Online-MegazineLauschangriff

THE NEW BLACK

Heavy-Rock-Überdosis

THE NEW BLACK

Moderne Rockbands oder auch Hardrock-Bands sind in Deutschland im Vergleich zu Myriaden an Metal-Bands deutlich in der Unterzahl. In Würzburg schickt sich mit THE NEW BLACK allerdings eine Band an, für ein Ausrufezeichen zu sorgen. Und zwar ein besonders fettes und dreckiges. Am 15. März erscheint das neue Album „III: Cut Loose“, mit dem die Band den endgültigen Durchbruch schaffen will. Wir haben für euch vorab in „III: Cut Loose“ reingehört und uns mit Gitarrist Fabian Schwarz unterhalten.

„III: Cut Loose“ startet furios mit einem treibenden, schnellen und harten Rocker namens 'Innocence & Time'. Hier hört man auch gleich die sehr gute Produktion des Albums, die einen nicht nur jedes Instrument akzentuiert heraushören lässt, sondern den Fokus auch auf die sehr gute Gesangleistung von Fludid legt. Zugleich kommt das Album mit so einem Punch daher, dass es einen an die Wand drückt, besonders je mehr man den Lautstärkeregler aufdreht.

'Count Me In' schlägt in die gleiche Kerbe und überzeugt mit einer sehr starken Bridge vor dem Chorus, die sich sofort beim ersten Hören schon im Ohr festsetzt.

Mit 'Muzzle & Blinkers' wird das erste Mal das Tempo gedrosselt. Besonders der Anfang des Songs besteht nur aus Gitarre und Gesang und unterstreicht erneut die sehr warme, angenehme Stimme von Fludid. Stimmlich und qualitativ wirklich ganz weit oben und eine Top-Leistung.

'Superhuman Mission' ist ein Groover vor dem Herrn. Wer den Song hört und nicht mit irgendeinem Teil seines Körpers mitwippt, hat einfach kein Gefühl für Musik. Auch schwingt hier das erste Mal ein bisschen staubige Wüsten-Atmosphäre mit, wie man sie von Kyuss und allgemein dem Stoner-Rock kennt.

Der Titeltrack 'Cut Loose' fällt dann leider ein wenig ab, besonders nach so einem tollen Song wie 'Superhuman Mission'. Hier zündet irgendwie nichts richtig und bleibt wirklich im Ohr hängen. Klar, man wippt immer noch mit dem Kopf mit, aber irgendwie bleibt das Gefühl, dass etwas Entscheidendes fehlt. Da hilft auch leider keine Mundharmonika.

'Any Colour You Like (As Long As It’s Black)' kriegt dann Gott sei Dank wieder die Kurve und hat einen starken Refrain.

'Burning D' ist ein guter Midtempo-Rocker, der es schafft, zu dem Text eine passende, leicht düstere Atmosphäre zu erzeugen. Bleibt aber leider auch kaum im Ohr hängen.

Nun wird wieder Gas gegeben mit 'Not Quite That Simple', bei dem Bridge und Chorus mit angenehmen Melodien überzeugen.

Interessanterweise muss der Band dann wohl ein Hirsch vor das Muscle-Car gelaufen sein, denn für 'Sharkpool' wird abrupt auf die Bremse getreten. Dafür werden hier Riffs aufgefahren, die zäh wie Lava sind.

'The Unexpected Truth' plätschert leider auch irgendwie eher durchschnittlich vor sich hin. Immer noch ein guter Song, wie ihn viele andere Bands gerne schreiben können würden, aber es fehlt der Höhepunkt.

Diesen Höhepunkt in Form einer sich im Ohr festsetzenden Melodie hat 'One Thing I Know' wieder und trumpft auch mit Bläsern auf.

„III: Cut Loose“ schließt mit dem schnellen Rocker 'Antidote', der ähnlich treibend und hart ist wie der Opener. Somit schließt sich der Kreis.

The New Black - III: Cut Loose

Insgesamt lässt sich festhalten, dass „III: Cut Loose“ ein wirklich gutes, modernes Rock-Album mit einer Prise Hardrock und Metal und einem Hauch Alternative geworden ist, das auf nationaler Ebene sehr weit vorne steht. Allerdings fehlen einigen Songs die herausragenden Ohrwurmmelodien, die Hooklines, die sich sofort im Ohr festsetzen und dort auch so sehr festkrallen, dass man sie für Wochen nicht mehr los wird. In diesem Punkt ist die internationale Szene THE NEW BLACK an der Speerspitze noch deutlich voraus, so dass die Zugangstür für diese Liga noch nicht aufgestoßen wird. Das Potential dafür hat die Band mehr als genug. Jetzt gilt es, dieses umzusetzen, damit es zukünftig nicht nur wirklich gute, sondern spitzen Alben werden.

Fabian, seid ihr die amerikanischsten Franken?

»Yes, well, man, you see… Dude! It's all about… Huch, jetzt war ich doch glatt wieder in Amerika. (lacht) Also im Ernst, ich betrachte das jetzt mal als Kompliment, da ich selbst überhaupt keine Rockmusik höre, die nicht aus Amerika oder England stammt. Die Betonung liegt dabei ganz klar auf ROCKmusik. Darum kann es sein, dass wir durchaus franko-amerikanisch klingen, ja.«

Euer neues Album „III: Cut Loose“ klingt kein Stück deutsch, sondern komplett amerikanisch, nach dem Ursprungsland der Rockmusik. Keine deutsche Phrasierung, nichts. Und ja, das ist absolut als Kompliment gemeint, denn damit stehen euch Tür und Tor offen, weltweit für Aufregung zu sorgen. Wie siehst du das?

