineren Vororte der Stadt eher einen bitteren Eindruck.
Hier spielen wir in einer Art Stadthalle, wo direkt vor der Bühne eine Treppe unter die Bühne führt, strange! Dadurch, dass die Halle etwas überdimensioniert ist, fehlt etwas das Intensive. Die Stimmung der 250 anwesenden Metalheads ist aber sehr geil.

Tag 9: 17.11.16 Mexiko-City (Mexiko):

Mexiko City erweist sich erst etwas mürrisch, da uns das erste Hotel, in dem wir untergebracht werden sollen, beim Anblick des Tourtrosses einfach nicht aufnehmen will, der einzige spießige Moment der Tour! Kurzerhand besorgen uns die örtlichen Veranstalter Erick und Oswald ein anderes Hotel mit dem Namen Oslo mitten in Mexiko-City, klingt komisch, ist aber so. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass man das Hotel auch stundenweise mieten kann, für gewisse Körpergymnastik!

Die Show findet in einem Club namens Cosa Nostra statt. Über 400 Metalfreaks machen unseren Auftritt zu etwas besonderem. Was hier abgeht ist einfach nur der Hammer! Vor zwanzig Jahren war hier in Mexiko die erste und einzige Lateinamerika-Show von MORGOTH. Heute kommen doch tatsächlich Fans an, die auch schon damals da waren; mit originalen Konzertplakaten von damals, sehr nostalgisch und bewegend. Die Veranstalter haben es sogar geschafft, mit DENIAL die gleiche Vorband wie vor 20 Jahren auf diese Show zu buchen. Eine sehr intensive Show und ein würdiger Abschluss der ersten Lateinamerika-Tour von MORGOTH!
Danach haben wir noch zwei Tage in Mexiko-City, die wir nutzen, um die antike Stadt, wie auch die Pyramiden von Teotihuacán zu besuchen. Die Pyramiden sind sehr beeindruckend, die Altstadt von Mexiko City und der Lifestyle der Stadt imposant!

Fazit:

Diese Tour hat uns gezeigt, dass Tourpromoter und die lokalen Veranstalter auch in exotischen bis problematischen Ländern sehr gut Hand in Hand arbeiten können. Der Standard, was Backline, Hotels und Catering betrifft, ist teilweise höher als bei einer vergleichbaren Show in Deutschland. All das zeigt uns, das wir gerne zurückkehren und beim nächsten Mal sicher auch in den Ländern spielen werden, die auf dieser Tour nicht berücksichtigt werden konnten. Alle Anstrengungen dieser Rundreise haben sich vollends gelohnt und sind hoffentlich nachhaltig, für weitere, künftige Abenteuer.
Alles was wir von den südamerikanischen Fans im Vorfeld gehört hatten, hat sich absolut bewahrheitet, der Enthusiasmus für die Musik und dieses Glitzern in den Augen.
Da können sich teilweise, die Metal-Maniacs, vor allem in Westdeutschland, eine Scheibe davon abschneiden, denn es kommt mir vor, als wenn unsere Fans ein wenig zu satt geworden sind und zu viel auf den großen Festivals abhängen.


www.facebook.com/MorgothOfficial

 

Autor: Karsten „Jagger“ Jäger & MORGOTH

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