Online-MegazineInterview

MASSACRE

Zurück aus den Schatten

MASSACRE

Dass MASSACRE ohne Kam Lee zurückkommen, darf man sicherlich zwiespältig aufnehmen. Anders herum demonstriert die brandneue „Condemned To the Shadows“-EP definitiv Klasse und kann Fans schon einmal aufhorchen lassen. Grund genug, sich mal von Bassist Terry Butler ein paar Takte erzählen zu lassen.

Terry, wie kam es zur Rückkehr von MASSACRE?

»Naja, ich hab mich mit Rick (Rozz, g. - fp) unterhalten und ihm gesagt, dass er sich melden soll, wenn er mal wieder etwas mit MASSACRE machen will. Der hat mich für bekloppt erklärt (lacht), aber ich habe ihm gesagt, dass ich es ernst meine und immer noch großes Interesse an der Band existiert. Also haben wir beschlossen, dass wir es durchziehen, wenn wir die richtigen Musiker dafür finden. Und mit Mike Mazzanetto an den Drums und Ed Webb als Sänger haben wir definitiv die richtigen gefunden.«

Wie habt ihr die beiden denn gefunden?

»Mike ist schon seit einer Weile in der Szene von Orlando unterwegs. Rick kennt ihn schon seit Jahren. Mike hat sogar schon mit Rick bei dessen anderer Band M Inc gejammt. Er hat auch schon mit Chuck (Schuldiner, R.I.P. - fp) während der Control Denied-Ära gejammt. Mit Mike an den Drums können wir so ziemlich jeden Songs schreiben. He is a beast behind the kit!!
Ed ist ein Veteran der Tampa-Szene. Er hat für „Supreme Evil“ und „Infinity Through Purification“ bei Diabolic gespielt. Ich kenne ihn schon seit Jahren und Rick hat ihn eines Nachts spielen sehen, und er mochte was er hörte. Also kam Ed zur Bandprobe und hat uns komplett weggeblasen. Das war das fehlende Puzzlestück. Ed hat eine sehr kräftige Stimme und zudem eine tolle Aussprache.«

Haben die beiden die neuen Songs von der „Condemned To The Shadows“-EP schon beeinflussen können?

»Absolut. Sie hatten die komplette Freiheit, ihre Ideen in die Songs einzubringen. Ohne ihren Einfluss würden die Songs komplett anders klingen, das kann ich euch sagen!!!«

Sind die neuen Texte auch von Ed?

»Ja, er hat für beide Songs die Lyrics beigesteuert.«

Wenn es um Line-up-Veränderungen geht, ist der Gesang immer ein schwieriges Thema. Der Gesang von Kam Lee war immer einer der Trademarks von MASSACRE. Denkst du, dass die Fans Ed akzeptieren werden?

»Ja, ich denke schon. Die Shows, die wir bisher gespielt haben, sind der Beweis. Die Leute lieben Ed. Er hat tonnenweise Komplimente bekommen, denn er ist ein Monster von einem Sänger. Die Leute sollen zu den Shows kommen oder die Platte kaufen, dann werden sie es selbst merken.
Kam hat es Rick und mir unmöglich gemacht, weiter mit ihm zu arbeiten, und zwar mit Dingen, die er seit dem Release der „Inhuman Contition“-EP gesagt und getan hat. Er macht seinen Kram und wir machen unseren. Also sind wir weiter gezogen und haben die zwei besten Musiker für MASSACRE gesucht, die wir finden konnten. Ich weiß auch, dass es für einige Leute schwer ist, dass Kam nicht mehr in der Band ist, weil sie seinen Gesang hören wollen. Aber Kams Zeit bei MASSACRE ist vorbei, und wir müssen die Fackel übernehmen und bis 2013 und noch weiter zu tragen.«

Der Titel 'Back from Beyond' klingt nach einer Referenz zu „From Beyond“, und das Cover der „Condemned To The Shadows“-EP erinnert mich auch stark daran. Versucht ihr bewusst, zu eurem alten Stil zurückzukehren?

