Online-MegazineKolumne

KISS

America first!

KISS

KISS geben deutschen Medien nicht mehr viele Interviews. Es ist kein aktuelles „Produkt“ zu bewerben, die Ticketverkäufe für die kommenden Deutschland-Gigs laufen bestens. Nebenspielwiesen wie die Restaurantkette „Rock And Brews“, das KISS-Minigolf-Gelände und das - allerdings inzwischen eingestellte - Football-Team LA KISS sind auf die USA beschränkt. Und für ihre Heimat schlägt das Herz von Gene Simmons, Paul Stanley, Tommy Thayer und Eric Singer eh am lautesten.

Thayers Vater ist ein hochdekorierter WW2-Veteran, der als Kind in die USA eingewanderte Simmons trällert Lobpreisungen auf Amerika, als strebe er auf seine alten Tage noch eine Zweitkarriere als Tourismusminister an. Doch genau das macht KISS 2017 aus. Die Band ist eine Institution, die ohne neue Musik oder sonstige Kreativleistungen auskommt. Das letzte Studioalbum „Monster“ stammt von 2012 und hat nach anfänglichen Versuchen kaum Widerhall in der Live-Setlist gefunden, die ohnehin ein nur in Nuancen variierendes Greatest-Hits-Programm ist. Wer bei der Songauswahl mehr als ein paar Mini-Überraschungen verlangt, muss auf die superteuren KISS Kruises oder zu Genes Sologigs (natürlich beides nur in den USA). Für Gene ist das gelebter Kapitalismus, für deutsche Fans entweder ärgerlich oder Anreiz, Urlaub und Ersparnisse komplett und weitgehend klaglos in die Lieblingsband zu investieren. Dennoch hat bei dem Mittsechziger inzwischen eine angenehme Altersmilde eingesetzt. Er nimmt sich wie schon häufig in der Vergangenheit für das Rock Hard Zeit und redet am liebsten über Inhalte abseits der üblichen Interviewthemen. Gräbt man musikalisch etwas tiefer in der KISSstory, verlässt ihn schon mal das Langzeitgedächtnis; wird´s etwas unbequemer, flüchtet er in seine gefürchteten Metaphern-Marathons. Dennoch (und bis zu einem gewissen Grad genau deshalb) gehört Gene auch Jahrzehnte nach unserer ersten Begegnung immer noch zu den coolsten Typen, die man sich vor seinem Aufnahmegerät wünschen kann.

Neben einem Essay über die Jubiläumsalben „Love Gun“ und „Alive II“ (beide werden 2017 stolze 40 Jahre alt) kommt in unserer Titelstory aber auch der ewige „Neue“ Tommy Thayer zum Zuge. Von vielen Dauernörglern unbemerkt bzw. ignoriert hat sich der zunächst äußerst unauffällige Leadgitarrist zu einem wichtigen Stützpfeiler der Band gemausert und ist verlässlicher als Vorgänger wie Ace Frehley, Mark St. John oder Vinnie Vincent. Natürlich unterwirft er sein Ego dem großen Ganzen. Dennoch hat er es geschafft, sich zumindest ansatzweise als eigener Charakter zu etablieren, was im Make-up eines anderen und bei einer Setlist, die für gewöhnlich null bis null Komma fünf Songs aus seiner eigenen Feder enthält, eine echte Leistung ist. Tommy hält die Band mehr am Laufen, als es von außen auf den ersten Blick erfasst werden kann. Somit ist auch er ein relevanter und zudem durch und durch sympathischer Gesprächspartner aus dem KISS-Camp.

Wir freuen uns daher, euch im neuen Rock Hard einen Plausch mit dem God Of Thunder und seinem Spaceman zu präsentieren, der hoffentlich Die-hard-KISSologen und Gelegenheits-Hörern gleichermaßen gefällt.

 

Pic: Thorsten Seiffert (www.facebook.com/rnrreporter)

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