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ARCHITECTS OF CHAOZ

Die Schatten-Liga des Paul Di´Anno

ARCHITECTS OF CHAOZ

An einem Samstag laden Perzonal War und Paul Di'Annos „neue“ Band ARCHITECTS OF CHAOZ zur gemeinsamen Listening Session ins Troisdorfer Gernhart Studio ein, das PW-Schlagzeuger Martin Buchwalter gehört und in dem beide Combos ihre aktuellen Werke aufgenommen haben.

Zwischen Musikern und Journalisten humpelt auch ex-Iron-Maiden-Sänger Paul durch die Studioräume, der immer noch unter seiner Knieverletzung leidet und sich nur mit einer Krücke langsam fortbewegen kann. Dazu plagt den kauzigen Engländer eine Erkältung. Doch der Herr ist hart im Nehmen, rafft sich für Foto-Sessions auf, gibt kleine Interviews und plauscht mit den angereisten Journalisten.
 
Das Gernhart Studio liegt im Herzen von Troisdorf, einer Kleinstadt in der Nähe von Bonn und Köln. Früher war das Studio ein alter Blumenladen, was man u.a. daran erkennt, das unter einem der Tische, auf denen belegte Schnittchen liegen, immer noch eine Rolle mit Blumen-Folie hängt.



So klingt „League Of Shadows“

Nach „Rejected In Mayhem“, unserem „Demo des Monats“ in der Ausgabe 327, legen ARCHITECTS OF CHAOZ mit „League Of Shadows“ ihr zwölf Tracks starkes Debüt-Album vor. Zu hören gibt es eine stringente Mixtur aus traditionellen NWOBHM-Sounds und zeitgemäßem Euro-Power-Metal, verpackt in eine moderne Produktion, für die Martin Buchwalter (u.a. Destruction, Suidakra, Perzonal War) verantwortlich ist. Aufgelockert wird das Werk durch dezente musikalische Flirts mit anderen harten Genres und charmanten Details. So beginnt 'Apache Falls' mit Indianer-Gesängen und Tribal-Percussions, das großartige 'AOC' spielt mit verhallten Sprachsamples, 'Dead Eyes' punktet mit kantigem Groove und modernen Vibes, 'How Many Times' hat im Mittelpart eine Art Breakdown und 'Erase The World' klingt im Intro wie ein Fear-Factory-Song. Getragen werden die Lieder aber vom kraftvollen Gesang des ehemaligen Iron-Maiden-Sängers Paul Di'Anno, der vor allen Dingen im ohrwurmigen 'Rejected', dem eingängigen 'How Many Times', dem mit doppelten Harmonien komponierten 'AOC', dem düster anmutenden 'Dead Eyes', dem ebenso finsteren 'Murder Comes To Town' und der kitschfreien Halbballade 'Switched Off (Released)' begeistert. Als Bonus hat sich das deutsch-englische Quintett zudem mit einer gelungenen Coverversion an den Blackmore-Coverdale-Klassiker 'Soldier Of Fortune' gemacht.



Interview mit ARCHITECTS OF CHAOZ-Gitarrist Andy Ballnus

Wie habt ihr als ARCHITECTS OF CHAOZ zusammengefunden?

»Wir gehen schon seit zehn Jahren als The Phantomz mit Paul auf Tournee und spielen alte Iron-Maiden-Stücke und Pauls eigene Sachen. Irgendwann kamen wir zu dem Entschluss, dass es langsam mal an der Zeit ist eine Platte mit eigenen Kompositionen aufzunehmen. Es hätte aber keinen Sinn ergeben, das unter dem Namen Paul & The Phantomz laufen zu lassen, weswegen Paul irgendwann mit dem Namen ARCHITECTS OF CHAOZ ankam. Die Idee gefiel allen gut. Es war Paul wichtig, dass in dem Bandnamen nicht sein eigener Name vorkommt. Er wollte eine richtige Band. In den letzten zehn Jahren sind wir auch zu einer eingeschworenen Gemeinschaft geworden.«

Was war die Vision, als ihr ans Songwriting gegangen seid?

»Wir spielen die Musik, die wir auch selbst hören. Bei unserer musikalischen Sozialisation spielten Iron Maiden und Judas Priest eine prägende Rolle. Diese Einflüsse verarbeiten wir auf der neuen Platte, aber mit einem moderneren Anstrich. Es trifft also moderner Metal auf traditionellen Metal. Wir haben uns aber auch an Pauls Solo-Sachen orientiert.«
 
Wie lief das Songwriting ab? 

»Wir haben die Musik komponiert und dann an Paul, der immer noch in Salisbury lebt, geschickt. Auf der letzten Tournee hat er uns ein paar Takes vorgesungen, die wir sofort aufgenommen haben und auf deren Basis wir später im Studio weiter arbeiten konnten. Bei den Aufnahmen im Studio haben wir ihm Vorschläge gemacht, was man vielleicht anders machen könnte. Für solche Vorschläge ist er offen. Seine Grundideen waren alle offen. Wir haben dann nur noch den Feinschliff gemacht.«
 
Wie seid ihr auf den Albumtitel „League Of Shadows“ gekommen? 

»Das war Pauls Idee. Auf der letzten Tournee kam er mit dem Titel an, und er gefiel uns allen gut.«
 
Wer schreibt die Songtexte? Paul alleine?
 

»Paul schreibt die Songtexte und viele der Gesangs-Melodien. Manchmal machen wir Vorschläge, die er übernimmt, wenn sie ihm gefallen.«
 
Hat Paul auch alle Backing Vocals eingesungen oder hört man auch den Rest der Band? 

»Unser Gitarrist Joey hat viele Harmonien gesungen. Bei den Gang-Shouts waren wir alle dabei – nur ich habe gefehlt, weil die Aufnahmen gestern Abend stattgefunden haben, als ich einen Gig mit meiner anderen Band hatte.«
 
Fliegt Paul immer für die Proben nach Deutschland? 

»Wir proben im Grunde nur vor Tourneen und selbst dann muss er oft nicht dabei sein, weil er die Sachen ja schon seit 30 Jahren singt.
Bei den neuen Songs wird es natürlich so sein, dass wir zum Beispiel vor dem Rock Hard Festival proben.«
 
Aus welchen Ecken Deutschlands kommt ihr? 

»Aus Köln, dem Saarland und dem Ruhrgebiet.«
 
Was war dein bisheriges Highlight im Rahmen der Zusammenarbeit mit Paul? 

»Auf jeden Fall die Aufnahmen der neuen Platte. Es war heute super spannend für uns mitzubekommen wie die Presse auf das Album reagiert.
Unsere Russland-Tour und der Auftritt auf dem Masters Of Rock waren natürlich super. Aber auch kleine Gigs, wie z.B. im Siegburger Kubana sind geil. Ich mag intimere Club-Konzerte fast noch lieber als die Festival-Auftritte. Natürlich ist es super imposant vor 25.000 Leuten zu stehen, aber ehrlicher ist es vor 200 Fans zu stehen.«
 
ARCHITECTS OF CHAOZ
„League Of Shadows“
VÖ: 29.05.2015
01. Rejected
02. Horsemen
03. How Many Times
04. AOC
05. Obsidian Black
06. Je Suis Charlie
07. Apache Falls
08. Angel Of Death
09. Dead Eyes
10. Murder Comes To Town
11. Erase The World
12. Switched Off (Released)
13. Soldier Of Fortune (Bonus)
 

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