Online-MegazineKolumne

GOJIRA

Nichts ist unmöglich

GOJIRA

Das nennt man Timing! Eine französische Band auf dem Rock-Hard-Titel, und das noch während die Europameisterschaft im Fernsehen läuft!
Scherz beiseite, uns ging es natürlich überhaupt nicht um die schwarz-weiße Plastikpille, sondern um den aufpeitschenden Hard Metal einer Band, die an ihrem vorläufigen Zenit steht und eine Liveshow vom Leder zieht, die zur Zeit ihresgleichen sucht.

Mancher wird jetzt lachen, aber die Vergleiche mit Metallica, Sepultura, Voivod oder Nine Inch Nails (zu ihren besten Zeiten) sind nicht ganz von der Hand zu weisen. Und wenn ihr das nicht gelten lasst, dann doch wenigstens, dass Mario Duplantier der Trommelgott der Stunde ist. Es ist intensiv. Aus einer GOJIRA-Show kommt man nass geschwitzt und mit erheblichen Nackenschmerzen. Aber geistig und körperlich gereinigt.     

Dass GOJIRA mit „Magma“ ihr mit Abstand bestes Album in die Umlaufbahn schicken, war natürlich ein zusätzliches Argument, aber es gab auch Skeptiker in der Redaktion, die die Band für „zu klein“ hielten, was angesichts der Tatsache, dass diese Untergrund-Perle bis vor kurzem noch auf der unteren Club-Ebene festhing, nicht von der Hand zu weisen war. Wir einigten uns darauf, erst die Interviews in Berlin zu führen, um dann eine endgültige Entscheidung zu treffen.
Dabei ging es eigentlich weniger um die Gespräche selber. Alle Interviews, die bisher mit den Franzosen im Rock Hard abgedruckt wurden, waren lesenswert. Sie sind Philosophen, Umweltschützer und supersympathisch. Endlich mal eine Band, die den Mund aufmacht und etwas zu sagen hat, was einen tatsächlich bewegt und zum Nachdenken anregt. Die Plattenfirma belieferte uns sogar vorab mit Kopien der Texte (ein solcher Service ist äußerst selten geworden!). Dort konnte man von der emotionalen Achterbahnfahrt lesen, die der Tod ihrer Mutter ausgelöst hat. Jeder, der ein bisschen Musik macht, weiß, dass man in dem Moment entweder zu gar nichts oder zu allem fähig ist. „Magma“ ist Letzteres.

Meine Sorge galt eher dem Titelfoto. Zwar sagte das Label umgehend eine Fotosession zu, aber zwei Musiker aus einer Künstlerfamilie abzulichten, deren ästhetische Bilder bislang ausschließlich von der eigenen Schwester kreiert wurden, klingt nach einer eher schwierigen Aufgabe.
Im Hotel in Berlin hatte ich Glück. Ich bekam ein Zimmer am Ende des Ganges und blickte auf eine Fototapete des „Alex“, des Ost-Berliner Fernsehturms. Am nächsten Tag lief alles wie am Schnürchen. Die Interviews waren wie erwartet und die Duplantier-Brüder aufgeschlossene, intelligente Jungs, die sich über die Foto-Idee mit den Taschenlampen freuten.
Ich kann mich nicht erinnern, dass eine Titelgeschichte schon mal so reibungslos lief, und deshalb haben wir dann auch nicht mehr lange gezögert. Zu diesem Zeitpunkt lief „Magma“ bei mir schon längst auf Dauerrotation. Ein superstarkes Album!
Schaut die Videos zu ´Stranded´ und ´Silvera´ oder hört das niederwalzende ´Shooting Star´! ´Nuff said!

 

Pic: Holger Stratmann