Online-MegazineInterview

MÄRVEL

Zurück ins Studio!

MÄRVEL

Nachdem es mit „Hadal Zone Express“ letztes Jahr in die Tiefsee ging, nehmen uns MÄRVEL 2015 mit ihrer neuen Scheibe „The Hills Have Eyes“ mit in die Wüste. Wir sprechen mit Bassist Ulrik „The Burgher“ Bostedt und Drummer Tony „The Vicar“ Samuelsson.

Auf eurer Website findet sich ein deutscher Satz in der Browserüberschrift: „Nur für starke Nerven.“ Hat das einen speziellen Grund?

The Burgher: »Es ist natürlich zuallererst einmal ein starker Satz!«

The Vicar: Deutschland hat einen großen Platz in unserem Herzen.«

The Burgher: »Ist das immer noch auf der Seite? Wir haben das zur „Warhawks Of War“-Tour gemacht, während der wir hauptsächlich in Deutschland getourt sind.«

The Vicar: »Wir waren in Deutschland, Frankreich und Spanien, glaube ich. Aber 70 Prozent der Shows fanden in Deutschland statt.«

The Burgher: »Wir wollten etwas kraftvolles für das deutsche Publikum schreiben. Und dann dachten wir uns, warum lassen wir es nicht einfach da?«

Der Satz ist also auch ein kleiner Tribut an die „Märvel Army Germany“?

Beide: »Genau!«

The Burgher: »Der Ursprung aller Märvel Armies!«

In diesem Zusammenhang ist es doch interessant, dass ihr gerade hierzulande nicht so groß und bekannt seid – vor allem, weil die neue Scheibe richtig stark geworden ist. In eurem letzten Rock-Hard-Interview habt ihr gesagt, dass ihr schneller arbeiten müsstet. Jetzt habt ihr „The Hills Have Eyes“ nur rund anderthalb Jahre nach „Hadal Zone Express“ veröffentlicht. Warum ging's diesmal so schnell?

The Burgher: »Wir halten uns an unser Wort (lacht)!«

The Vicar: »Wir waren es einfach leid, drei Jahre auf einen neuen Release zu warten. Wir waren uns relativ schnell einig, dass wir nach „Hadal Zone Express“ recht zügig wieder ins Studio wollten und uns das Format des Releases egal ist. Ob es vier, sechs oder zehn neue Songs werden, war nicht so wichtig. Hauptsache, es gibt wieder eine Veröffentlichung.«

Können wir dementsprechend im kommenden Jahr ein neues Album erwarten?

The Vicar: »Das wird dann eine EP mit vier Songs (lacht)!«

The Burgher: »Es werden jetzt von Mal zu Mal weniger Songs (lacht).«

The Vicar: »Und wenn man „The Hills Have Eyes“ und die EP dann zusammen nimmt, hat man ein komplettes Album (er lacht wieder). Nein, im Ernst: Wir planen tatsächlich, nächstes Jahr ein komplettes neues Album an den Start zu bringen. Belassen wir es dabei und versuchen diesen Plan so lange wie möglich zu halten!«

Also geht ihr nicht den Weg von Down, die alle paar Jahre eine EP veröffentlichen?

The Vicar: »Nein. Wir mögen das 12“-Format, also acht bis zwölf Lieder auf einer Scheibe. Wobei es auch schön war, dieses sechs-Song-Format auszuprobieren. Allerdings hat sich die Scheibe für uns wie ein richtiges Album angefühlt. Es war wirklich schwierig, die Leute davon zu überzeugen, dass es ein vollständiges Album ist, aber für uns ist es das auf jeden Fall. Es sind immerhin zwanzig Minuten! Das sind halt die Songs gewesen, die wir zusammen auf ein Album packen wollten. Wir wollten einfach keine Filler auf der Platte haben, nur damit es eine bestimmte Dauer erreicht. Gerade in Deutschland hatte die „The Hills Have Eyes“ Probleme, als vollwertiges Album anerkannt zu werden.
Das ist das Gleiche wie mit Auftritten in Deutschland. In Schweden spielt man zehn oder zwölf, vielleicht 14 Songs, wenn die Zuschauer gut drauf sind. Wenn man in Deutschland weniger als 16 Songs spielt, stürmen die Leute die Bühne! Das erste Mal, als wir in Deutschland waren, hatten wir noch nicht so viele Songs und mussten das Set manchmal zweimal spielen.«

Dann können beim zweiten Durchlauf auf jeden Fall alle mitsingen.

The Vicar: »Das stimmt allerdings!«

Zurück zur neuen Scheibe: Ich finde, dass die Platte einen Southern-Rock- bzw. einen leichten Country-Vibe hat, speziell beim Titeltrack oder bei 'Goodbye, Shalom!'. Auch das Cover unterstreicht das. Liegt das daran, dass ihr nach der Tiefseefahrt auf „Hadal Zone Express“ eher Bock auf Wüste und was „trockeneres“ hattet?

