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SPHERON

Ecken und Cunten

SPHERON

SPHERON wären ein weiterer heißer Kandidat für die einheimisch besetzte Zeltbühne beim Party.San Open Air. Ihr Albumdebüt „Ecstasy Of God“ bietet anspruchsvollen Death Metal, der eher auf alte Hasen denn einen Newcomer schließen lässt. Zunächst gibt sich Gitarrist Mark Walther als Fan des kategorischen Imperativs nach Kant zu erkennen.

Mark, ist euch Immanuel Cunt rückblickend rechtschaffen peinlich, oder hakt ihr den alten Bandnamen sportlich unter „that’s Rock 'n' Roll“ ab? Passte der Name zu euren ersten Gehversuchen, oder hattet ihr damals schon einen hohen technischen Anspruch und gehaltvolle Texte?

»Krass wie viel Aufmerksamkeit dieser Name bekommen hat und immer noch bekommt! Peinlich nicht... Das waren unsere Anfangszeiten und ich erinnere mich sehr gerne daran zurück. Es war eine unbeschwerte Zeit, wo wir alle noch schön die Schulbank drückten und viel Freizeit hatten. Gepasst hat der Name allerdings nie. Aus Jam-Sessions, die ich zusammen mit unserem Lead-Gitarristen Tobi unter dem Rumblödel-Name Immanuel Cunt hielt, wurde schon bald mehr und es entwickelte sich langsam zu einer Band und der Name wurde einfach übernommen. Matthias, unser Bassist und Texter, kam als letztes dazu und hasste ihn! Unser Ziel war es damals schon einfach geilen Death Metal abzuliefern. Das gesamte Songmaterial von unserer „To Dissect Paper“-EP stammt aus dieser frühen Epoche. Live spielen wir natürlich noch Songs davon, von unserer ersten Demo hingegen kaum noch etwas. Hauptsächlich erfreuen wir uns logischerweise an den neuen Songs. „Ecstasy Of God“ entstand komplett in einem eigenen Prozess nach der EP.«

Zunächst habe ich euren jetzigen Bandnamen für eine Eigenkreation gehalten, die sich auf etwas Sphärisches bezieht. Dann bin ich über die Kameramarke gestolpert und schließlich über „Spheronisation“ als vorletzten Produktionsschritt bei der Herstellung von Tabletten, bevor die Portionen trocknen und wahlweise noch mit einer Hülle überzogen werden. Habt ihr diese anderen Bedeutungen auch erst später, als der Name stand, erfahren?

»Ja, genau so ist es! Wir kreierten damals dieses Kunstwort, nachdem wir uns viele Gedanken über das Konzept unserer Musik und Texte gemacht haben. Später stolperten wir dann auch über diese Kameramarke. Der Begriff „Spheronisation“ ist mir jedoch komplett neu! Sehr gut, wieder etwas gelernt. Schlimm finde ich das jedoch nicht. Wir sind die erste Band, die so heißt und das ist heutzutage ja schon etwas seltenes! Für uns hat dieser Name eine ganz individuelle Bedeutung und außerdem klingt das Wort einfach geil.«

Welche Vorgaben hatte Eliran Kantor für das Cover? Die Darstellung der Körper erinnert an die griechische Antike.

Spheron»Klar kannte Eliran Musik und Texte, das war es dann aber auch schon. Ich bin ein sehr großer Fan seiner Kunst, und es war einfach eine grandiose Erfahrung mit ihm zusammenzuarbeiten. Neben Musik und Texte zur Inspiration, verzichteten wir bewusst auf jegliche Art von Vorgabe oder Interpretationshilfe, um seine Kreativität nicht zu beeinflussen. Er war sehr angetan von der Musik, der Atmosphäre und dem lyrischen Konzept von „Ecstasy Of God“. Er erarbeitete ein eigenes Konzept für das Cover, und es ist einfach unglaublich wie perfekt er unsere Texte und den Gedanke dahinter verstand und die Stimmung unserer Musik traf! Wir waren alle überwältigt.«

Ist das Facebook-Foto von euch vor einer Azteken- oder Maya-Pyramide echt?

»Es wäre der Hammer, wenn es echt wäre, aber ja, das ist „leider“ nur eine Fotomontage! Wer träumt nicht davon, sowohl national als auch international Erfolg mit seiner Musik zu haben? Man kommt rum und sieht die Welt. Ich stelle mir das sehr geil vor! Aber mit Death Metal ist das eine schwierige Sache.«

Bei eurem spielerischen Level muss man davon ausgehen, dass ihr eine Ausbildung an den Instrumenten genossen habt – studiert gar jemand Musik?

»Wir sind alle noch Studenten, aber ein künstlerisches Studium verfolgt keiner von uns. Um das Komponieren unserer Songs kümmert sich fast ausschließlich unser Maestro Tobias Alter. Er hat gewöhnlich fixe Ideen im Kopf und setzt diese dann um. Sein Prozess des Songwritings ist eine gesunde Mischung aus Bauch und theoretischem Musikwissen. Klar arbeiten wir mit Noten. Das ist uns sogar sehr wichtig! Zu jedem Song werden Tabs angefertigt und Demos mit Drumcomputer eingespielt. Musik studiert niemand von uns, aber drei von uns hatten Unterricht an ihren Instrumenten, Tobi und ich sogar den gleichen Gitarrenlehrer. Unser Basser Matze ist Autodidakt und hat sich sein ganzes Können in Eigenregie angeeignet; das gilt natürlich auch für unser Goldkehlchen Daniel.«

'Saturnian Satelites' fand sich schon vor Monaten auf einer „Gentle Carnage“-Compilation. War das Album zu dem Zeitpunkt bereits komplett fertig aufgenommen und bearbeitet?

