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FAIRYTALE

Kampf(stern)erprobt

FAIRYTALE

FAIRYTALE machen schon seit mehr als 15 Jahren die Ruhrpott-Underground-Szene unsicher und spielen trotz oder gerade wegen ihres Bandnamens angenehm unkitschigen Power Metal. Fünf Jahre nach ihrem letzten Dreher „Rise Of The Twilight Lord“ hat die Band um unseren Online-Schreiberling Colin Büttner (g.) dieser Tage ihre neue Platte „Battlestar Rising“ fertig gestellt und gewährt uns ein erste Hörprobe. Das besondere: Es ist das erste Album mit Neu-Sänger Carsten Hille (JAVELIN) und -Gitarrist Stefan Klempnauer.

Das Wetter an diesem Samstag lädt eher zu einem Freibad- denn zu einem Studiobesuch ein, und folgerichtig empfangen mich fast alle Anwesenden mit einem Kaltgetränk vor der Tür der Ragerselite-Studios in Hamm. Die Stimmung ist gelöst, den Bandmitgliedern merkt man an, dass sie einerseits froh sind, die Platte im Kasten zu haben, aber andererseits auch nervös vor dem Urteil der anwesenden Journaille. Nach einer Stärkung in Form von Donuts und Windbeuteln sowie den einleitenden Worten von Colin geht es dann ins Studioinnere, um die neue Platte in der noch ungemasterten Version zu hören. Eins noch vorweg: Für Objektivität kann nicht garantiert werden, da während der ganzen Listening-Session ein geradezu betörender Duft von gebratenem Speck durch den Raum zog. Ob das eiskalte Kalkulation oder Zufall war, ließen die Musiker nachher mit einem Grinsen offen...

* Die beiden Spoken-Word-Nummern 'Face The Truth' (Track eins) und 'Admiral's Speech' (Track elf) fehlen noch, und so beginnt die Session mit dem Titeltrack 'Battlestar Rising'. Die Nummer ist bereits veröffentlicht, ein klassischer Power-Metal-Song der amerikanischen Schule und mit einem supereingängigen Refrain.

* 'Cain' ist dementsprechend der erste ''richtig'' neue Track, ein solider Song im höheren Midtempo und mit einer coolen Bridge, die mich ein wenig an die Bay Area erinnert.

* Beim anschließenden 'Man Or Machine' drängt sich mir die Assoziation zu Iron Maiden sofort auf. Vom Intro über das anschließende Galopp-Riffing zu den Double-Leads werden die Trademarks der Jungfrauen aufgegriffen, ohne sie abzukupfern. Stattdessen wird der Song mit einem Mitgröl-Refrain gekrönt, der Live für viele geballte Fäuste sorgen wird. Stark!

* Darauf folgt 'Scar'. Die Nummer ist von einem ähnlichen Schlag, aber trotz kompetenter Double-Leads etwas schwächer.

* Mit 'The Weird & The Mad' folgt dann mein erstes Highlight. Ein cooler Power-Metal-Song US-amerikanischer Prägung, der in einem eingängigen, aber unkitschigen Refrain gipfelt. "Die Nummer  ist von Stefan, ich habe den Text und die Melodie des Refrains beigesteuert. Dort habe ich mich an einer Stelle gegen die fünf anderen durchgesetzt, und zwar bei der leicht versetzten zweiten Zeile'', erzählt Gitarrist Colin. Auch wenn er es am Anfang schwer fand, diese Stelle zu singen, hat sich Sänger Carsten damit angefreundet: ''Dadurch wurde es ein cooler und kein cheesy Refrain!''

* 'Viper Pilots' kann man sich auch schon auf den gängigen Kanälen zu Gemüte führen, eine weitere flotte, eingängige Hymne zum Mitsingen und -grölen.

* Die wahren Schätze der Platte hauen die Jungs aus dem Pott aber erst jetzt raus:  'New Caprica' beginnt episch, baut sich auf und mündet nach der Bridge in einen Flitzefingerteil.

* Das folgende 'Final Five' beginnt hingegen als fixer Galopp, dessen absolutes Highlight aber der von Doppel-Leads eingerahmte, groovige Mittelteil ist.

* Bei 'The Opera House' sind sich anschließend alle Anwesenden einig: Das Ding ist das stärkste Stück der Platte. Die Nummer beginnt mit gezupften Akustikgitarren, das ganze Intro umweht eine mystische Aura und mündet in einen fast doomigen Part, der zum Headbangen einlädt. Auch der Refrain ist absolut zwingend. Der in den Raum geworfene Tobias-Sammet-Vergleich fasst diese Nummer recht gut zusammen. Auch Carsten bezeichnet die Nummer als seinen Lieblingstrack, selbst wenn dieses Stück erst am Montag vorher fertig geworden ist: ''Ich hatte die Nummer vorher noch nie gesungen und Colin hatte zwei Tage vor den Aufnahmen den Text auch noch nicht fertig. Das war der einzige Song, der vorher noch gar nicht im Proberaum zusammengespielt wurde.“ Auch Colin ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden: ''Bei der Nummer fand ich die Zusammenarbeit sehr interessant, weil es ein gutes Zusammenspiel war, auch mit unserem Produzenten Alex (Cwiertnia, mab). Was wir da aus der Nummer rausgeholt haben, ist echt unfassbar.''

* Den Abschluss bildet dann das martialische 'Colony (The Final Battle)'. Der Song ist der wohl aggressivste, zeigt aber auch wieder die Variabilität, die FAIRYTALE gerade in den letzten Tracks des Albums an den Tag legen. Nach ungefähr 55 Minuten geht die Platte dann über die Ziellinie.



''Bis auf 'Battlestar Rising' und 'Viper Pilots', die wir schon seit ein paar Jahren im Liveprogramm haben, sind alle Songs um Weihnachten herum entstanden'', erzählt Colin anschließend. Auch das Konzept der Platte stand schon recht früh: ''Wir haben uns an der 2003er-Neuauflage von Battlestar Galactica orientiert, weil wir die einfach cool finden. Vor allem unser Bassist Frank und ich sind große Fans der Serie. 'Battlestar Rising' haben wir schon vor vier Jahren geschrieben, weil auch unsere ehemaligen Bandmitglieder große Fans der Serie waren. Seitdem ist auch das Cover schon in unserem Besitz und es war auch schon klar, dass wir das Album über die Serie machen.''

Die Band erfindet mit dieser Platte das Rad mit Sicherheit nicht neu, was auch gar nicht das Ziel sei, wie Carsten zum Abschluss betont: „Wir wollen einfach die Musik machen, die wir geil finden, und zwar über Themen, die uns interessieren!“ Alle Freunde des härteren, vom US-Power/Prog-Metal beeinflussten Sounds sollten bei Zeiten – ein genaues Veröffentlichungsdatum steht noch nicht fest – ein Ohr riskieren, es lohnt sich!

 

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