Online-MegazineInterview

BLACK SPACE RIDERS

Zeitlos unmodern

Ironisch und mit einer gehörigen Portion Übertreibung gehen die BLACK SPACE RIDERS ans Werk. Mit ihrer Mixtur aus Metal, Doom, Space-, Psychedelic- und Stoner-Rock eifern die Münsteraner auf ihrem Debüt Größen wie Hawkwind und Monster Magnet nach, ohne das nötige Augenzwinkern zu vergessen. Wie der Vierer sonst so tickt, erzählen uns Basser Saq, Gitarrist Sli, Drummer Crip und Fronter Je selbst.

Wie kam es zu dem Namen 'Black Space Riders'? Zu viele Cartoons? Zu viel Pfeifenkraut?

CRIP: Je und Saq haben sich über paar Wochen lang verbal und über Elektropost alle möglichen Abstrusitäten, Spaceflausen und Ideen zukommen lassen und irgendwann war´s dann da - direkt aus'm Space. Und das passiert ausgerechnet mir, dem größten Science-Fiction-Verächter, wo gibt.
JE: Wir heißen halt genau so, wie wir klingen. Der Name ist ein Statement, die ganze Band ein in sich stimmiges Konzept. Ich hab als Kind schon nächtelang mit der Taschenlampe heimlich Sci-Fi-Romane unter der Bettdecke verschlungen und kam morgens nicht aus den Federn, weil ich nachts wieder fremde Welten erobert hatte.

Wie würdet ihr selbst eure Musik einsortieren? Gibt es überhaupt eine passende Schublade dafür?

SAQ: Ein mächtiges Gebräu aus psychedelischem Doom-Space-Rock mit einer Portion Old-School-Metal, nicht so gehyptes Zeug wie der Rest auf dem Planeten Erde, ich denke, die Riders passen gut in so eine Schublade.

Beschreibt doch mal eure Musik, in welche Richtung geht es? Ihr mischt ja mehrere Stilelemente und kreiert einen eigenwilligen Sound, wie funktioniert das?

JE: Unsere Musik ist im positiven Sinne unmodern, wir sind zeitlos. Wir klingen schwer, schwarz, hart, hypnotisch, eindrucksvoll und mitreißend. Die Riffs speisen sich sicherlich aus meiner Kindheit in den 70ern und meiner Jugend in den NWOBHM-80ern, gepaart mit einem Schuss Indie-Attitüde, die fand ich Anfang der 90er noch bei Bands wie Monster Magnet, Kyuss oder den Melvins.

Worum geht's denn inhaltlich? Kubrick, Galaxy Rangers, Asimov?

JE: Geburt, Liebe, Verlust, Einsamkeit, Verzweiflung, Rache, Tod, totale Vernichtung und interstellare Erlösung. Die Texte entstehen frühestens gleichzeitig, manchmal aber auch erst nach der Musik. Die Musik allein transportiert schon eine gewisse Botschaft, zumindest ein Gefühl, das sich dann in Titel und Text wiederfinden sollte. Meine Texte sind kurz und leben von der Wiederholung. Eher lässig klingende Slogans als literarische Ergüsse. Herangehensweise: Hauptsache cool und "black" und "space" ist drin. [lacht]

Gibt es einen musikalischen Kopf oder seid ihr alle gleichberechtigt? Wer schreibt die Songs?

SAQ: Je ist schon ganz weit vorn, was Songwriting und Composing unserer Songs angeht. Beim Arrangieren sind dann aber alle am Start. Bei uns geht das sehr diszipliniert, aber mit der nötigen Portion Alte-Männer-treffen-sich-zum-Mucke-machen-Saufen-Rauchen-und-Spaß-haben ab.

Beschreibt mal den Songwriting-Prozess.

JE: Um mal esoterisch zu werden: Alle Musik ist sowieso schon da, du musst sie nur reinlassen, wenn sie anklopft. Die guten Ideen kommen immer angeflogen, im Auto, nachts, wenn ich nicht schlafen kann, auf dem Klo, unter der Dusche. Meistens hab ich dann keine Gitarre dabei, aber ich hab zu vertrauen gelernt, dass eine wirklich gute Idee wieder und wieder zurückkommt und dann packe ich sie mir, setze sie auf der Gitarre um, nehme das Riff auf, singe eine Gesangsmelodie dazu, verschicke das als mp3 an meine Mit-(St)Reiter und dann basteln wir bei den Proben solange damit rum, bis es entweder total geil ist - oder wir schicken die Idee erst mal auf die gelobte Schweinewiese, um sie vielleicht nach Monaten noch mal hervorzukramen.

