Online-MegazineKolumne

70.000 Tons Of Metal - Logbuch

Logbuch-Eintrag 28. Januar 2014 – Miami Beach – See-Tag

Bereits zum vierten Mal ist das Kreuzfahrtschiff „Majesty Of The Seas“ für fünf Tage und vier lange Nächte die Heimat des schwimmenden Heavy-Metal-Festivals „70.000 Tons Of Metal“. Wir sind wieder dabei, wenn 2.000 Headbanger aus über 50 Ländern und 40 Bands (u.a. Satyricon, Dark Tranquillity, Fear Factory, Obituary, Overkill, Soilwork, Twilight Of The Gods) an Bord gehen, um von Miami in Richtung Costa Maya/Mexico und wieder zurück zu schippern.

Der erste Tag auf hoher See hat seine Spuren hinterlassen. Als um 10 Uhr morgens POLTERGEIST den Konzerttag auf dem Pool-Deck eröffnen, sind noch nicht allzu viele Fans vor der Bühne. Viele liegen noch in ihren Kabinen oder schmeißen sich Kopfschmerztabletten gegen die Folgen der langen Karaoke-Sause ein, die laut Erzählungen bis in die frühen Morgenstunden andauerte und bei der man irgendwann auch Symphony-X-Sänger Russell Allen 'Mob Rules' in begeisternder Perfektion schmettern sah. Aber auch die „reguläre“ Konzert-Nacht war noch lang und ereignisreich. FINNTROLL waren eines der Highlights der letzten Nacht und sorgten für gute Stimmung während TWILIGHT OF THE GODS musikalisch absolut begeisterten, aber gegen drei Uhr nur noch rund 50 Leute vor die Bühne zogen. Genauso klasse war der Gig von HATESPHERE, die den Abend in der kleinen Spectrum Lounge, die auf anderen Cruises einfach nur eine Bar ist, beendeten.

Nun steht die Sonne wieder hoch am Himmel und brät mit hochsommerlichen Temperaturen die (tätowierte) Haut von Fans und Musikern. Eine gute Gelegenheit sich einen der kühlen Drinks zu genehmigen, die einem hier an allen Ecken und Enden unter die Nase geschoben werden, während z.B. BONFIRE ein gelungenes „Fire Works“-Set spielen.

D.D. Verni von Overkill erzählt nachmittags im Rock-Hard-Interview, dass er sich lange gesträubt hat auf dem Schiff spielen, weil er Angst hatte seekrank zu werden, aber nun einfach, wie von Festival-Veranstalter Andy Piller empfohlen, ein Pflaster gegen Seekrankheit hinterm Ohr kleben hat. „Das hilft, auch wenn es mich ein wenig schusselig im Kopf macht. Ich hatte gestern Abend richtig Angst, dass ich meine Parts nicht richtig spiele“, berichtet der kleine Musiker mit den italienischen Wurzeln. Im nächsten Interview erzählt Carcass-Fronter Jeff Walker, dass er an diesem Tag unbedingt noch THE HAUNTED live sehen will – eine gute Empfehlung, denn die Schweden legen am frühen Abend eine absolute Killer-Show auf dem Pool-Deck hin. Generell ist der Abend gespickt mit guten bis sehr guten Konzerten. ORPHANED LAND sind ein melodischer Gegenpol zu den vielen sehr harten Bands, die dieses Jahr auf der Cruise spielen, und zocken im Chorus Line Theater, dessen Teppichboden vor der Bühne sicherheitshalber mit Folie abgedeckt ist, viele Songs ihres aktuellen Albums „All Is One“.



Der Auftritt von DARK TRANQUILLITY, der wieder draußen in der warm-feuchten karibischen Luft stattfindet, ist nicht weniger cool und enthusiastisch. Kein Wunder, Mikael Stanne sah man schon vorher bei The Haunted begeistert im Publikum den Gig seiner Landsleute abfeiern – der richtige Weg, um sich selbst in Stimmung zu bringen. Beim Auftritt von SATYRICON im Chorus Line Theater ist es zunächst relativ leer, doch dann füllen sich die Reihen und Satyr & Co. spielen eine klasse Show, obwohl Band-Drummer Frost wegen Einreiseproblemen in die USA nicht am Start ist und stattdessen Soilwork-Schlagzeuger Dirk Verbeuren hinter den Kesseln sitzt. Schließlich wartet mit FEAR FACTORY ein weiteres Highlight des Abends auf dem Pool Deck. Burton C. Bell ist für seine Verhältnisse recht gut bei Stimme – kein Wunder bei der angenehm warmen Seeluft – und spielt mit seiner Combo zur Freude der vielen Zuschauer das komplette „Demanufacture“-Album runter.

Pics: Conny Schiffbauer

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