Online-MegazineKolumne

TRIPTYKON, WATAIN

Die Fürsten der Finsternis: Tom Warrior trifft Erik Danielsson

Erik Danielsson, Jan Jaedike, Tom Warrior

Wie kitzelt man aus zwei Szenehelden, die wir im Rock Hard schon mehrfach in längeren Interviews präsentiert haben, Dinge heraus, die man bislang nirgendwo gelesen hat? Man lässt sie aufeinander los und guckt, was passiert. So einfach ist die Story hinter unserer aktuellen Covergeschichte, zumindest in der Theorie.

Ihr erinnert euch vielleicht noch daran, wie sich in exklusiven Rock-Hard-Talks zum Beispiel Lemmy und Henry Rollins Anekdoten zugeworfen haben (s. RH 159), und Scott Ian von Anthrax und Ministrys Al Jourgensen echte Highlights aus ihrem Leben ausplauderten (s. RH 197). Diesmal legen wir die Latte jedoch ein ganzes Stück höher und greifen uns zwei, nennen wir sie ruhig mal so: Lichtgestalten der dunklen Künste.

Tom Warrior wurde mit Hellhammer/Celtic Frost/TRIPTYKON zur Legende, und WATAINs Erik Danielsson gehört zu den weltweit erfolgreichsten Black-Metal-Musikern. Verkaufs- und Zuschauerzahlen mögen im Black Metal – zumindest in seiner ursprünglichen Definition – sekundär sein, doch hat Danielsson durch den Status seiner Band inzwischen in diversen umfangreichen Interviews die Möglichkeit bekommen, zu zeigen, dass hinter der blutigen WATAIN-Fassade mehr steckt als das Wiederkäuen altbekannter Szenestandards oder simple Provokation. Dennoch: Warrior und Erlandsson gelten als Dickköpfe, als "schwierige" Künstler im klassischen Sinne, als Visionäre, die sich nur bedingt Marketingkonventionen unterwerfen und ganz gewiss keine Lust haben, auf acht Seiten typische Rock´n´Roll-Klischees auszuwalzen, obwohl ihnen das den einen oder anderen neuen Fan bescheren würde. Beide verbinden Extrem-Metal mit einer philosophischen Ebene. Das kann spannend sein, ein Treffen aber auch so dynamisch werden lassen wie einen Nachmittag im Vereinsheim der Bierdeckelsammler Oer-Erkenschwick. Dennoch sind die Voraussetzungen gut: Warrior und Danielsson kennen und schätzen sich, sind oftmals auf einer Wellenlänge, aber zugleich eigenständig genug, um ein Gespräch nicht zur puren Kuschelstunde werden zu lassen. Und sie haben definitiv Bock auf die Aktion. Jetzt müssen sie nur noch die Rock-Hard-Leser daran teilhaben lassen, ohne, dass ihnen die Themen ausgehen. Wir bitten die Musiker deshalb bereits im Vorfeld, darüber nachzudenken, was sie von ihrem Gegenüber schon immer wissen wollten.

Nach der Landung in Berlin schnappt sich zunächst unsere Fotografin Ester die beiden. Die in London lebende Spanierin hat sich genau überlegt, wie sie die pösen Purschen am besten in Szene setzen kann und scheucht sie einige Stunden durch die Hauptstadt. Tom und Erik plaudern sich währenddessen schon mal warm und sind bester Laune. Aber man kennt das ja von Musikern: Es gibt unter ihnen eine Menge lockere Typen, die regelrecht erstarren, wenn man das Aufnahmegerät einschaltet und dann nur noch Standardfloskeln herausbringen. Und so wirkt es auch hier für einen Moment:

»Du wolltest doch, dass ich mir vorab überlege, was ich Tom fragen will«, nuschelt Erik in sein erstes Bier, als wir endlich in der Neuköllner Kneipe "Damensalon" sitzen, wo das Interview und eine weitere Fotosession geplant sind. »Mir ist aber nix eingefallen.«

Klasse, das kann ja heiter werden, zumal auch Tom nicht gerade als spontane Labertasche bekannt ist. Doch es gibt keinen Grund zur Panik. Letztendlich müssen die beiden einfach nur ein bisschen auftauen, einige Stichworte bekommen, und los geht´s! Zwei Stunden lang erinnern sie sich an gemeinsame Erlebnisse, erklären ihre persönlichen Lebensphilosophien, ergänzen sich, widersprechen sich, führen wirkliche Diskussionen und beweisen am Ende, dass es kreative Menschen mit individuellen Visionen nicht nötig haben, einander nach dem Mund zu reden, um sich zu verstehen und zu respektieren.

»Das hat tatsächlich Spaß gemacht«, strahlt Erik anschließend. »Ich hätte nicht gedacht, dass ein so langes Interview durchgehend interessant ist.« Tom freut sich ebenfalls, dass er auf einige Themen endlich mal ausführlicher eingehen konnte, die ansonsten in der Presse immer nur angerissen werden. Auch wir finden, dass es sich gelohnt hat. Ein opulentes Abendessen haben sich die beiden Recken auf jeden Fall redlich verdient. Plattenfirma und Management schleppen uns in ein nahegelegenes italienisches Restaurant. Erik tut etwas entsetzt, als er merkt, dass die Speisekarte komplett vegetarisch/vegan ist, findet dann aber immerhin eine Pizza, die ihm zusagt, so dass der Abend gemütlich ausklingen kann.

Am nächsten Tag geht´s für den Schweden gleich wieder zum Flughafen. Tom und seine charmante Freundin hängen noch ein paar Tage Berlin-Urlaub hinten dran, bevor sie zurück in die Schweiz fliegen.

Was bleibt ist ein öffentliches und dennoch intimes Zusammentreffen zweier besonderer Szene-Charaktere, das wir euch im neuen Rock Hard auf acht Seiten ausführlich präsentieren.

 

 

Pic: Ester Segarra

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

WATAIN10.01.2018BerlinLido Tickets