Online-MegazineKolumne

Logbuch-Eintrag 23. Januar 2015 – Fort Lauderdale

70.000 Tons Of Metal Tag 1

„Jamaika wird versinken!“



Die „70.000 Tons Of Metal“-Cruise geht in die fünfte Runde, und Leichtmatrosin Conny Schiffbauer berichtet live vom schwimmenden Schwermetalldampfer.

Halb Fort Lauderdale scheint sich am Vormittag in Richtung Port Everglades auf den Weg zu machen, von wo die „Liberty Of The Seas“ ablegt. Fährt man an den Strand-Hotels vorbei, dann sieht man überall vor den Eingängen wartende oder in Taxen steigende Metaller. In meinem Hotel knubbeln sich ebenfalls abreisende Cruiser an der Rezeption oder erschrecken unbescholtene Rentner, die in Fort Lauderdale einen ruhigen Urlaub verbringen, einfach nur mit ihrer Anwesenheit. So raunt eine ältere Dame ihrer gleichaltrigen Freundin nach einer kurzen Konversation mit einigen Metallern im Aufzug ein Unheil ahnendes „Oh mein Gott! Jamaika wird versinken!“ zu.

Kaum am Port Everglades angekommen, laufen einem auch schon die ersten Musiker mit ihren Crews über den Weg, die ebenso wie alle Kreuzfahrt-Gäste das Check-In-Prozedere über sich ergehen lassen müssen. Und wieder mischen sich – wenn auch nicht ganz freiwillig – einige Rentner unter die Metaller-Meute. Vor mir bewegt sich einige ganze Weile lang ein älteres Rentner-Paar in der Schlange nach vorne, stets mit irritiertem Blick um sich schauend, bis es schließlich zu raffen scheint, dass nicht die „Liberty Of The Seas“ ihr Reise-Schiff ist, sondern die auf der anderen Seite des Ports liegende „Queen Elizabeth“. Wer also doch mehr Bock auf eine Kreuzfahrt a la „Traumschiff“ hat, kann jetzt noch schnell überlaufen, doch davon sind die 3.000 Gäste der „70.000 Tons Of Metal“, die „Ausverkauft!“ vermeldet, weit entfernt.

Die ersten Stunden auf dem Schiff verbringt man damit sich zu orientieren. Die 2.000 Passagiere fassende „Majesty Of The Seas“ war im Vergleich zum neuen Kutter die reinste Nussschale. Ich schätze, dass es Tage dauern wird, bis man gerafft hat, wo genau die vier Konzert-Locations, die Restaurants, die eigene Kabine und vor allen Dingen alle Bars sind. Man bewegt sich durch ein riesiges Luxus-Labyrinth, beschallt von Metal aller Genre, leicht schaukelnd und optisch ganz eindeutig in Metaller-Hand. Auf dem Pooldeck sieht man Lips und Rob von Anvil mit Fans zusammenstehen, Micha Rhein von In Extremo, Peavy Wagner von Rage bzw. Refuge und Bobby Schottkowski im Abendlicht plauschen und schließlich noch einen schwarz gekleideten Hochzeitstross feierlich in Richtung Trauungs-Zeremonie schreiten. Braut und Bräutigam tragen schwarzen Gothic-Look und den Weg in den Bund der Ehe ebnet eine Art schwarze Priesterin. Das Paar wird bejubel-grölt und muss im Akkord für Fotos posieren.

Als die „Liberty Of The Seas“ im Abendlicht den Hafen verlässt, beginnen im Bauch des Schiffes bereits die ersten Konzerte. Equilibrium und Helstar eröffnen den Festival-Reigen in den kleineren Clubs. Annihilator sind das erste Highlight der Kreuzfahrt. Gegen Ende des Sets stößt zum ersten Mal seit fast einem Vierteljahrhundert der „Never, Neverland“-Sänger Coburn Pharr zur Band und singt einige Songs mit den Kanadiern. Die Fans sind begeistert und lassen es sich auch nach dem Gig nicht nehmen Pharr, der durchs Schiff spaziert, anzusprechen und mit ihm für Fotos zu posieren. Der wiederum beweist Humor und feuert einige Fans beim Rock-Hard-Schnappschuss-Shooting mit den Worten „Let´s do it Five-Finger-Death-Punch-Style“ an und hält seine Hand im Gangsta-Street-Posing-Style in die Kamera. Nach Annihilator vollenden Arch Enemy und Apocalyptica das goldene AAA-Trio des Abends. Das schwedisch-amerikanische Quintett legt mit Saiten-Neuzugang Jeff Loomis eine umwerfend-kraftvolle Show hin, die den anschließend spielenden Apocalyptica in nichts nachsteht.

 

Pics: Conny Schiffbauer

 

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