The Vicar: »Ich mag auf jeden Fall diese Interpretation (lacht)!«

The Burgher: »Es ist natürlich genau so!«

The Vicar: »Besser hätte ich es nicht formulieren können!«

The Burgher: »Ich glaube, es liegt daran, dass man sich nach jeder Platte ein bisschen verändert und man nicht so wirklich weiß, wohin die Reise geht. Wir haben kein richtiges Ziel, wenn wir mit dem Songwriting beginnen. Das läuft nicht nach dem Motto „So, dass wird jetzt eher ein Pop-Album oder ein Classic Rock-Album“ oder so, es passiert einfach. Wir haben genauso angefangen wie sonst, also im Proberaum, wo wir versucht haben, einfach einen guten Sound zu bekommen. Wir waren uns schnell einig, dass wir die Songs dieses Mal etwas entspannter und weniger punkig schreiben wollten. Die Grundeinstellung ist eigentlich so ziemlich die Gleiche, vielleicht haben wir unsere Interpretation der Songs ein bisschen verändert.«

The Vicar: »Diese Platte war auch die erste, die wir gemeinsam mit Fred Estby aufgenommen haben. Er hat auf jeden Fall eine Duftmarke in unserem Sound hinterlassen. Darüber sind wir sehr glücklich.«

Gute Überleitung zur nächsten Frage: Fred Estby ist vielen als ehemaliger Drummer von Dismember in Erinnerung, er hat aber auch schon Platten von Gluecifer und den Hellacopters produziert. Warum habt ihr euch entschieden, mit ihm zu arbeiten?

The Vicar: »Wir sind vor zwei Jahren mit Dregen von den Backyard Babies getourt, und Fred war der Soundmann auf dieser Tour. Damals haben wir ihn kennengelernt und festgestellt, dass wir die gleiche Sichtweise auf Musik und Aufnahmen haben. Außerdem ist er einfach ein toller Typ und hat vorher schon exzellente Sachen gemacht.«

The Burgher: »Nach der Tour hat er uns das ein oder andere Mal als Soundmann unterstützt. Wir haben ihn sozusagen von Dregen geklaut (lacht).«

The Vicar: »Deswegen dachten wir, dass wir es einfach mal mit ihm versuchen sollten. Es passte einfach perfekt.«

The Burgher: »Ich würde sagen, dass „The Hills Have Eyes“ nicht die letzte Zusammenarbeit von MÄRVEL und Fred Estby war.«

Der Sound spricht auf jeden Fall dafür. Und das ihr Fred von Dregen geklaut habt, kann man sicherlich auch als Pluspunkt zählen.

The Vicar: »Es ist auf jeden Fall auf der positiven Seite unserer Biographie (lacht).«

Lasst uns noch kurz den Text von 'The Hills Have Eyes' reden. Wenn ich das richtig verstanden habe, geht es im Song nicht um den gleichnamigen Horrorfilm, richtig?

The Burgher: »Ich glaube, dass es eine Reise zur dunklen Seite von Johns Gehirn ist.«

The Vicar: »Ich kann mich gar nicht mehr so genau an die Handlung des Films erinnern, aber ich glaube nicht, dass der Text wirklich was mit dem Film zu tun hat. Aber der Song spielt auf jeden Fall in den Bergen...«
The Burgher: »Ich glaube, dass John das Poster gesehen hat und davon inspiriert wurde. Wir mochten die Nummer, haben sie fertig produziert und dann aufgenommen.«

The Vicar: »Er hat diesen Titel schon seit ein paar Jahren in der Tasche. Was er genau damit meint, wissen wir aber nicht. Es ist schade, dass er nicht hier ist, um dir das genauer zu erklären. Das Artwork basiert aber auf dem Text, aber das macht ihn nicht sinnvoller, glaube ich (lacht).«

Ihr habt am Anfang des Interviews gesagt, dass ihr zu eurem Wort steht. Im letzten Interview mit uns habt ihr allerdings auch behauptet, dass nach 1979 nichts neues in der Rockmusik geschehen ist. Warum habt ihr dann mit 'L.O.V.E. Machine' von W.A.S.P. eine Nummer von 1984 gecovert?

The Burgher: »Aber das ist gar kein Rock-Song, sondern ein Metal-Song! Haha! Außerdem haben wir die Nummer in einen 70er-Jahre-Rock-Song zurücktransformiert. Es ist einfach ein tolles Stück, das ein paar Jahre zu spät veröffentlicht wurde! Nein, im Ernst, wer hat das gesagt? War das John? Es klingt wie etwas, dass John sagen würde.«

Das weiß ich leider nicht, ihr habt alle drei gemeinsam geantwortet. Ihr könnt ihm das also in die Schuhe schieben!

The Burgher: »Dann ist es wohl unsere gemeinsame Meinung und wir stehen doch nicht zu unserem Wort (lacht). Nein, ich finde, wir haben auch viele Einflüsse aus anderen Jahrzehnten, im Prinzip von den Sechzigern bis in die Neunzigerjahre, die uns auch von einer reinen Seventies-Rock'n'Roll-Band unterscheiden. Die Siebziger sind aber auf jeden Fall unser musikalisches Fundament.«

Zum Schluss noch eine Frage zu Live-Auftritten: Bis jetzt finden sich auf eurer Homepage nur Shows in Skandinavien und eine in Wales. Gibt es Pläne für eine Europatour – und speziell für einen Deutschland-Abstecher?

The Burgher: »Wir hatten Pläne, aber die haben leider nicht funktioniert. Das heißt, im Moment haben wir leider nichts konkretes. Wir würden unglaublich gerne nach Deutschland und in den Rest von Europa kommen. Eine zweiwöchige Tour auf die Beine zu stellen, hat einfach nicht geklappt. Wir haben darüber gesprochen, die Tour nach dem Release des nächsten Albums zu machen.«

The Vicar: »Wie wir schon am Anfang des Gesprächs gesagt haben, soll nächstes Jahr ein neues Album erscheinen. Hoffentlich klappt es dann. Gerade Deutschland ist uns wichtig. Wir waren schon länger nicht mehr bei euch, deswegen möchten wir das auf jeden Fall so schnell wie möglich realisieren.«