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FURBOWL

Die Rache des Drummers

FURBOWL

Die ebenso innovativen wie kurzlebigen Schweden FURBOWL geben mit ihren beiden Alben „Those Shredded Dreams“ (1992) und „The Autumn Years“ (1994) weit mehr Gesprächsstoff ab, als im Rahmen der „Kult, Ihr Asis!“-Rezension und „Drei Fragen an“-Kolumne der Printausgabe abgedruckt werden konnten. Hier also der Rest des Nostalgietrips mit Drummer Max Thornell, der schließlich in der Gegenwart von Hearse endet. Bei denen verschmelzen er und Johan Liiva mit einem dritten Kompagnon weiterhin munter Death Metal, Crust, Hardrock und allerlei anderes.

Wie bereits angedeutet, entstand „Those Shredded Dreams“ mit einem kauzigen Produzenten in ungewohnter Umgebung.

»Uns wurde Lach’n von der Band Raped Teenagers empfohlen, also buchten wir sein Studio für meine alte Band Döm Dar und später FURBOWL. Die Vibes dort waren einfach cool, dabei sah das Ganze eher wie ein Lagerraum für allerlei seltsame Instrumente aus. Ich weiß gar nicht, ob es das Studio noch gibt, hoffe es aber.«

Der Albumtitel liest sich ziemlich pessimistisch.

»Ach, wir waren damals um die 20 und dachten, wir erleben harte Zeiten. Wirt hatten gerade Schule und Ausbildung hinter uns und mussten erstmalig auf eigenen Beinen stehen. Ich erinnere mich an eine eigentlich doch recht fröhliche Zeit und keine tiefer gehenden Depressionen.«

Für FURBOWLs Identität war es von Vorteil, nicht Teil des sehr überschaubaren Stockholmer Todesbleiklüngels zu sein, dem dennoch ein gutes Dutzend Bands entsprang.

»Wir waren einfach nicht so von diesen „Death-Metal-Gesetzen“ bestimmt. Es gab einen ganz bestimmten Hauptstadtsound, aber dem wollten wir nicht auch noch direkt nacheifern. Wir wollten einfach auch andere Einflüsse zulassen und so ging es mir bei allen anderen musikalischen Folgeprojekten bis hin zu Hearse jetzt. Damals sorgte jede Menge Punk, The Cult und Sisters Of Mercy dafür, dass unsere Musik anders klang.«

Du und Johan erscheinen beinahe wie siamesische Zwillinge, die bei Devourment zusammenwuchsen und über FURBOWL hinaus auch bei Hearse gemeinsam durchhalten – auch wenn Johan z.B. nach dem zweiten Album FURBOWL verließ und der Rest um dich fortan Wonderflow hieß.

»Ich wusste schon 1975 bei meiner ersten Begegnung mit Kiss und Alice Cooper, dass ich Musiker werden will. Da war ich neun Jahre alt... Jetzt bin ich 41 und es würde mich wohl umbringen, wenn ich einfach so aufhören würde. Johan und ich lernten uns 1985 kennen und gründeten unsere erste Band namens Asbest. Purer Punk! Es klang verdammt schrecklich, aber wir waren selig und hatten unseren Spaß. Danach kamen dann die weiteren genannten Stationen.«

Auf den Pressefotos für beide FURBOWL-Alben trägst Du ein kunterbuntes Wollungetüm, mit dem du mehr nach Alternativ-Rocker denn Punk oder Metaller aussahst.

»Die Jacke hab ich erst vor einigen Jahren entsorgt. Ich hatte sie mir 1989 in London zugelegt und sie hat ihren Job wohl erfüllt... Das erste Foto wurde am Rande unserer Heimatstadt Växjö aufgenommen. Meine Eltern haben zwar auch ein gelbes Haus, aber es ist nicht das aus dem Bildhintergrund.«

Was verband Euch außer Johans Carnage-Zeit mit Michael Amott, der Euer Debüt co-produzierte?