»Wie schon gesagt, ich betrachte das uneingeschränkt als Kompliment. Es gibt tausende geile Metal-, Hardcore- und was weiß ich nicht für harte -Bands aus Deutschland oder Europa, aber die richtig geilen Rockbands kommen alle aus den USA. Vielleicht noch aus England. Ich denke da an Def Leppard und Motörhead beispielsweise. Wenn dieser Zustand hilft, ein größeres Publikum zu erreichen, fände ich das toll! Aber leider steckt man da gar nicht drin.«

„III: Cut Loose“ ist für meine Ohren ehrlicher, erdiger, handgemachter, treibender, moderner Rock mit einem Schuss staubige Wüste. THE NEW BLACK stehen damit neben Bands wie Godsmack, Buckcherry, Audrey Horne, Halestorm und Danko Jones. Genrebezeichnungen sind im Musikbusiness leider ein notwendiges Übel. Vermarktet werdet ihr als Hardrock-Band. Passt dieses Genre deiner Meinung nach wirklich zu euch? Wenn ich an das Genre Hardrock denke, denke ich auf jeden Fall an andere Musik.

»Wir selbst bezeichnen unsere Mucke immer als Heavy Rock. Das trifft es vielleicht eher als Hardrock. Wenn man genau hinhört, hat sich sogar mal das ein oder andere Thrash-Riff eingeschlichen oder wir verwursten sonstige stilfremde Farben. Aber am Ende soll es immer heavy UND rockig klingen. Also lieber Heavy Rock als Hardrock.«

Kommen wir noch mal auf die vorhin genannten Bands zurück. Euer Album ist auf jeden Fall sehr melodiös, besonders bei den Gesangslinien hört man das. Im Vergleich zu den genannten Buckcherry sind eure Melodien deutlich weniger poppig und haben dadurch auch weniger Ohrwurmcharakter. Dafür tritt euer Album insgesamt deutlich mehr Arsch und ist eine ganze Schippe härter. Nun fahren Buckcherry mit ihrem Sound aber ihr Geld schubkarrenweise nach Hause. Spielen solche Gedanken in euren Köpfen auch eine Rolle oder wollt ihr euch lieber selbst treu bleiben, auch wenn euch das möglicherweise eine größere Käuferschicht kostet?

»Solche Überlegungen finden während des Songwritings gar nicht statt. Es kommt so, wie es kommt. Natürlich überlegen wir uns, ob diese oder jene Stelle in den Song passt oder den Fluss stört oder wie man diese oder jene Melodie noch ausarbeiten könnte. Aber dass wir gezielt versuchen Ohrwürmer zu schreiben, das haben wir noch nie gemacht. Alles was du auf der Platte hörst, kam direkt aus dem Songwriting-Flow, ohne strategische Überlegungen. Vielleicht sollten wir das aber mal probieren. Vorher müssten wir uns dann aber überlegen, wo wir so viele Schubkarren herbekommen sollen!«

The New Black - III: Cut Loose

„III: Cut Loose“ ist handwerklich über jeden Zweifel erhaben. Jeder Song groovt total, der Gesang ist spitze und die Gitarrenarbeit herausragend gut. Man hört jeder Sekunde des Albums an, dass ihr alle schon lange Musik macht. Wie lange?

»Vielen Dank! Also, das kann ich dir für jeden von uns gar nicht beantworten, weil ich das gar nicht weiß. Ich selbst spiele Gitarre seit ich vier Jahre alt bin. Ich denke mal, der Rest hat zumindest schon in der Pubertät angefangen, Musik zu machen. Bei unserem Basser Günter hat das sogar was damit zu tun, dass er mal eine Friseurin verklagt hat, die ihm zu viele Haare abgeschnitten hat! Von der Kohle hat er sich dann einen Bass gekauft. (lacht) Wann genau das war, weiß ich aber leider nicht.«

Sind schon Tourpläne nach Veröffentlichung von „III: Cut Loose“ festgesetzt? Wenn ja, wann geht es los, wo treibt euch die Tour hin? Wenn nein, ab wann wollt ihr touren und welche Länder bespielen?

»Im April geht’s zusammen mit Psychopunch, Motorjesus, Supercharger, ‘77 und dem Bembers zusammen auf die Rock'n'Roll-Overdose-Tour. Die genauen Termine findet ihr auf www.rocknrolloverdose.de. Außerdem hoffen wir noch auf diverse Festivals für den Sommer. Wir würden gerne mal nach Frankreich oder England/Irland, da es da auch eine Menge Rock-begeisterter Menschen geben soll, hat man uns gesagt.«

Wenn ihr euch aus allen Songs des neuen Albums einen aussuchen könntet, der für euch als gesamte Band am persönlichsten ist, welcher wäre das und wieso?

»Natürlich: 'Any Colour You Like (As Long As It’s Black)'.«

 

www.thenewblackofficial.de
www.facebook.com/thenewblackofficial

 

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

EXTREME + THE NEW BLACK04.12.2017FrankfurtBatschkapp Tickets
EXTREME + THE NEW BLACK07.12.2017StuttgartLKATickets