Welcher Song beinhaltet die Quintessenz der Black Space Riders?

SLI: 'Hide From The Spacelight' ist mein Favorit.
CRIP: 'I, Black Messiah' und 'Space Collision'. Warum? Groove.

Für welche Band wärt ihr der perfekte Support-Act?

SAQ: Ich persönlich würde sehr gerne mal Monster Magnet, The Sword oder Motorpsycho supporten.
CRIP: Kann ich nicht sagen - wenn ich´s mir aussuchen könnte, würd ich gerne für Nine Inch Nails eröffnen, weil ich die live großartig finde. Ronnie James Dio und Phil Lynott sind leider schon tot, ansonsten irgendwas mit denen.

Welche Instrumente könnt ihr spielen? An welchem seid ihr völlig talentfrei?

SAQ: In Perfektion: Bass, Gitarre, Vocals, Mundharmonika und Maultrommel. Geht so: Schlagzeug, Trompete und Artverwandtes. Talentfrei: Keyboard und Oboe.
SLI: Gitarre, Bass, ein bisschen Drums und Tasten. Gar nicht gehen Blasinstrumente, hab ich aber auch noch nie wirklich probiert.
CRIP: Na ja, zunächst mal ganz gut die verschiedenen Möglichkeiten der Trommelei: Drums, Dembe, Cajon, dann noch Didgerdoo und seit vier, fünf Jahren auch ein wenig Gitarre und Bass. Talentfrei: Möchte und werde mich noch irgendwann an der Posaune versuchen.
JE: Ich hab elterlicherseits die komplette Bildungsbürgerschiene genossen: gelernter Blockflötist, Klarinettist, Tenor- und Baritonsaxophonist. Ich singe, schreie, flüstere. Meine große Liebe ist die Gitarre, dann kommen Bass, Percussion, Drums und Klavier. Ziemlich doof klinge ich bisher an Streich- und Blechblasinstrumenten.

Ihr dürftet eine Musikrichtung vernichten, welche wäre das?

SAQ: GABBA!
SLI: Death to Techno!
CRIP: Puh ... schwer zu sagen. Ich kann tatsächlich auch mal für 20 Minuten beim WDR4 verweilen (Schlagersender -Red.). Grundsätzlich empfinde ich heutzutage Musik aber oftmals als überkromprimiert und da steh ich überhaupt nicht drauf.
JE: Vernichten ist mir zu krass. Wenn Musik eine Botschaft hat, ist die Richtung egal und sie darf bleiben. Manche Techno-Sachen sind doch voll geil!

Im Zeitalter von mp3s, wie wichtig ist euch der Klang der Aufnahmen?

SAQ: Extrem wichtig. Das sieht man schon allein an den Reaktionen der Leute, die unser Album gekauft und uns schon live gesehen haben. Wir kriegen immer wieder zu hören, dass der Sound unserer Platte ein Argument für den Kaufgewesen ist. Auch in Zeiten von digital komprimierten Musikformaten ist der Klang immer noch ein wichtiges Argument für die Qualität einer Band. Das wird sich hoffentlich auch niemals ändern.
JE: Extrem wichtig. Der Sound ist Teil meiner Vision, meiner Botschaft, meines Auftrags. Offen, warm, analog-fett müssen wir klingen.

Wie sieht's neuem Material aus? Wird es wieder das Weltraum-Konzept behandeln?

SAQ: An dem Nachfolger wird bereits fleißig gearbeitet. Dieses Jahr geht's wieder ins Studio und dann wird Part II der BLACK SPACE RIDERS-Trilogie aufgenommen.
JE: Die Band und das Konzept lassen deutliche Variationen des Themas zu. Die neuen Songs sind sehr spannend. Natürlich wird das alles wieder ineinander passen. Möge die Macht mit euch sein. See you in space!