Online-MegazineKolumne

MARTIN KESICI

Hallo Martin,

hier spricht die Opposition.

Deine Platte im Rock Hard-Soundcheck – und das, weil einige Redakteure und Mitarbeiter dich für “echt” halten. Es ist also echt, wenn du mit einem Rattenschwanz an Billig-Kamera-Teams durch die Berliner Popkomm posierst, dich vor Bildschirme setzt und für Frauke-Ludenfick-artigen Vorabendschmus PC-Games spielst. Es ist echt, wenn du “Angel Of Berlin” jaulend dafür sorgst, dass mein Gehirn und meine Ohren auf einsamen Inseln um politisches Asyl bitten?

In Interviews hattest du diese Arschkriecherballade als eine Ausnahme bezeichnet, als Preis, den man zahlen muss, wenn man sich mit dem “Popstar-Superstar-Starsearch-Eintagsfliegen”-Abschaum einlässt. In Wirklichkeit, so dröhnen deine Interviews für Bravo, Bild am Sonntag und leider auch Rock Hard noch heute unheilvoll in meinen Erinnerungen, seiest du ja eher der harte Typ, der Rocker, der ehrliche Arbeiter. Den Beweis für deine Echtheit hattest du dann mit deiner nächsten Single ‘Egotrippin’’ erbracht. Bei dem Ding handelte es sich – surprise, surprise – um eine waschechte Ballade. Bei Amazon.de wird dieses Gewinsel übrigens überdurchschnittlich oft im Doppelpack mit “Tell Me”, der Single von Sandy (Ex-No Angels), vertickt. Ich finde, das passt.

Jetzt also dein Rockalbum, mit dem du es in dieses Heft geschafft hast. Glückwunsch, du harter Typ. Okay, ich bin ein arrogantes und intolerantes Arschloch und weiß deine Kunst nicht zu schätzen. Wenn es nach mir ginge, würdest du in meinem Leib- und Magenmagazin nie stattfinden – selbst wenn du Death Metal spielen oder Bonfire tätlich angreifen würdest. Da kannst du meinetwegen drei Rock Hard-Abos besitzen und zehn Thors-Hammer-Ketten um den Hals baumeln haben (Ja, Thors Hammer heißt das! Nein, das ist kein Anker!): Es geht um Glaubwürdigkeit und – ja, wirklich – Echtheit. Tu mir bitte einen Gefallen: Huschhusch, zurück zu Sandy, Trixi, Hupsi, Overground und wie die anderen echten Unechtheiten alle noch so heißen mögen.