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GLORIA MORTI

Niemals beige

GLORIA MORTI

Der seit 1999 aktive Melodic Black/Death-Hybrid GLORIA MORTI war nicht nur an der Demofront fleißig. Mit „Lateral Constraint“ haben die Südfinnen ihr viertes Album am Start und ergehen sich im Pessimismus apokalyptischer Szenarien. Gitarrist Juho Räihä ist da als Cheftexter der richtige Ansprechpartner.

GLORIA MORTI hatten zehn Jahre lang einen Keyboarder – Lars Eikind ist auf „Lateral Constraint“ aber erneut nur Gast. Warum wird er kein festes Bandmitglied?

»Seine Keyboardspuren entstehen zuletzt, quasi als Sahnehäubchen auf der Musik und dem Gesang. Beim Komponieren sind wir eine sehr gitarrenorientierte Band und auf die Art kommt es zu keinen Grabenkämpfen zwischen den beiden Instrumenten. Außerdem fühlen wir uns mit nur fünf statt sechs Bandmitgliedern ziemlich wohl. Das Arbeiten läuft sehr relaxt ab, wir sehen da keinen Änderungsbedarf. Lars würde sich hinter dem Keyboard auf der Bühne unwohl fühlen. Er ist eigentlich Sänger und Bassist und will das in erster Linie bleiben. Auch wenn er einer der talentiertesten Arrangeure ist, die ich kenne.«

Konnte euer neuer Gitarrist Eero sich schon als Songwriter beweisen?

»Er schrieb das Solo zu 'Sleep, Kill, Regress, Follow'. Seine Fähigkeiten bei diesen schnellen und brutalen Soli sind atemberaubend und darauf werden wir in Zukunft verstärkt zurückgreifen. Als Rhythmusgitarrist pflegt er einem Stil, der meinem ähnelt, also harmonieren wir in der Hinsicht gut miteinander. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Bis dahin kann man seine eigenen Songs bei Casket hören. Starkes Zeug!«

Du hast 'Sleep, Kill, Regress, Follow' gerade selbst angesprochen. Zum letzten Album gab es Shirts mit dem Slogan „Eat Breed Built Repeat“.

»Das ist reiner Zufall. Mein Hirn scheint sehr organisiert, ohne Random-Modus zu funktionieren. Ich muss aber auch zugeben, dass ich die Struktur solcher Textstücke mag. Man kann mit wenigen Worten eine komplexe Idee zum Leben erwecken.«

Ihr endorst Fireline Tattoo. Wer von euch ist die ultimative Litfasssäule?

»Ich habe Teile des Artworks von unserem vorherigen Album „Anthems Of Annihilation“ auf meinem rechten Arm und unser Sänger Psycho hat sich in dem Studio die ganze linke Hand verzieren lassen. Antti Rossi ist definitiv einer der besten finnischen Tattoo-Künstler, wenn nicht von ganz Nordeuropa. Ich denke auch, dass es dumm ist, Tätowierungen irgendwann zu bereuen. Warum sollte man sich wegen etwas Tinte unter der Haut schlecht fühlen? Diese normale beige Hautfarbe sieht für mich viel seltsamer aus – ich würde auch niemals beige Klamotten tragen.«

Hat eure Heimatstadt Heinola musikalisch noch mehr zu bieten, als GLORIA MORTI und die in Finnland enorm bekannten Pop-Punker Apulanta?

»Hier gibt es eine sehr aktive Musikergemeinde, was angesichts der geringen Bevölkerung schon auffällig ist. Apulanta verkaufen national natürlich am meisten Alben, aber es existiert auch eine sehr lebhafte Metal-Szene. Nemecic und Craniumblast müssen an der Stelle hervorgehoben werden.«

Das kleine Mädchen mit dem Teddy auf eurem neuen Cover erinnert an die ersten beiden Annihilator-Coverdesigns. Welche Vorgaben habt ihr Björn von Killustrations gemacht?

»Mit Annihilator bin ich nie richtig warm geworden. Natürlich respektiere ich ihre Leistungen, aber beeinflusst hat mich die Band nie. Björn bekam von uns einige grundsätzliche Richtlinien. Ich erklärte ihm, dass die Texte Probleme wie Religion, Geld und Umweltverschmutzung behandeln. Das Artwork sollte bar jeder Hoffnung auf Besserung der Zustände sein. Die Visualisierung ist alleine Björns Idee gewesen und ich muss nicht betonen, wie glücklich wir mit dem Resultat sind.«

Auf den zweiten Blick erkennt man den Barcode auf dem Arm des Mädchens und ihre Beinprothese.

»Die Kleine symbolisiert die Tragödie, der unsere Kinder inmitten all dieses Irrsinns gegenüberstehen werden. Wir leben, als hätte die Erde unerschöpfliche Ressourcen. Niemanden scheint es zu kümmern, in welche Richtung sich die Menschheit entwickelt. Wenn wir daran nichts ändern wird die Geschichte unserer Spezies so kurz wie komisch sein. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass wir selbst in der Lage sind, das Steuer herumzureißen. «

Ihr habt schon mit vielen Bands getourt, die GLORIA MORTI hörbar musikalisch inspiriert haben. Waren sie danach noch größere Helden oder relativiert sich nach einigen Nächten im müffelnden Tourbus einiges?

»Schwedischer Black/Death Metal war immer ein wichtiger Einfluss für uns, speziell aus der Göteborg-Region. Wir wuchsen mit diesem melodischen und doch aggressiven Sound auf. Mir persönlich waren Dissection immer sehr wichtig und dieses Gefühl wurde nur dadurch vertieft, mit ihnen die Bühne zu teilen und Jon Nödtveidt zu treffen. Sein Einfluss auf mein Spiel war schon lange bevor wir als Band zusammenkamen hörbar. Zyklon sind wirkliche Gentlemen, mit denen wir viel Spaß hatten, aber ihre Verbindung zu Emperor bedeutete mit viel mehr als ihre eigene Musik. Ich will sie nicht abwerten, ich liebe auch Zyklon – aber Emperor sind eben Emperor. Wir haben enorm viel davon gelernt, diese Bands dabei zu beobachten, wie sie ihr Ding durchgezogen haben. Hoffentlich können wir noch viele solcher Support-Shows spielen.«

Mit einem so starken Album in der Hinterhand wäre es eher an der Zeit für Headliner-Gigs.

 

Zum Interviewteil aus Ausgabe 308 geht es hier entlang.

 

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Pic: Mike Siren