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70.000 Tons Of Metal - Logbuch

70.000 Tons Of Metal

Logbuch-Eintrag 31.01.13

70.000 Tons Of MetalDer letzte Cruise-Tag beginnt. Wir sind wieder den ganzen Tag auf hoher See. Gegen 12 Uhr geht es zur Listening-Session zum neuen Turisas-Album, die im Zimmer ihres mitreisenden Labelchefs stattfindet. Die Stimmung ist relaxt. Fünf Journalisten sind anwesend, von draußen strömt über den Balkon eine milde Brise ins Zimmer - und sechs neue Songs dröhnen im Rough Mix aus einem Notebook. Bzw. genaugenommen aus den Aktivboxen, die für ein besseres Klangergebnis in einem der Blecheimer stehen, in denen hier kühle Biere mit Eis serviert werden. Danach ruft auch schon die zweite Pressekonferenz, an der diesmal auch Kapitän Kjonso teilnimmt, der mit seinem Tattoo und seiner Seebären-Art auch locker eine Rolle in „Pippi in Taka-Tuka-Land“ übernehmen könnte. Hoteldirektor Dean verkündet, wie viele Pizzen, Hamburger und Biere bisher verdrückt wurden, während Veranstalter Andy Piller die ersten Fakten für die nächste Cruise raushaut. Vom 27. Bis 31. Januar 2014 sticht die Majesty Of The Seas wieder in See. Für das Ziel können demnächst alle voten, die ein Ticket gekauft haben.

Ab 14 Uhr steht am Pool der „Belly Flop Contest“ statt, bei dem sich füllige Wasserratten zwischen den Gigs von Anacrusis und Cryptopsy um den 70.000 Tons Of Metalbesten Bauch-Platscher bewerben können und bei dem sich auch zahlreiche Musiker unter die Zuschauer mischen. Das Konzert von 3 INCHES OF BLOOD ist wenig später in der kleinen Spectrum Lounge gut besucht und knallt ordentlich, Tiamat kommen auch auf dem Pool Deck bei Tageslicht gut an und in der Boleros Lounge leitet Turisas-Geiger Olli Vänska einen Violinen-Workshop. Gegen Abend sieht man die ersten Koffer auf den Gängen stehen, die von der Crew eingesammelt werden, damit man sie morgen nach dem Verlassen des Schiffes wieder ausgehändigt bekommt. Netter Service - aber total unpraktisch - und deswegen schleppe ich meine Tasche lieber selbst. Vielleicht springt ja auch mein Service-Beauftragter Rollex ein, der bei wirklich JEDER Begegnung mit seinem Zahnpasta-Grinsen fragt, ob alles okay ist, und nach getaner Arbeit auch gerne mal in der Kabine anruft, um meine Zimmernachbarin zu fragen, ob sie nicht zufällig „some liquor“ mit ihm schlürfen und „some fun“ mit ihm haben möchte. Da ist er allerdings zu spät dran, denn das Objekt seiner Begierde steht schon längst in der Spectrum Lounge und lauscht INQUISITION. Um kurz nach 22 Uhr gehen IN FLAMES zum zweiten Mal auf die Bühne und spielen ein Set mit live eher selten performten Stücken, welche sie extra auf dem Schiff noch geprobt haben. Langsam wird man ein wenig wehmütig, denn die Kreuzfahrt ist in weniger als zwölf Stunden vorbei. Selbst Anders Fridén verkündet irgendwann auf der Bühne, dass er noch gerne länger bleiben würde. Damit bläst er in das gleiche Horn wie LACUNA COIL-Sänger Andrea Ferro, der nachmittags ebenfalls erzählt, dass sich die „70.000 Tons Of Metal“ für ihn und die Band wie Urlaub mit ein bisschen Arbeit anfühlt. 70.000 Tons Of MetalDoch die Tatsache, dass nur noch wenige Stunden verbleiben, lässt alle noch einmal letzte Kräfte mobilisieren. Einige Leute legen sich strategisch noch mal ein Stündchen hin, um durchhalten zu können, bis am nächsten Morgen um 9 Uhr der Rauswurf aus den Kabinen droht, andere leben sowieso seit einigen Tagen nur noch in einem eng an die Running Order angelehnten Schlafrhythmus. Bei einem Programm, das von 10 Uhr bis mindestens 5 Uhr morgens geht, bleibt nur noch in den Umbaupausen und wenn gerade einmal eine Band spielt, die man nicht mag, Zeit für ein Nickerchen. KREATOR haben zwar beim Soundcheck Soundprobleme, steigern sich dann aber während ihrer Show bis zu einem Killer-Gig. „Die waren so geil, dass sie sich jetzt eigentlich auch auflösen könnten, denn jetzt kann‘s nicht besser werden“, lässt gar eine begeisterte Fan-Stimme verlauten. Die letzte Band auf dem Pooldeck sind SABATON, die schon zum zweiten Mal auf der Cruise dabei sind. Gegen Ende des Sets verabschiedet sich Veranstalter Andy Piller von den Fans, bevor die Jungs aus Schweden noch eine Zugabe spielen, bei der Frontmann Joakim über die Hände der Fans getragen und schließlich in den Pool geschmissen wird. Dann beginnt der Abbau auf dem Pooldeck, doch auf den Indoor Bühnen und in der Karaoke-Bar wird noch bis in die frühen Stunden weitergefeiert.

Tschüss „70.000 Tons Of Metal“! Es war total geil!

70.000 Tons Of Metal

 

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Pics: Conny Schiffbauer