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DRONE

Super Mario Metal Battle

Die Wacken Metal Battle Gewinner 2006 haben sich Mitte November in Andy Classens gemütlichem kleinen Studio eingenistet, um ihren ersten Longplayer einzuholzen. "Head-On Collision" wird im Februar erscheinen, und dem ersten Höreindruck nach zu urteilen so einiges platt walzen.

Bassist Martin holt mich nach dreifacher Bahnverspätung am Paderborner Bahnhof ab. Von dort geht es mit dem Auto rund eine Stunde lang über Berg und Tal ins kleine Dorf Bühne, wo sich Andy Classens "Stage One Studio" befindet. Bei unserer Ankunft lümmelt der Rest der Band entspannt auf den Sofas oder vor den mitgebrachten Rechnern herum. Natürlich genehmigen wir uns auf DRONE-Art erst einmal ein (oder zwei?) Whisky-Cola und warten derweil gespannt auf den Marschbefehl von Herrn Classen, der noch Hand an einige Songs anlegt. "Es war mit Andy super lustig. Man merkt schon, dass er ein Vollprofi ist", berichtet Sänger Mutz. Auch sonst zeigt sich die Band mit dem Produzenten hoch zufrieden. "Wir fanden es cool, dass Andy gerne mit uns zusammenarbeiten wollte. Wir hätten uns die Arbeit nicht besser vorstellen können. Andy hat sich auch gut an das Niveau unseres Humors angepasst. Man weiß ja: Je weiter man nach Norden fährt, desto platter wird nicht nur das Land. Am zweiten oder dritten Tag meinte er: 'Ihr habt echt einen komischen Humor, aber jetzt habe ich ihn verstanden.' Von da an war alles perfekt."

Als Andy uns in den Controlling Room ruft, um sechs fein geschliffene Songs vorzuspielen, wird schnell klar, dass sich DRONE im Vergleich zu ihrem starken Demo "High Octane" deutlich steigern konnten. Vor allem der klare und zugleich druckvolle Sound spielt in einer ganz anderen Liga als die (gute) Demoproduktion. Es drängt sich die Frage auf, ob die Band sich an den Songs nicht schon satt gehört hat. "Im Gegenteil. Jetzt, wo wir die ersten Pre-mixes haben, hören wir das Zeug rauf und runter. Aber wenn die CD im Februar erscheint, dann haben wir wahrscheinlich die Schnauze voll davon", gibt Gitarrist Marcelo mit einem Lachen zu Protokoll.

Los geht es mit 'Stampmark', das schon vom Demo bekannt ist, und in der neuen Fassung vor allem durch den verbesserten Gesang gefällt. Darauf angesprochen, meint Mutz: "Ich singe noch nicht so lange Metal, von daher finde ich das schon ganz in Ordnung. Ich singe ja auch andere Sachen, hauptsächlich Folk. Also mehr cleane Sachen. Ich hab damals viele Balladen geschrieben, so Muschi-feucht-mach-Mucke (lacht). Aber es ist schon immer ein Moment der nackten Wahrheit für einen Sänger, wenn man unbearbeitete Spuren direkt nach dem Einsingen um die Ohren geknallt bekommt."

Martin: "In unserer Studiodokumentation gibt es dazu auch die ungeschönte Reaktion zu sehen."

Mutz: "Ja es gibt so Momente, da will man am liebsten einfach im Boden versinken. Spätestens wenn man dann am vierten Tag beim Einsingen ist und auch Freund Jim Beam den Geist aufgibt, erreicht man seine Grenzen. Aber ich bin mit dem, was ich eingesungen habe, total zufrieden."

Darauf folgt mit 'Chainsaw Symphony' eine neue Nummer, die auch schon live angetestet wurde. Für das Intro hat die Band extra zwei Kettensägen ins Studio mitgebracht. Danach bricht ein Blastbeatinferno los, bevor sich eingängige und vertrackte Gesangspassagen abwechseln. Der Refrain zeigt absolutes Mitgröl-Potenzial und erweist sich als Hit verdächtig. Der Song ist einer der Favoriten für die Position des Openers. "'Chainsaw Symhony' eignet sich gut wegen des Kettensägenintros. Außerdem ist er der einzige Song, bei dem es durchweg auf die Fresse gibt", erklärt Mutz.

