Online-MegazineKrach von der Basis

DISCREATION

Luxuriöses Hobby von Freaks

DISCREATION

Nach der Gratis-Download-EP „Plague And Fire“ und einem bunten Strauß an EPs und Alben in Eigenregie präsentieren sich die Hanauer Death Metaller DISCREATION mit „The Silence Of The Gods“ als kampfbereiter 'Wartribe'. Gitarrist Sebastian Schilling gibt in der Online-Ergänzung zum Interview aus Rock Hard Vol. 320 weitere Auskünfte.

Sebastian, was ist der Grundgedanke des Albumtitels?

»Die Vertreter der verschiedenen Religionen verkünden zwar ständig den Willen ihrer Götter, diese melden sich aber selbst nie zu Wort. Dafür findet die Theologie zwar hochkomplexe Argumente, aber wenn es um Dinge geht, die das Leben von Menschen massiv beeinflussen, dann darf es einfach nicht sein, dass auf Leute gehört wird, die einen unsichtbaren Freund haben.«

Hab ihr 'I Reign Supreme' eurem Covermaskottchen in den Mund gelegt?

»Das ist ein Spaßtext, der ordentlich auf dicke Hose machen soll. Der Song fällt mit seinen groovig-rokigen Riffs generell aus dem Raster. Natürlich kann man sich dabei auch den Necropriest vorstellen. Tatsächlich soll der auch auf zukünftigen Covern auftauchen. Wir haben Juanjo Castellano vorab vier Songs zukommen lassen und als einzigen Text 'Tombworld'. Ursprünglich sollte das auch der Albumtitel werden.«

'Tombworld' haut vom Tempo her richtig rein, behält aber auch in den unmelodischen Parts eine Leichtigkeit, statt zur brutalen Fratze zu verzerren.

»Das Riffing ist sehr geradlinig und nicht vertrackt und technisch. Bei den Blasts agieren die Gitarren eher flächig und geben dem Gesang eine Grundlage. Die Produktion ist generell eher differenziert. Sicher könnte man das auch so hindrehen, dass es viel brutaler wirken würde, aber das würde dem Charakter der Songs nicht gerecht werden.«

Ist 'Bringer Of Torture And Pain' eine unbewusste Hommage an Kreator, die 'Bringer Of Torture' und 'Endless Pain' mischt?

»Nein, es ist viel profaner. Unser Gitarrist Dave hatte den Text fertig, aber noch keinen Titel dazu. Also habe ich einen Titel gesucht, der einerseits andeutet, worum es im Song geht, gleichzeitig aber auch schön markig ist. Man kann den Text auf zwei Arten lesen. Es könnte sich um eine Art Profikiller handeln, der seine persönliche Nemesis auf der ganzen Welt jagt. Man kann es aber auch als Metapher für einen Virus lesen, der sich in seiner Ausbreitung von keinerlei von Menschen gemachten Grenzen aufhalten lässt.«

Welchen Gastmusiker/-sänger würdet ihr gerne bei einem eurer kommenden Songs einbinden?

»Aus der deutschen Metal-Prominenz fällt mir spontan Jost von Lay Down Rotten ein. Das würde sowohl menschlich als auch stimmlich gut passen! Ansonsten bin ich großer Fan von Dave Hunt von Benediction bzw. Anaal Nathrakh. Der Mann klingt einfach ultrabrutal.«

Habt ihr euch über die Jahre und auch Besetzungswechsel musikalisch merklich auseinander bewegt?

