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70.000 Tons Of Metal - Logbuch

70.000 Tons Of Metal

Logbuch-Eintrag 28.01.2013

70.000 Tons Of MetalMontagmorgen, 10 Uhr. Jetzt geht’s vom Hotel zum Hafen. Die „Majesty Of The Seas“ steht neben mehreren anderen großen Kreuzfahrtschiffen in einer Reihe (direkt neben uns wartet die Disney-Cruise aufs Ablegen – man kann sich also noch kurzfristig überlegen, ob man nicht lieber doch Micky & Donald statt Doro & Sabaton haben möchte). Steht man davor, ist man überwältigt von der Größe des Schiffes, dabei gehört die „Majesty Of The Seas“, die einst zu den größten Kreuzfahrtschiffen der Welt zählte, mit ihrer Gesamtkapazität von ca. 3.500 Personen inzwischen zu den kleineren Dampfern. Es beginnt eine rund anderthalbstündige Check-in-Prozedur, bei der man schon die ersten Musiker trifft, die ebenso einchecken, bevor es endlich in den Bauch des Schiffes geht. Als erstes landet man im pompös-imposanten Atrium der Majesty und ist überwältigt von der golden-glitzernd-gläsern-funkelnden Einrichtung. Statt wie üblich auf Festivals über Wiesen, Asphalt oder durch Schlamm zu laufen, bewegt man sich hier über flauschigen Teppichboden und wird von den Bediensteten fast schon überschwänglich freundlich begrüßt. Der optische Clash ist so extrem wie ihn alle beschreiben, die schon einmal bei der „70.000 Tons Of Metal“-Cruise dabei waren. Über den Dampfer verteilt sich ein Heer von schwarz gekleideten Metallern, die – falls sie ihre Maiden-Shirts mal leid sein sollten – einfach nur zum Smoking-Verleih gehen müssen und sich im Spa-Bereich die Nägel machen lassen können. Auf Deck 11 – dem Open Air Pool-Deck – herrscht der meiste Trubel. Veranstalter Andy Piller flitzt mit seiner Crew durch die Gegend, die innerhalb weniger Stunden (erst in den frühen Morgenstunden haben die letzten „normalen“ Kreuzfahrtgäste das Schiff verlassen) einen der beiden Pools abdecken und eine Open Air Bühne aufbauen muss.

70.000 Tons Of MetalErstmal ab zum „Windjammer Marketplace“, wo sich Musiker und Fans zum Mittagessen treffen. Statt James Last oder Fahrtstuhl-Säusel-Mucke donnert dazu Metal aus den Boxen und als Deko gibt es neben Blumen & Co. auch Kuchen in E-Gitarren-Form und Kürbisse mit geschnitztem „70.000 Tons Of Metal“-Logo. Ach ja, und dazu noch eine Melone mit geschnitztem Metallica-Logo, bei dem nur dummerweise ein „L“ fehlt. Aber egal, schließlich sehen die Küchen-Bedienstete nicht gerade wie alte Metal-Spezis aus.

Gegen 15 Uhr gibt es die Sicherheitseinweisung, die dank des Ideenreichtums der Crew nicht zur furztrockenen Pflichtveranstaltung verkommt. Schon zur Begrüßung lässt die Stimme aus den Lautsprecherboxen wissen, dass man bei der Einweisung nicht Essen und Trinken darf, Headbanging und Luftgitarre aber ausdrücklich erlaubt sind. Als nächstes animiert der Sicherheits-Supervisor alle Anwesenden die Antworten auf seine Fragen nicht einfach nur zu sagen, sondern zu grunzen, was die sowieso schon gute Laune der Passagiere nur noch verbessert. Die Stimmung auf der Majesty ist wirklich super. Alle – sowohl Fans als auch Musiker – wirken total entspannt und man merkt schnell, was das wirklich coole an dieser Cruise ist: Bands und Fans vermischen sich hier ganz natürlich ohne Backstage-Zone und Pass-Alarm. 70.000 Tons Of MetalAlle sind gleich. Die Musiker werden nicht belagert, stattdessen ergeben sich immer wieder kleine Smalltalks, es wird ein Foto gemacht oder ein Autogramm gegeben und schon geht man wieder weiter seines Weges. Man muss nur einmal über das Pooldeck laufen und schon entdeckt man die Jungs von Kreator, Nile, Ektomorf, Rage, Die Apokalyptischen Reiter, Lacuna Coil und Subway To Sally. Alle plaudern, genießen die ersten Drinks oder warten auf das Auslaufen des Schiffs. Gegen 17 Uhr ist es endlich soweit: Die „Majesty Of The Seas“ verlässt den Hafen von Miami und das Programm auf den drei Bühnen beginnt. HELSTAR, die den Abend auf der kleinsten Indoor-Bühne der kleinen Spectrum Lounge eröffnen, haben das Pech, dass noch viele Leute draußen sind, um das Auslaufen des Schiffs zu beobachten, doch schon bei SABATON geht es unter Deck richtig zur Sache. Das große Chorus Line Theater ist brechend voll und die Stimmung super. Frontmann Richard hat riesigen Spaß dabei, seine Fans mit „You are the boat and we are the band“-Parolen anzufeuern. NILE spielen anschließend in der gleichen Location zwar ein extrem solides Set, können aber bei weitem nicht so viele Fans vor die Bühne locken wie Sabaton zuvor. In der Spectrum Lounge zocken im Anschluss FLOTSAM AND JETSAM vor leider nur ca. 150 Leuten ein gutes Set, das sich u.a. auch Björn Gelotte und Niclas Englin von IN FLAMES angucken. Im Chorus Line Theater, das inzwischen wieder voll ist, verschiebt sich der Auftritt von HELLOWEEN, doch dann geht es mit rund 40 Minuten Verspätung um kurz nach 22 Uhr endlich los. 70.000 Tons Of MetalMan muss sich erst einmal daran gewöhnen, ein Metal-Konzert nicht in einer normalen Halle, sondern in einem funkelnden Theater mit vergoldetem Geländer, Plüschsesseln und Kronleuchtern zu sehen. Ach ja, und man muss sich zudem daran gewöhnen, dass das Schiff trotz seiner Größe gelegentlich ordentlich schwankt.

Als nächtliches Highlight gibt es gegen 1 Uhr noch die Reunion-Show von METAL CHURCH auf dem bis dahin noch jungfräulichen Pool Deck zu sehen. Trotz einiger Regentropfen (eine absolute Premiere, wie man sagt) und fortgeschrittener Stunde finden sich noch einige Hundert Die-Hard-Fans vor der Bühne ein und feiern die Jungs gnadenlos ab.

 

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Pics: Conny Schiffbauer