»Wir kannten uns schon seit 1986, als er bei Disaccord spielte, die immer noch eine meiner liebsten Schwedenbands überhaupt sind. Damals hatte er einen Irokesenschnitt. Mir gefällt es, dass diese alten Punk-Einflüsse in Arch Enemy wieder lebendig werden. Nicht musikalisch, aber z.B. im Artwork mit diesen Crass-Lettern und den Symbolen. Wir teilten uns damals den selben Proberaum und Michael war schon früh ein unheimlich guter Gitarrist. Er machte mich auch schon in den 1980ern auf Napalm Death aufmerksam. Ich kannte die Band zwar von der Compilation „Bullshit Detector“, aber plötzlich spielten sie wesentlich schneller. Er sprach auch viel über Carcass – und auf einmal war er selbst Bandmitglied. Später hab ich das erste Spiritual-Beggars-Demo für ihn auf meinem tragbaren Achtspur-Recorder aufgenommen. Ich wünschte, davon hätte ich noch eine Kopie. Michael hatte schon immer die Motivation, es als Musiker zu etwas zu bringen und es freut mich sehr zu sehen, was er alles erreicht hat. Ich muss immer grinsen, wenn ich eine neue Anzeige für ein Signature-Modell oder einen von ihm mitentwickeltes Effektgerät sehe.«

Gut möglich, dass die rockigen Vibes von FURBOWL ihn zu den Spiritual Beggars inspiriert haben.

»Keine Ahnung, aber ihm gefielen die Rockelemente in unseren Songs damals jedenfalls und selbst Carcass machten so etwas, nachdem er schon nicht mehr bei ihnen war. Auch wenn ich mir wünschte, sie hätten es unterlassen... Mike hat damals aber sehr viele für ihn neue Gitarristen entdeckt und enorm viele unterschiedliche musikalische Einflüsse. Er hat mir gleichzeitig Mr. Bungle, Brutal Truth und Uli Jon Roth vorgestellt.«

Auch Entombed könnte man unterstellen, vor ihrer Wandlung zwischen „Clandestine“ und „Hollowman“/“Wolverine Blues“ eine Dosis FURBOWL aufgeschnappt zu haben.

»Nicke Andersson hat mir mal erzählt, dass er unser Debüt sehr mag.... Aber was weiß ich? Entombed waren und sind eine meiner Lieblingsbands.«

FURBOWL akzeptierten keine Stilgrenzen.

»Die Death-Metal-Puritaner haben uns dafür sicher gehasst. Wir waren eben nicht true, was mich nie gejuckt hat. Auch heute erzählen mir dahergelaufene 20-jährige, was echter Hardrock ist und ich sage ihnen, ich habe schon Hardrock gehört, 20 Jahre bevor sie gezeugt wurden. Ich hab es nicht nötig, mich als Angehöriger einer bestimmten Szene zu bezeichnen. Ich lebe für die Musik, die ich liebe. Punkt!«

Zwischen „Those Shredded Dreams“ und „The Autumn Years“ wuchsen FURBOWL mit Nicklas Stenemo zum Trio an.

»Wir bekamen das Demo seiner Band Natterjack in die Finger und mochten seinen Stil. Man hörte coole Einflüsse wie Ace Frehley und Randy Rhoads heraus. Er war erstmalig dabei, als wir ´Buried Alive´ für einen Venom-Tribute-Sampler auf primitive Art einspielten. Wir fanden dabei heraus, dass er zu gut ist, um ihn gehen zu lassen. Er hat eine Menge Groove in die Band gebracht. Er war nicht nur auf der Gitarre und am Piano extrem talentiert. Man muss ihn nur zehn Minuten mit einem ihm neuen Instrument alleine lassen und er kann es spielen. Heutzutage spielt er in der bei uns in Schweden recht populären Band Melody Club. Außerdem ist er Mitglied bei Kite. Seine Metal-Zeiten scheinen also vorbei zu sein.«

Das zweite Album erschien bei Black Mark, die kaum eine ihrer Bands auf Tour schickten.

