Online-MegazineKrach von der Basis

PURGATORY

Brutaler und Unmenschlicher

PURGATORY

Mit 20 Jahren Bandgeschichte, einer Handvoll Singles, Splits und nunmehr dem siebten Album „Deathkvlt – Grand Ancient Arts“ sind die Nossener PURGATORY eine Art Perpetuum Mobile im bundesdeutschen Death Metal. Wie tief die Wurzeln wirklich reichen und über welchen edlen Geschmack das Quartett bei der Wahl seiner Coversongs verfügt, klärt ein Gespräch mit Gitarrist René Kögel.

Ist euer alter Sänger und weiterhin aktueller Texter Sick während der Songwriting-Phasen oft im Proberaum und geht mit Dreier Strophen und Refrains durch?

»Die Grundideen zu den Songtexten arbeiten wir meist gemeinsam mit Sick aus und er entwickelt aus diesen Ideen wiederum einen kompletten Text, der dann in Zusammenarbeit mit Dreier dem jeweiligen Song angepasst wird. Und selbst fürs Studio lassen wir uns da noch gewisse Freiräume, um an Details zu feilen. In unseren Augen hat Dreier in seiner gesanglichen Entwicklung auch auf einen weiteren Schritt nach vorn gemacht. Wir hatten während der Vocal-Session auch den Eindruck, dass vor allem seine Growls nochmal ein Stück brutaler und unmenschlicher geworden sind.«

Nach den Hits von Morgoth, Asphyx, Autopsy, Terrorizer und Massacre habt ihr wieder etwas Unerwartetes (wie damals auch Lemming Project oder noch früher Impetigo) gecovert:  'As I Behold I Despise', den Opener von Demigods „Slumber Of Sullen Eyes“. War deren Label Repulse (vorher Drowned, heute Xtreem) aus Spanien eine eurer ersten Anlaufstellen, Taschengeld, Lehrgeld oder Lohn zu verkloppen?

»Die Idee, einen Song von Demigod zu covern, stand schon eine ganze Weile im Raum. Schon das Demo war genial und mit „Slumber Of Sullen Eyes“ haben sie die Messlatte zu dieser Zeit gewaltig hoch gelegt. Für uns ist diese Scheibe ein Klassiker der Death-Metal-Geschichte, der leider nie die Anerkennung erfahren hat, den er verdient hat. Einen Song auszuwählen, fiel uns nicht unbedingt einfach. 'As I Behold I Despise' ist unserer Ansicht nach einer der besten Songs auf dem Album. Da wir schon seit Demigods Demozeiten Kontakt zur Band haben, lag es nahe Esa Linden einzuladen, die Vocals für den Song beizusteuern. Er war von der Idee sofort begeistert und hat einen Bombenjob hingelegt! Mit ihm zusammen zu arbeiten, war für uns eine absolute Ehre! Vor allem Drowned hat damals sehr geile Death-Metal-Produktionen veröffentlicht und ziemlich viel Kohle von uns dafür erhalten, haha!«

Könnt ihr auch mit den späteren Demigod-Alben etwas anfangen? Vor die Wahl gestellt: ist der alte Finnentod geiler, als der wesentlich bekanntere Elchtod? Und wann covert ihr endlich mal Luciferion?

»Neuere Demigod kommen leider definitiv nicht an ihr Debut „Slumber Of Sullen Eyes“ heran und besitzen auch nicht diese gewaltige Durchschlagskraft. Ich selbst habe seit jeher die finnische Szene bevorzugt, besonders aufgrund solcher Bands wie Demigod, Demilich, Cartilage, Vomiturition, God Forsaken und vielen mehr. Luciferion ist definitiv eine großartige Band, aber in Richtung  Cover ist momentan nichts geplant.«

Fleshcrawl haben vor 19 Jahren 'Reincarnation' von Demigod gecovert und ein Album später Demilich. Gibt es viele Berührungspunkte eurer Geschichten, viele gemeinsame Gigs mit den Süddeutschen in den 1990ern? Zählt man Musical Massacre hinzu, seid ihr beide ungefähr gleichlang aktiv.

»Mit Fleshcrawl haben wir in der Vergangenheit so einige Gigs gemeinsam gezockt und die Jungs sind auch gute Kumpels von uns. Und auch die durchsoffenen Nächte gab es, haha. Im September werden wir uns außerdem ein weiteres Mal mit den Jungs die Bühne teilen. Und auch dieser Abend wird sicher wieder ein Erlebnis, haha!«

Euer Produzent Patrick W. Engel gräbt mit seinem Label German Democratic Records Schätze aus der alten DDR-Szene aus. Welche Trümmerbands – oder auch normale Heavy Metal-Combos – waren euch von den einheimischen damals wichtig, welche habt ihr nachträglich kennen und schätzen gelernt?

»Patrick und Hendrik machen dabei einen verdammt guten Job, zumal Patrick das alte Material sehr gut und mit viel Liebe zum Detail neu aufarbeitet. Von den damaligen Bands waren unter anderem Disaster Area, Argus, Deathtrap, Panther und Feuerstein am geilsten.«

Wer von euch war alles vor Musical Massacre schon bei Bloodbath?