»Mit dieser EP wollten wir den Graben zwischen „Inhuman Condition“ und „Condemned To The Shadows“ überbrücken. Es liegen immerhin schon 20 Jahre zwischen den beiden Veröffentlichungen. Also haben wir diese Verbindung in den Lyrics und dem Artwork hergestellt. Wir wollten ein Oldschool-Artwork, in dem die Kreatur vom „From Beyond“-Cover aus dem Schatten tritt und ein weiteres Mal auf die Welt losgelassen wird. MASSACRE wurden wiedergeboren!«

Für mein Empfinden klingen die beiden neuen Songs grooviger und etwas technischer als die Songs von „From Beyond“. Würdest du da zustimmen?

»Ja, aber der klassische MASSACRE-Stil ist immer noch da. Mach dir mal eines klar: Die Songs auf „From Beyond“ sind 1986 geschrieben worden. Natürlich entwickeln sich Dinge in 26 Jahren weiter. Und natürlich kommt noch der Einfluss von Mike und Ed dazu. Deren Einsatz hat uns Groove und ein bisschen mehr Technik gegeben.«

Wird das auch die Ausrichtung für das neue Album sein?

»Ja, ich denke, man kann die Songs schon als guten Indikator für das neue Album verwenden. Wie ich bereits gesagt habe, werden die alten MASSACRE-Hooks auch weiterhin da sein.«

Können wir uns nach der gecancellten Army-Of-Darkness-Tour auch auf eine neue Tour freuen?

»Ja, das neue Album kommt im Januar raus, und danach wird es auch eine Tour geben. Die Army-Of-Darkness-Tour wurde ja wegen eines inkompetenten Veranstalter abgesagt.«

Gibt es noch weitere Pläne für die Zukunft?

»Naja, wir gehen im November für vier Shows mit Master und Absu nach Brasilien. Januar 2013 kommt das neue Album, und danach wollen wir so viel wie möglich touren. Wir wollen es vor allem mal nach Japan und Australien schaffen.«

Im Internet war eine Setlist für die Army-Of-Darkness-Tour zu finden. Kam die von euch?

»Ja, wir wollten das komplette „From Beyond“-Album zum 20-jährigen Jubiläum komplett aufführen. Ich vermute mal, das ist es, was du gesehen hast.« (Nein, die Setliste war es tatsächlich nicht, also kam sie wohl nicht von der Band - fp)

Kam hat ja eine Geburtstagsshow für „From Beyond“ gespielt. Was hast du gedacht, als du gehört hast, dass er die Songs ohne das restliche Line-up spielen will?

»Haha, ja, das hab ich auch gesehen. Ich finde es irgendwie heuchlerisch, dass er uns vorwirft, die Songs ohne ihn zu spielen, er sie dann aber ohne uns spielt. Lustig, oder?«

Du spielst ja auch bei Obituary, ist es da nicht schwer, die Zeitpläne zu koordinieren?

»Bisher hat es da keine Probleme gegeben. Im Gegenteil, ich fühle mich wirklich geehrt, dass ich dort spielen kann, denn Obituary sind tolle Leute. Es könnte dort nicht besser laufen.«

Ihr habt auf dem 70.000-Tons Of Metal gespielt. War es nicht merkwürdig, auf einem Kreuzfahrtschiff zu spielen?

»Das war bisher das beste Festival, auf dem ich war. Es ist nicht matschig, deine Kabine ist nur eine Minute entfernt, und es gibt genug Bier. Und alle Bands gehen raus und feiern. Es gibt einfach keinen Stress.«

Death Metal ist jetzt knapp 30 Jahre alt. Du warst und bist in einigen einflussreichen Bands aktiv. Was kommt dir in den Sinn, wenn du die Entwicklung der Szene betrachtest?

»Death Metal war früher definitiv undergroundiger. Man hat sich gefühlt, als wäre man in einem coolen kleinen Geheimclub, den kaum jemand kennt. Der größte Unterschied ist, dass es heute so viele Bands gibt. Man kann nur noch immer schneller oder noch technischer werden, alles andere ist schon passiert.«