»Als wir uns vor Jahren von unseren Gitarristen Matthias Okon trennten, waren die musikalischen Differenzen ein wichtiger Punkt. Danach kam Dave in die Band, was uns hörbar gut getan hat. Aber wir sind auch keine Anfang zwanzig mehr und es gibt keine Grabenkämpfe mehr, bei denen es darum geht, dass jeder auf Teufel komm raus seine Riffs und Ideen unterbringen muss. Wir haben schon ein Gefühl dafür, was zu DISCREASTION passt und was nicht. Es ist heute leichter, die unterschiedlichen Einflüsse und Ideen unter einen Hut zu bringen. Dave ist ein ausgebildeter, sehr vielseitiger Gitarrist. Ich dagegen habe wenig Ahnung von Theorie und habe mir das, was ich kann, mehr oder minder selbst beigebracht. Dave neigt dazu, weniger in einen Song reinzupacken und ihn nach dem klassischen Strophe-Refrain Schema zu komponieren, während ich mich eher frage, mit was man einen Song noch anreichern könnte.«

'Falling Backwards In Time' liest sich wie eine Anklage auf Gier, Umweltzerstörung und Kriegstreiberei.

»Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir die Welt mit Hilfe der Wissenschaft, der Technik und den zu Verfügung stehenden Ressourcen nachhaltig für alle Menschen besser machen könnten. Verschiedene Wissenschaftler sind der Meinung, dass niemand auf der Welt hungern müsste. Das wird aber durch eine stetig größer werdende Ungleichheit konterkariert. Die weltweit stetig größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich wird mittelfristig zu einer Art neo-feudalistischen Ordnung führen. So gesehen fallen wir in der Zeit zurück. Ein großes Armageddon in Form eines dritten Weltkriegs sehe ich nicht kommen. Eher den schleichenden Verlust unserer zivilisatorischen Errungenschaften, allen voran der Demokratie.«

Kann man der Idee auch etwas Positives abgewinnen – einem Rückfall in die selige Zeit vor Downloads und der ganzen Internet-Gratismentalität?

»Besonders problematisch ist heute, dass man es mittlerweile mit einer Generation von Leuten zu tun hat, denen das Konzept, für Musik Geld bezahlen zu müssen, völlig fremd ist. Eine CD zu kaufen, scheint ein luxuriöses Hobby von Freaks zu sein. Eine Plastikscheibe auf der etwas drauf ist, dass man in ein paar Minuten für lau haben kann? Das ist eine dramatische Entwicklung, die auch noch von denen befeuert wird, die meinen, dass das schon irgendwie okay ist, und sich Bands heute eben durch Konzerte und Merchandise finanzieren müssen. Es ist aber nicht okay, sondern Diebstahl. Es ist das Gleiche, als wenn es möglich wäre, völlig unkompliziert Autos zu klauen und damit vom Hof der Autohändler zu fahren. Da würde auch keiner sagen: "Dann müsst ihr eben Tankstellen aufmachen, damit ihr am Benzin verdienen könnt!" In eine Platte reinhören ist okay, hat man früher im Laden auch gemacht. Aber wenn man sie dann haben will, soll man auch dafür bezahlen und sich nicht damit rausreden, dass man dann beim nächsten Konzert ein Shirt kauft.«

Wie schade ist es angesichts des Endorsements, dass der Künstlername Riff Randall schon an ex-Sodom-Klampfer Andy Brings vergeben ist?

»Ha ha, das war mir bis eben überhaupt nicht bekannt. Aber in der Tat, das ist schon ein heißer Name. Vielleicht fällt mir ja auch noch was ein. Shred Schecter vielleicht?«

Was hat dich beim Einzelfoto von „Withstand Temptation“ zur Michael-Poulsen-Frisur getrieben?

»Kurz bevor das Foto entstand, war ich beim Frisör und wollte mir die Haare abschneiden lassen. War damals so eine seltsame Phase. Allerdings verließ mich dann doch der Mut und der Kompromiss war eine nicht ganz schulterlange Frisur. Als ich sie dann wieder zusammenbinden konnte, hab ich die Pomade dazugenommen, damit es wenigstens nach irgendwas aussieht. Es handelte sich also eigentlich um einen Unfall, ha ha.«

„Withstand Temptation“ wurde nur von Jörg Uken gemischt und gemastert, „The Silence Of The Gods“ komplett bei ihm aufgenommen. Was hat sich atmosphärisch beim Einspielen in einer ungewohnten Umgebung verbessert?