»Das war eine Vorab-Version, zu dem Zeitpunkt war „Ecstasy Of God“  zwar schon komplett aufgenommen, aber noch nicht fertig gemischt. Da wir auf jeden Fall mit auf den Sampler wollten, hat Christoph eine Vorabversion vom 'Saturnian Satelites' gemacht, die sich aber nur minimal von der Albumversion unterscheidet.«

Wie bewertet ihr die derzeitige Death-Metal-Szene in Deutschland, was die technischen/progressiven Bands anbelangt: seht ihr euch z.B. mit Over Your Threshold und Sophicide als Teil einer neuen Bewegung, womöglich stark motiviert von Obscura und Necrophagist? Bei letzteren habt ihr im Studio aufgenommen, Obscura-Steffen ist dafür ebenfalls voll des Lobes.

»Um ehrlich zu sein, habe ich das voll nicht auf dem Schirm…sorry.  Die eine Band sagt mir nichts und Over your Threshold kenne ich auch nur vom Obscura-Tourpackage. Das, was ich auf Youtube gehört habe, wusste schon zu beeindrucken, klar! Aber richtig fesseln konnten mich die Songs nicht. Man merkt, dass die Jungs sehr von Obscura beeinflusst sind. Obscura und Necrophagist sind meiner Meinung nach zwei absolute Ausnahmebands auf ihrem Gebiet, und es wäre natürlich der Hammer mal mit einer von ihnen auf Tour zu gehen! Beide haben ihren eigenen und individuellen Style. Auf diesem Prog-Tech-Level halten sie wohl allein den Thron inne und wir haben auch gar kein Interesse den Jungs Konkurrenz zu machen. Egal, wie oft Bands versuchen sie zu kopieren, richtig das Wasser reichen, kann ihnen bis jetzt keine; also mir fällt jedenfalls keine ein. SPHERON würde ich auch nie in diese Schublade stecken wollen. Aber ich kann dir auch nicht sagen in welche man uns am besten steckt. Das soll jeder für sich entscheiden. Klar, wir haben auch gewisse technische oder progressive Elemente, aber die sind nur Mittel zum Zweck und stehen nicht im Vordergrund unserer Musik. Im Fokus steht der Song als ein Ganzes und die Atmosphäre, die vermittelt wird. „Ecstasy of God“ ist für uns ein Gesamtkunstwerk. Das Artwork ist genauso wichtig, wie die Musik und die Texte, die von ihm umhüllt sind. Aber um noch mal auf die Frage zurück zu kommen: wir haben in Deutschland eine echt starke Death-Metal-Szene und viele megageile Bands, die mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Bands wie Deadborn, Tombthroat (Ludwigshafen Death Metal!) oder Fragments Of Unbecoming sind einfach der Beweis, dass richtiger Death Metal noch nicht tot ist!«

Das „Sultans Of Death“-Festival muss musikalisch für euch das Paradies gewesen sein.

»Es war der absolute Wahnsinn! Da war die Créme de la Créme des deutschen Death Metals am Start, mit den Special Guests Aeon aus Schweden. Und das in unserer Heimatstadt Ludwigshafen! Etwa in der Mitte unseres Sets hat sich ein größerer Moshpit entwickelt. Eine Kommilitonin von mir geriet da unglücklich mit rein und hat sich dabei leider das Handgelenk gebrochen. Das war natürlich nicht so cool, aber Rock 'n' Roll!«

Wie viele Exemplare eurer EP „To Dissect Paper“ habt ihr pressen lassen – und wie viele sind noch über euch erhältlich?

»Wir haben damals 500 Exemplare pressen lassen und es sind noch knapp 200 für acht Euro das Stück käuflich zu erwerben. Entweder über den Apostasy-Records-Shop oder direkt über unseren Band Shop: http://spheron.bigcartel.com/ Wer kein Paypal hat, kann uns auch einfach eine E-Mail schreiben.«

Gibt es abgesehen von deinem Engagement bei Maladie weitere Nebenarme von SPHERON?

»Ich bin im Moment noch der Einzige, der fremd geht, haha! Aber ich sehe mich bei Maladie nicht als Bandmitglied, sondern als einen ausführenden Part, der seinen Teil zur Musik beträgt und das ist auch gut so! Anders würde das auch nicht funktionieren und es wäre nicht das, was es ist.«

„Ecstasy Of God“ steht zwar mit einem Fuß im technischen Death Metal, ist aber nicht völlig entrückt. Werdet ihr dieses Mischverhältnis beibehalten, oder ist bereits eine Neujustierung absehbar?

»Ich bin froh, dass du das so siehst! Wir setzen uns nicht zum Ziel schneller oder verfrickelter zu werden; das kommt wie gesagt auf den Song an. Eins ist sicher: SPHERON wird immer nach SPHERON klingen, aber wir lassen uns überraschen, wohin genau die Reise hinführt. Und ja, es gibt bereits neues Songmaterial.«

Existieren bestimmte Regeln, was bei SPHERON ein Tabu ist?

»Also Electrobeats á la Morbid Angel wird es von uns jedenfalls nicht zu hören geben.«

 

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