»Es waren andere Zeiten, ein Album zu veröffentlichen, war einfach super cool. Heute will jeder immer noch ein Rockstar werden, früher haben die Bands sich unterstützt. Es gab weniger Wettbewerb, mehr Liebe zur Musik. Death Metal war etwas Frisches und Aufregendes. Wir können uns nicht über Black Mark beschweren, sie haben uns sehr geholfen und die Verkäufe zogen stark an. Ich hätte gerne mehr Gigs gehabt, aber das war ohnehin nicht Johans Ding.«

Mit der Doppel-CD-Variante von Vic Records und der längst ausverkauften, Dreifach-LP von The Crypt wurde „Those Shredded Dreams“ in den letzten Jahren gewürdigt.

»Die Erinnerungen beim Zusammensuchen von alten Fotos und Aufnahmen, deren Existenz ich schon vergessen hatte, war überwältigend. Aber ich habe so gut wie alles von uns archiviert und in die Formate Wav und Mp3 konvertiert und die ganzen Fotos gescannt. Die Dreifach-LP ist etwas ganz besonderes, wer hat so was schon außer vielleicht Kiss? Ich schrieb Michael Amott damals „Hey Buddy, du bereist die Welt und hast eine große Karriere, aber ich habe eine Dreifach-LP!“. Erst nach dem Absenden fiel mir wieder ein, dass er ja auch darauf zu hören ist. Vic haben versucht, die Rechte an „The Autumn Years“ zu kaufen, aber Black Mark waren erstaunlicherweise nicht daran interessiert.«

Das bereits erwähnte ´Buried Alive´ gehörte zu den wenigen Covern, die FURBOWL bei Proben zockten.

»Venom waren und werden immer meine Helden sein. Wir hatten auch überlegt, ´It’s A Sin´ von den Pet Shop Boys umzukrempeln – aber der Song war für uns wohl etwas zu kompliziert.«

Auf „The Autumn Yeras“ konntet Ihr Seitenhiebe gegen die erstarkende Black-Metal-Fraktion nicht unterdrücken. So spielte Lach’n auf dem Album die „satanic violin of death“ und unter der Dankesliste steht „god bless you“.

»Steht da nicht „May you be well and happy“? (nein – Anm. D. Verf.) , eine buddhistische Höflichkeitsformel? Ich glaube nicht, dass wir uns über irgendjemanden lustig machen wollten – wir haben diesen Satanskram einfach nur nicht ernst genommen. Mit satanischem Image hätten wir zu der Zeit wahrscheinlich 10.000 Alben mehr verkauft. Aber das wären nicht FURBOWL gewesen. Ich kann mich an keine teuflischen Umtriebe in Växjö erinnern und bin überzeugt, dass nur wenige schwedische Bands so etwas ernst genommen haben.«

Obwohl der Kern von FURBOWL in Hearse fortbeseht, sind sie mehr als nur ein alter Dampfer unter neuem Namen.

»Wir haben bei einigen Gigs FURBOWLs ´Razorblades´ live gespielt, unter anderem auf dem Up From The Ground vor mehreren Jahren. Einige Fans konnten sich an den Track erinnern, das war cool. Hearse waren eigentlich ein Seitenprojekt meiner anderen Band Satanarchy, aber nach fünf Alben haut diese Bezeichnung nicht mehr so hin... Hearse sind einfach ein Forum, meine Songs zu veröffentlichen. Das ist die Rache des Drummers, haha. Ich schreibe alle Songs, Mattias Ljung krönt sie mit Solos und Leads, Johan schreibt die Texte. Na ja, und mit den meisten Gesangsideen komme ich um die Ecke.«

Hetzen lasst Ihr Euch dabei aber nicht – „Single Ticket To Paradise“ erschien bereits 2009.

»Mattias und ich haben einige neue Songs beisammen und Johan... was soll ich sagen, er ist eben immer noch Johan. Wir müssen also abwarten. Hoffentlich bringen wir in der näheren Zukunft unser sechstes Album heraus.«

 

http://www.johanliiva.se/furblow.html
http://www.myspace.com/furbowl
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