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FINSTERFORST

Baden und Bulgarien

FINSTERFORST

Die Schwarzwald-Epiker FINSTERFORST nähern sich mit „Rastlos“ der Perfektion ihres hymnischen Stils. Welche Opfer dafür gebracht wurden, führt der spürbar enthusiastische Haxist und Gitarrist Simon Schillinger aus.

Auf dem Pfad von „...zum Tode hin“ zu „Rastlos“ habt ihr ein offenbar fertiges Album eingestampft bzw. nicht veröffentlicht. Was sind eure Qualitätsmaßstäbe?

»Mit „Rastlos“ haben wir nun definitiv unseren neuen Stil gefunden, in welchem wir uns auch in Zukunft bewegen werden. Seit den forstlichen Anfangstagen kristallisierte sich bis heute eine immer wachsende Sicherheit in der Musik heraus. Das neue Album bietet dem Hörer eine Vielfalt von verschiedenen musikalischen Elementen und wird mit Sicherheit mehrere Geschmäcker zufriedenstellen. Wir haben uns bei der Ausarbeitung der gesamten Produktion sehr viel Mühe gegeben, um die Musik besonders druckvoll, differenziert, transparent und klar zu präsentieren. Kompositorisch haben wir uns seit dem Vorgänger qualitativ um Welten verbessert. Neben den ausgereifteren Arrangements wurden auch jegliche Riffs oder Harmonie- bzw. Melodiepassagen mit größter Sorgfalt geschrieben. „Rastlos“ ist sicherlich kein Album, welches man mit Leichtigkeit und nach einmaligem Hördurchgang problemlos verstehen kann. Auch wenn das Material strukturell nicht progressiv oder kompliziert wirkt, sollte der Hörer schon eine gewisse Hingabe zur Musik allgemein und Geduld aufbringen können. Doch wenn du einmal in die rastlosen Tiefen eingetaucht bist, erwarten dich atemberaubende Stimmungen, aus welchen du dich nicht mehr so schnell hinaus begeben willst. Das Album ist mit fünf Liedern ziemlich vollgepackt, wirkt aber zu keinem Zeitpunkt langweilig oder in sich wiederholend. „Rastlos“ agiert schwer, langsam, rasant, aggressiv und melancholisch. Wir selber könnten mit dem Ergebnis nicht glücklicher sein und freuen uns schon auf den Schreibprozess des Nachfolgers. Die musikalische und lyrische Messlatte haben wir durch „Rastlos“ nun sehr hoch angesetzt!«

Große Teile des Albums hast du in Bulgarien geschrieben. Der in den Texten thematisierte Verlust der Heimat war sicherlich nur temporär – oder bist du emigriert? Hoffentlich dann ohne begleitendes Kamerateam eines Krawallsenders...

»Nein, emigriert bin ich nicht – zumindest nicht vollständig! Ich verbringe oft Zeit bei meiner Freundin in Bulgarien und so hatte ich dort vor einiger Zeit einen Großteil des Albums komponiert. Meine Heimat habe ich nicht verloren – im Gegenteil: ich habe eine zweite Heimat für mich gefunden und bin sehr glücklich darüber. Baden und Bulgarien – es geht nicht besser! Haha!«

Die Chöre klingen auf „Rastlos“ herausragend. Hat euch ein Externer mit kirchenmusikalischem Hintergrund beim Arrangieren geholfen?

»Vielen Dank für das Kompliment! Nein, externe Hilfe hatten wir hierzu nicht. Die Chöre wurden von mir im Vorfeld komponiert und im Studio hatten wir dann an manchen Stellen noch etwas Feinheit durch zusätzliche Stimmen reingebracht.«

Einziger Kritikpunkt meinerseits bleibt der manchmal immer noch etwas leidende, knödelnde Klargesang z.B. in 'Stirbt zuletzt'. Seht ihr da auch noch Handlungsbedarf?

»Ganz egal um was es genau in der Musik geht, Handlungsbedarf besteht immer. Ich persönlich bin mit jeglichem Gesang sehr zufrieden, aber es ist immer eine Steigerung möglich. Wir wollen uns in Zukunft mehr auf die Flexibilität des Gesangs konzentrieren und der Musik noch mehr Abwechslung verschaffen.«

Habt ihr Feedback von außerhalb der Metal-Szene bekommen? Abgesehen von einigen kurzen brutaleren Passagen fehlt eurer Musik doch vieles, was die Allgemeinheit an Metal hasst und irritiert.

»Familie und Freunde loben immer wieder die Musik und können lediglich nichts mit dem „Kreischgesang“ anfangen, haha! Du hast Recht, bis auf ein paar black-metallische Einflüsse wirkt unsere Musik sehr harmonisch und melodisch. Dank der sauberen und klaren Produktion erklingt das Werk auch weniger krachend in den Ohren, sondern beweist mühelos, dass es möglich ist, schwere und aggressive Metal-Musik sehr definiert an den Hörer zu bringen.«

Seid ihr immer noch eine reine Studentenband – oder haben die ersten schon den Sprung ins Berufsleben wagen müssen? Wie schaut es in Baden mit der Arbeitslosigkeit junger Akademiker aus - musste schon ein Finsterförster Taxifahrer werden?

»Also mich zieht es nicht in die brotlose, sondern in die haxöse Kunst, haha! Die meisten von uns sind immer noch am Studieren und werden demnächst auch mal eventuell einen Abschluss absolvieren und schlichtweg Chef oder Ingenieur werden. Gearbeitet wird auch, allerdings noch nicht als Taxifahrer oder Grillstandaushilfe!«

Gutes Stichwort: Wie schaut es mit dem Haxenmeischda aus – sorgt er immer noch auf dem Edeka-Parkplatz für das zünftige Knursp-Feeling? Hätte ein Vegetarier in euer Band jemals eine echte Chance?

»Das ist eine traurige Geschichte, denn unser allzeit geliebter Haxenmeischda ist schon seit längerem nicht mehr anwesend, da er von seinem Arbeitgeber gefeuert wurde. Die Gründe hierfür kann ich leider nicht detailliert auslegen, aber es ging wohl um Streitigkeiten bezüglich der Unterhaltskosten des jeweiligen Grillstandes. Wir konnten dieses ganze Theater nicht fassen – er war und ist einfach nicht mehr da! Das hat uns in einen Haxenschock versetzt und wir hoffen, dass er eventuell eines Tages doch wieder zurückkehren wird. Meischda, wir warten sehnsüchtig auf dich und deine Haxenkunst! Der Haxismus an sich geht allerdings weiter, denn freitags steht ein anderer Grillstand auf dem Parkplatz von einem anderen Supermarkt. Dort werden wir Haxisten von einer jüngeren Haxengeneration versorgt. Die Haxen schmecken dort fantastisch und wir haben schon darauf spekuliert, dass diese Grilllehrlinge wohl die Schüler des Haxenmeischdas sein könnten! Haha! Klar hat ein Vegetarier Platz in unserer Band! Sebi, unser Keyboarder ist überzeugter Vegetarier und muss sich oft genug unsere dummen Witze anhören, haha!«

 

Zum Interviewteil aus Ausgabe 308 geht es hier entlang.

 

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Pic: Lukas Wezel