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70.000 Tons Of Metal - Logbuch

70.000 Tons Of Metal

Logbuch-Eintrag 29.01.13

70.000 Tons Of MetalDienstagmorgen, 10 Uhr. Nun gibt es doch zwei Dinge, die mir an der „Majesty Of The Seas“ nicht gefallen: 1. Die Wände sind so dünn, dass ich beim Einschlafen heute Nacht tatsächlich den Typen in der Kabine nebenan schnarchen hören konnte. 2. Meine Kabinentür schließt nicht richtig, wenn man nicht fest genug daran zieht. Ich wache in meinem Bett auf, meine Kabinen-Mitbewohner ist weg zum Frühstücken und ich blicke verpennt auf den Schiffsgang, aus dem mich wiederum ein vorbei spazierender Metaller belustigt angrinst. Argh!

Übrigens scheint mindestens jeder zweite Mitreisende, den man fragt, schon zum zweiten oder gar dritten Mal auf dem Schiff zu sein. Nur ein Typ, von dem man sich hier erzählt, knabbert vermutlich noch an seiner Privatinsolvenz und ist deswegen nicht dabei: Das arme Kerlchen soll im ersten „70.000 Tons Of Metal“-Jahr am Ende der Cruise glatt 6.000 Dollar (!!!) auf seiner Rechnung gehabt haben. Okay, kein Wunder, wenn man u.a. schon gedankenlos den Bademantel aus dem Spa mitnimmt (für 200 Dollar), darauf jeden unterschreiben lässt, und schließlich auch noch jedem Unterschreibenden einen Drink ausgibt. So kann es gehen. Ansonsten sind die Preise für Bier hier recht erträglich. 70.000 Tons Of MetalWie mir meine Promille-affine Mitreisende erzählt, gibt es knapp einen halben Liter Bier für vier Dollar und ein paar Zerquetschte. Und dieses Bier ist - wie alles hier auf dem Schiff - superschnell zu erreichen. Die kurzen Wege sind wirklich großartig. Man muss nicht wie auf einem normalen Open Air u.U. ewig weit laufen, um Bühnen, Unterkunft, Duschen, Essen oder Toiletten zu erreichen. Man geht aus der Kabine, dann ein paar Treppen hoch oder runter und schon ist man in den Restaurants, Bars oder bei den Bühnen. Ist man mal müde vom Feiern, ruht man sich schnell eine Runde in der eigenen Kabine aus. Das eigene Bett und das eigene Badezimmer sind nur ein paar Treppenstufen entfernt. Das ist super angenehm. Gegen Mittag ist das Pool Deck proppenvoll. ANAAL NATHRAKH schallen von der Open Air Bühne während die Gäste faul in der Sonne dösen, die ersten Biere vernichten oder sich im Swimming Pool tümmeln. DIE APOKYLYPTISCHEN REITER üben sich in Wasser-Circle-Pits während EKTOMORF-Frontmann Zoli auf einer Sonnenliege genüsslich ein buntes Getränk vernichtet und in die Sonne blinzelt.

70.000 Tons Of MetalDie Konzert-Highlights am Abend sind DORO (im eleganten Chorus Line Theater), RAGE, die in der gleichen Location mit dem Lingua Mortis Orchestra einen coolen Auftritt hinlegen, bei dem sie sogar Bach interpretieren, KREATOR (auf dem Pool Deck), bei denen es tatsächlich Nieselregen gibt und IN FLAMES. Nach dem visuellen Overkill auf dem Wacken mit Pyros und opulentem Bühnendesign ist es schon fast ungewöhnlich, die Schweden mal wieder ohne Firlefanz zu sehen. Anders Fridén wirkt auf jeden Fall gut gelaunt, nennt die anwesenden Fans „Piraten“ und fühlt sich vom Schwanken des Schiffs an schwedische (Sauf-)Spiele erinnert. DIE APOKALYPTISCHEN REITER bitten anschließend zum Mitternachts-Konzert in die kleine Spectrum Lounge mit ihren plüschigen Sesseln. Die Hütte ist zwar bei weitem nicht ausgelastet, aber die anwesenden Fans feiern ihre Reiter dafür umso enthusiastischer mit Crowdsurfern (die fast unter der Decke hängen), einer kleinen Wall Of Death und schließlich noch lauten Zugabe-Rufen ab.

 

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Pics: Conny Schiffbauer