Online-MegazineInterview

TRANSPORT LEAGUE

Zeitlos gut

TRANSPORT LEAGUE

TRANSPORT LEAGUE konnten Mitte bis Ende der Neunzigerjahre Aufsehen erregen. Ein origineller Stil und mehrere bockstarke Platten in Folge machten die Band zu Kritikerlieblingen und Anwärtern auf höhere Weihen. Doch nach dem Album „Multiple Organ Harvest“, das sich musikalisch durchwachsen präsentierte, in Richtung Nu Metal schielte – und damit die Quasi-Nachfolgeband M.A.N. vorwegnahm – war 2003 erst einmal Schluss. Warum Tony Jelencovich trotz diverser anderer Projekte nun die Band reformierte, welche vor zehn Jahren kurz vor dem Durchbruch stand, um mit ihr noch einmal ganz vorn zu beginnen, erzählt uns Sänger  im Interview.

»Wir trennten uns damals, weil unser Sound sich so stark gewandelt hatte, was natürlich auch mit vielen Veränderungen der Besetzung zu tun hatte. Außerdem wollte ich mich darauf konzentrieren, nur Frontmann zu sein, ohne gleichzeitig Gitarre zu spielen. So ging Transport League praktisch in M.A.N. auf. Irgendwann nahm ich aber Kontakt zu den Leuten auf, die die ersten Alben mit eingespielt hatten. Wir trafen uns, hatten ein paar Jams und irgendwann die Idee, man könnte mal eine Show spielen. Nach dieser „Reunion Show“ wurde fantastischer Weise einfach alles immer größer.«

Nun kann eine so lange Auszeit einer Band das Genick brechen, weil die alten Fans die Truppe nicht mehr auf dem Radar haben und jüngeren Leuten der Name nichts sagt.

»Tja, wir haben das Glück, dass sich sowohl unsere alten Fans an uns erinnerten, als auch schnell neue hinzukamen. Ich denke, das liegt an einer gewissen Zeitlosigkeit unseres Sounds.«

Darin liegt auch der Grund, aus dem man sich für die Live-Reunion zunächst auf die ersten Platten konzentrierte und die modern groovenden Elemente der letzten beiden Scheiben außen vor ließ.

»Wir fanden, dass die moderner klingenden Songs nicht so richtig ins Set und nicht zum „Boogie From Hell“-Groove passten, den wir im Sinn hatten. Von „Satanic Panic“ könnte man schon das eine oder andere spielen, aber bisher sind wir sehr zufrieden damit, wie es live läuft. Wir werden sehen.«

Auf der neuen  Scheibe lässt der Kreativkopf folglich auch die Finger von all jenen Zutaten, die vor der Trennung das ursprüngliche Rezept erweiterten - und konzentriert sich auf die immer noch vielfältige Melange aus Metal, Hardcore, Doom und Schweinerock, die einmal mehr von Stammproducer Roberto Laghi mörderfett in Szene gesetzt wurde. Seinen Einfluss kann man Tony zufolge nicht hoch genug einschätzen, da er nicht nur ein begnadeter Soundtüftler, sondern auch klassischer Produzent im Sinne eines brutalen Schleifers ist, der sowohl musikalische Vorschläge macht, als auch den Musikern in den Hintern tritt, damit sie ihre beste Performance liefern.

Angesichts all der Projekte, an denen Mr. Jelencovich beteiligt war, ist und vermutlich sein wird, liegt die Frage nahe, was eigentlich die Pläne für die Band sind. Ein Album und gelegentliche Konzerte als Spaß unter alten Kumpels? Oder die Weltherrschaft?

»Zwar sind wir alle keine zwanzig mehr und haben Familien und Jobs, aber ich will mit TRANSPORT LEAGUE so viel wie möglich machen. Wie viel das genau sein wird, muss man abwarten. Wir haben aber bereits vier bis fünf neue Songs. Wenn es nach mir geht, könnten wir im Mai damit anfangen, ein neues Album aufzunehmen.«

Da wir an dieser Stelle das Thema des altersgerechten Verhaltens streifen, konfrontiere ich meinen Gesprächspartner mit Marc Aurel: „Jugend ist kein Lebensabschnitt, sie ist eine Geisteshaltung.“

Die Reaktion fällt aus, wie es zu erwarten war: »Ja, das bin wirklich ich! (lacht).«

Bei all dem Erfolg, den die Band sich seit der Reunion praktisch im D.I.Y.-Verfahren erarbeitet hat und angesichts der Klasse der neuen Scheibe verwundert es natürlich, dass sich kein Label für die Veröffentlichung von „Boogie From Hell“ gefunden hat. Schließlich war zum Zeitpunkt der Labelsuche bereits klar, dass TRANSPORT LEAGUE nach wie vor einiges reißen und sogar aus eigener Kraft, ohne finanzstarke Promo-Power im Rücken, alte und neue Fans gleichermaßen mobilisieren kann. Auf die Frage, welche Gründe er von den Plattenfirmen für die Ablehnung zu hören bekam, wird Tony etwas einsilbig.

»Ach, weiß nicht – falscher Stil, schon zu viele Bands auf dem Label, sowas. Scheiß drauf. Die hatten bloß Angst, mal was anderes zu machen, denn das Album ballert.«

Das kann man wohl sagen. Es gibt wenige Bands, die eine solche musikalische Wucht erzeugen.

Zum Schluss frage ich nach einem kleinen Überblick über Tonys weitere aktuelle Projekte. Die Liste ist kürzer als erwartet (wobei er seine unzähligen Gastspiele wie beispielsweise bei Icon In Me auslässt und nur „seine“ Bands erwähnt), enthält aber auch schon wieder einen neuen Namen.

»Ich bin nach wie vor bei M.A.N. (steht für Massive Audio Nerve), unser aktuelles Album ist im letzten Juli erschienen. Darüber hinaus bin ich in einer neuen Band mit Namen Death Destruction, wir werden im Frühjahr eine Platte via Sony Music veröffentlichen.«

Da kann man ja nur froh sein, dass zumindest die Scheibe bei einem Labelangestellten gelandet ist, der weder Bohnen in den Ohren noch Angst davor hat, etwas zu veröffentlichen, das nur nach sich selber klingt.

 

 

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