»Es geht eher darum, dass man gezwungen ist, bei der Sache zu bleiben. Wenn man die Gitarren zuhause aufnimmt, was heute ohne Qualitätsverlust möglich ist, dann kann man zwei Tage Pause machen. Dadurch kann sich so eine Aufnahme dann ewig hinziehen. Ein Studio ist für eine bestimmte Zeit gebucht und am Ende dieses Zeitraums hat man eine Platte eingespielt. Ich würde jedem raten, mit einem Profi aufzunehmen. Unserer Erfahrung ist, dass es einfach schneller und unterm Strich entspannter ist, mit jemandem aufzunehmen, der genau weiß, was zu tun ist und man sich selbst nur ums Spielen der eigenen Parts kümmern muss. Auch der Blick von außen kann sehr hilfreich sein. In der Tat hat Jörg hier und da Vorschläge gemacht, die wir auch gerne angenommen haben. Da ging es meist um die Länge einzelner Parts.«

Ihr seid deutlich vor den gebuchten drei Wochen fertig geworden – warum habt ihr nicht noch ein paar Songs (neu) eingespielt?

»Wir hatten keinerlei zusätzliches Material auf Lager, was wir noch hätten aufnehmen können. Höchstens die drei Songs der „Plague And Fire“-Download-EP, aber als Bonustracks wollte ich sie nicht auf der Platte haben, da es mich persönlich eher nervt, wenn ein Album dadurch zu lang wird. Trotzdem würden wir die EP gerne physisch veröffentlichen. Sehr gerne auch in Form einer Split-EP, wenn sich dafür Interessenten finden. Wir haben Jörg gesagt, dass er sich dann viel Zeit beim Mix nehmen soll, wie er braucht, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Trotzdem sind wir deutlich unter der gebuchten Zeit geblieben und er hat uns fairerweise weniger berechnet, wodurch wie eine nette Summe sparen konnten.«

Hat Hanau eine Metal-Frühgeschichte, die euch beflügelt hat?

»Noch bevor wir selbst angefangen haben, gab es zwei Bands, zu deren Konzerten schon gerne 150 bis 200 Leute kamen. Das eine waren Legacy, die damals angesagten Gothic Metal gespielt haben. Die anderen hießen Hands Of Fate und haben einen sehr geilen Melodic Black Metal mit starker Dissection-Schlagseite gespielt. Die haben uns damals sehr inspiriert, selbst Musik zu machen. Momentan ist es um die Szene eher schlecht bestellt, da es weder in Hanau noch in Frankfurt die Möglichkeit gibt, unkompliziert und vor allem finanzierbar Underground-Konzerte zu organisieren. Lediglich die Metalcore-Szene scheint vital zu sein, was mich sehr wundert.«

Angenommen, Discreation wären eine Boyband: Wer würde welches Spektrum dabei abdecken?

»Kai und Martin sind die sportlichen Beaus, Peter ist der Witzbold, Dave der Geheimnsivolle und ich bin zu dick für eine Boyband. Ich wäre der Manager, ha ha.«

Die gerne als Einflüsse angegebenen God Dethroned hört man in Songs wie 'Wartribe' stark heraus. Gab es irgendwann einmal Feedback vom Serpent King?

»Leider nicht. als wir im Studio waren, hat Peter den Jörg gefragt, ob er Henri eine CD zukommen lassen könnte, denn die beiden sind auch privat befreundet. Aber Jörg meinte, dass Henri sich eher nicht mit der Musik anderer Leute befasst.«

Kommt 2014 eine Neuauflage eures „The Coming Death“-Tourpackages?

»Die Planungen dazu haben bereits begonnen. Allerdings wird es einen anderen Headliner geben. Wer das genau sein wird, ist noch nicht ganz klar. Auf jeden Fall werden Damnation Defaced, Voice Of Revenge und wir am Start sein.«

 

www.discreation.de
https://www.facebook.com/Discreation