'High Octane' zeigt sich als solide Groove-Walze, die wie ein Bastard aus den Machine-Head-Alben "The Burning Red" und "Burn My Eyes" tönt. Vielleicht wegen der übermäßigen Machine-Head-Anleihen dennoch der unspektakulärste Song.

Mit 'Jericho' folgt eine kleine Sternstunde modernen Metals. DRONE haben hier sowohl technisch als auch kompositorisch ihre bisherige Meisterleistung abgeliefert. Der Song beginnt mit einem super-fetten, groovigen Riff, bevor wilde Taktwechsel in der Strophe den Hörer erst einmal aus der Fassung bringen. Die einsetzende Bridge mit ihrer ungewöhnlichen, etwas true-metallisch anmutenden Melodik holt einen auf den Boden zurück, bevor der sphärische Gesang des Refrains schnell wieder von den Socken haut. Hammer!

'Welcome To The Pit' ist ebenfalls ein älterer Song, der sich live schon als Hit entpuppt hat. Vor allem das besser akzentuierte Hauptriff weiß zu gefallen.

'Theopractical' erweist sich als coole Nummer mit Pantera-lastigem Riffing und Gesang. Auch hier wird die Sache wieder durch einen clean gesungenen Refrain aufgelockert.

Nach dem ersten Höreindruck zu urteilen, kann man von einem gelungenen Debütalbum ausgehen.

Inwieweit wart ihr auf den ersten Studiobesuch vorbereitet?

Martin: »Wir verfeinern unsere Songs so über 20 bis 30 Durchgänge. Anders würde das bei uns gar nicht funktionieren.«

Mutz: »Wir sind ja nicht Mötley Crüe (lacht). Wir haben hier im Studio nur noch ein paar Feinheiten ändern müssen und die Texte noch einmal überarbeitet.«

Habt ihr von den alten Sachen alles aufgenommen, oder ist qualitativ etwas auf der Strecke geblieben?

Marcelo: »Wir hatten noch einen Song, der zwar im Prinzip fertig, aber noch nicht zu 100 Prozent ausgearbeitet war. Er hat zudem auch nicht ganz ins Konzept gepasst. Ansonsten haben es von dem Demo alle Songs auf das Album geschafft. Wir müssen uns allerdings wahrscheinlich noch gegen einen Song entscheiden, der nur auf der japanischen Version erscheinen wird.«

Es fällt auf, dass gerade 'Theopractical' doch sehr Pantera-lastig ausgefallen ist.

Mutz: »Das ist eins der relativ neueren Stücke. Der Song ist uns aber auch schnell aus der Hand gelaufen. Aufgrund der guten Reaktion ist er direkt dauerhaft ins Liveprogramm aufgenommen worden. 'Jericho' geht hingegen zum Beispiel deutlich in eine eigene Richtung.«

Auch Produzent Andy kann man noch einige Statements entlocken.

Andy: »DRONE sind wirklich verträgliche, nette Jungs (allgemeines Gelächter). Am witzigsten find ich dieses Media-Center, was sich die Jungs hier aufgebaut haben. Egal, wann man hier in den Wohnraum hereinkommt: Es hängen immer vier Typen vor ihren vier mitgebrachten Rechnern. Wenn einer während der Aufnahmen mal pissen gegangen ist, dann hieß es auch immer gleich: 'Ich geh noch mal kurz E-Mails checken'.«

Wie schätzt ihr DRONEs Chancen ein?

Andy: »In der heutigen Zeit hat es jeder schwer, aber ich könnte mir vorstellen, dass es den Nerv der Zeit trifft. DRONE klingen schon so ein bisschen wie die Großen. Ich bin sehr gespannt auf die ersten Reaktionen.«

Felix: »Hm, jetzt wo Andy soviel Gutes über uns gesagt hat, musst du das Schlechte, was wir über ihn gesagt haben, aber wieder löschen! (allgemeines Gelächter)«

Martin: »Soviel zu unserem Scheißhumor, ne?!

Ausklingen lassen wir den Abend mit weiterem Whisky und einem "Super Mario Kart"-Duell auf dem Super Nintendo. Dabei gelingt es mir zwar, sämtliche Droners abzuzocken, doch Herr Classen zeigt sich auch hier als unschlagbarer Vollprofi. Das schreit nach einer Revenge auf der Mario-Kart-Version für den Gamecube!«