Online-MegazineKolumne

MOTÖRHEAD

Der Himmel kann warten

MOTÖRHEAD

Es muss Anfang der neunziger Jahre gewesen sein, als mich ein MOTÖRHEAD-Pressebetreuer vor einem Interview mit Lemmy zur Seite nahm und ein paar ominöse Warnungen von sich gab: Der MOTÖR-Böss hätte mal wieder schlechte Laune, zuvor schon einige Gespräche abgebrochen, würde sich lieber seinem Einarmigen Banditen im Backstage als irgendwelchen Möchtegern-Journalisten widmen, und verstehen würde man ihn eh nicht sonderlich gut. Ich bin daraufhin bestimmt dreimal Angstpinkeln gegangen. Die Audienz wurde trotzdem super und machte 'ne Menge Spaß. Vielleicht war davor jemand dran, der Klopse wie "Wann hast du die Band eigentlich gegründet?" oder "Die Texte sind bei MOTÖRHEAD wohl eher unwichtig." aus dem Köcher zog.


25 Jahre später gibt Lemmy nur noch sehr wenige, ausgewählte Interviews. Das kann man ihm aus diversen Gründen nicht verdenken, und natürlich ist man ein bisschen stolz, wenn man zu den handverlesenen Konversationspartnern der Legende gehört. Während man von seinem "best drummer in the world" Mikkey Dee auf manche Fragen einen fünfminütigen Monolog diktiert bekommt, ist Lemmy mehr denn je ein Meister punktgenauer Antworten. Ohne überflüssigen Ballast, ohne Blabla. Das sollte man nicht mit Einsilbigkeit verwechseln. Bei Lemmy können schon ein schlichtes "Ja!" oder "Nein!" oder ein heiser gekrächztes "Harg! Harg!" mehr aussagen als ein halbstündiger Exkurs von Metallicas Lars Ulrich. Das ist wohl der Unterschied zwischen Mr. Motörhead und dem Typen, den man weniger ehrenvoll Motormouth nennt. Bei Lemmy sollte man auf jeden Fall genügend Themen im Köcher haben und sich auf ein echtes Gespräch einlassen. Der Endsechziger verlangt deine volle Aufmerksamkeit und stellt auch gern mal 'ne interessierte Rückfrage. Er ist brutal ehrlich und will respektiert werden. Seine Texte liegen ihm beispielsweise immer am Herzen. Ich kann mich noch an einen Rock-Hard-Talk erinnern, für den mir nur eine Vorab-CD ohne Lyrics vorlag, was Lemmy völlig daneben fand. Er knallte mir einen Ausdruck der aktuellen Texte auf den Tisch, sagte, ich solle sie mir in Ruhe durchlesen und schnappte sich solange 'ne Tageszeitung. Dass dadurch sein gesamter Interviewplan durcheinander kam, war ihm völlig egal. Über kaltherzige Weibsbilder (also ungefähr alle!) diskutiert er ebenfalls gern. Klassischer Rock'n'Roll ist ein weiteres Thema, bei dem er ins Schwärmen kommt. Und Lemmys Affinität zu Deutschland und seiner Geschichte ist natürlich immer eine sichere Bank. Als das Line-up mit Phil Campbell und Mikkey Dee noch um Anerkennung bei den alten Fans kämpfen musste, mochte er keine Fragen über die Frühphase von MOTÖRHEAD. Heute gräbt er durchaus Anekdoten über die Zeiten mit Eddie Clarke, Phil Taylor (sogar Larry Wallis, Lucas Fox und Pete Gill) und natürlich dem unvergleichlich schrägen Brian Robertson aus. In der aktuellen Rock-Hard-Coverstory gibt's neben solchen Schoten und den Hintergründen des neuen Prachtwerks "Bad Magic" auch diverse Geschichten über UFOs, Hitlers Lieblingstee, Sex mit Frauen, die eigentlich auf Frauen stehen und Sex mit Frauen, die mal ein Mann waren.



Lem ist mehr denn je ein Unikat. Natürlich ist er körperlich nicht der Gleiche wie vor einem Vierteljahrhundert. Aber seine Schlagfertigkeit, sein trockener Humor und seine – nennen wir das ruhig mal so: – Lebensweisheiten sind unverändert faszinierend. Hoffen wir, dass er uns noch lange erhalten bleibt.

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

SLAYER + MOTÖRHEAD + ANTHRAX + SUICIDAL TENDENCIES + HATEBREED + EXODUS + CORROSION OF CONFORMITY + PHIL CAMPBELL'S ALL STARR BAND + CROBOT + MOTOR SISTER + u.v.m.28.09.2015
bis
02.10.2015
Miami - Nassau - Great Stirrup CayMOTÖRBOATTickets

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