»Bei Bloodbath waren von der heutigen Besetzung nur ich und Lutz kurz bevor er zu Deathtrap wechselte.«

Angenommen, ihr müsstet für einen Tribute-Sampler einen Song aus DDR-Zeiten covern: Welcher wäre das – etwas von Disaster Area oder Argus, die du als erste live gesehen hast?

»Keine Ahnung. Grundsätzlich gäbe es da viele Songs, die man umsetzen könnte. Im Moment kann ich mich für keinen speziellen Song entscheiden.«

Wisst ihr noch, welche Alben ihr euch vom Begrüßungsgeld gekauft habt?

»Haha! Ich persönlich hab mir damals die Death-LP „Scream Bloody Gore“ und das „Serpent Temptation“-Vinyl von Incubus geholt.«

Ist Lutz wieder völlig genesen?

»Bei Lutz ist alles wieder in bester Ordnung. Er musste aufgrund eines Arbeitsunfalls mehrere Wochen sein Sprunggelenk schonen und konnte deshalb unmöglich Schlagzeug spielen. Daher mussten wir den Studiotermin kurzfristig absagen. Das war natürlich ein herber Rückschlag für uns, da wir unseren gesamten Plan verwerfen konnten. Letztlich sind wir aber froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist und er einige Wochen nach dem Unfall wieder wie gewohnt an den Drums loslegen konnte.«

Eure Art von Musik ist diesbezüglich immerhin echter Leistungssport. Würdest du Lutz als den Musiker bezeichnen, der sich bei euch rein spieltechnisch im Laufe der Jahre am meisten entwickelt hat? Gibt es irgendwelche speziellen Skalen, Tapping-Techniken oder sonst etwas, das du regelmäßig trainierst und noch aneignen willst, oder ist eure Philosophie diesbezüglich die selbe, wie beim Komponieren: Es muss aus dem Bauch kommen und unmittelbar umsetzbar sein?

»Lutz hat sich über die Jahre extrem weiter entwickelt und wir sind auch ganz froh darüber, dass wir ihn haben. Als Band versuchen wir natürlich uns von Mal zu Mal zu verbessern, wobei wir uns nicht unbedingt für uns allein hinsetzen, um uns diverse neue Techniken anzueignen. Die Songs müssen für uns einfach passen. Beim Songwriting gehen wir nicht so vor, dass wir notwendigerweise irgendwelche technischen Spielereien oder Feinheiten einarbeiten wollen. Wir verlassen uns also durchaus auf unser Bauchgefühl.«

Bislang habt ihr bis auf die ersten Festivals noch gar keine Konzerte zum Bandjubiläum angesetzt. Seid ihr 2013 beruflich zu sehr eingespannt?

»Die Gigs in Landeck und in Polen kürzlich verliefen sehr gut für uns. Für den Rest des Jahres sind noch einige Sachen geplant, aber bisher noch nicht spruchreif. Die Termine zum 20-jährigen Jubiläum sind bereits fest in Planung und werden in Kürze bekannt gegeben.«

Apropos Jubiläum: Welche Songs vom 1993er „Live...Perversion“-Tape könntet ihr spontan immer noch zocken? Gibt es den Club in Großhennersdorf noch, in dem der Gig damals stattfand?

»In der aktuellen Besetzung haben wir bisher keinen der Songs vom Tape in unser Live-Set übernommen. Das könnte sich aber demnächst ändern, da unser 20-jähriges Jubiläum im Raum steht. Ob es die Halle in Großhennersdorf noch gibt, kann ich dir nicht sagen – keine Ahnung! Bei diesem Gig haben wir gemeinsam mit Protector und einigen Vorbands gespielt. Von diesem Live-Tape haben wir damals 100 handnummerierte Stück produziert.«

Lang ist es her, dass Johan Hegg von Amon Amarth euer Gastsänger war. Geht ihr noch zu den Shows der Band, oder könnt ihr mit deren Entwicklung hinaus aus dem Underground absolut gar nichts mehr anfangen?

»Johan hat 2000 für unser Album „Blessed With Flames of Hate“ Gastvocals beigesteuert, da wir zu dieser Zeit gemeinsam auf Tour waren und sich ein Abstecher ins Studio einfach ergeben hat. Der Kontakt zu den Jungs besteht noch immer und wir sind seit ihren Shows hier in Deutschland gute Freunde. Letztes Jahr im August im Rahmen der Shows zum 25-jährigen Jubiläum von Amon Amarth haben sie uns eingeladen, ein paar Songs während ihres Gigs in Chemnitz zu zocken. Die Jungs haben diesen Weg für sich gewählt und straff auf den Erfolg hingearbeitet, den wir ihnen natürlich gönnen. Dazu muss ich aber auch anmerken, dass die musikalische Entwicklung der Band nicht unbedingt mehr unsere Baustelle ist.«

Letzte Worte?

»Wir danken dir für das Interview! Supportet den Underground und checkt unsere Homepage! May we all burn at the final dawn!«

 

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Zur PURGATORY-Story aus der Rock-Hard-Printausgabe 314 geht es hier entlang.

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