Online-MegazineInterview

HATRIOT

Wollt ihr den totalen Thrash?

HATRIOT

Steve „Zetro“ Souza ist mit seiner jungen Rasselbande namens HATRIOT zurück und gibt uns auch auf dem zweiten Longplayer „Dawn Of The New Centurion“ ordentlich was auf die Mütze. Das ist Bay-Area-Thrash in Reinkultur - und nur mit einem Mindestmaß an Melodien versehen.

Zetro, das erste, was man auf „Dawn Of The New Centurion“ hört, ist Charlton Hestons berühmt-berüchtiges Zitat „from my cold dead hands“, mit dem der einstige Vorsitzende des mächtigen Waffen Lobbyistenvereins NRA klarstellte, dass er seine Waffe niemals abgeben würde - es sei denn, man reißt sie ihm aus seinen kalten, toten Händen. Da der Song nach diesem Zitat betitelt ist, kann man wohl annehmen, dass es bei der Nummer um das Waffenrecht geht, oder?

»Das Stück handelt von amerikanischen Abgeordneten, die versuchen, Gesetze zu ändern und dabei die Bürger ihrer verfassungsmäßigen Rechte berauben. Ich selbst besitze keine Waffen, aber ich denke, dass es gute Gründe gab, warum unsere Staatsgründer diese Gesetze eingeführt haben, und ich finde, man muss sie nicht modifizieren. Die Medien übertreiben meiner Meinung nach stark in ihrer Berichterstattung, und gewisse Politiker nutzen das aus um ihre eigenen Ziele zu verfolgen. Und das lehne ich ab. Lasst die Finger von unserer Verfassung!«

Mal abgesehen davon, dass ich persönlich den amerikanischen Waffenfimmel für komplett irre halte, so kann man dieses Rad doch vermutlich sowieso nicht mehr zurückdrehen. Egal, welches Gesetz kommen mag - ich kann mir nicht vorstellen, dass deine Landsleute ihre Waffen abgeben würden.

»Nein, das ließe sich niemals durchsetzen. Es gibt Gerüchte über angeblich sich anbahnende Gesetzesentwürfe, die es dem Militär oder der Polizei erlauben würden, von Tür zu Tür zu ziehen und die Bürger zu entwaffnen. Aber das wäre nicht umsetzbar. Es sind viel zu viele Waffen im Umlauf und die Menschen sind nicht bereit, sich von der Regierung diktieren zu lassen, was sie tun dürfen und was nicht. Die Gesamtstimmung in den USA ist eher pro legalen Waffenbesitz, und ´From My Cold Dead Heads´ reflektiert diese Stimmung.«

„Dawn Of The New Centurion“ ist der Titel eures neuen Longplayers. Wer ist denn der neue Zenturio, dessen Regentschaft da anbricht?

»HATRIOT sind der neue Zenturio, genauso wie wir bei unserem Debüt „Heroes Of Origin“ die „Helden“ waren. Die erste Scheibe war der Ursprung, mit „Dawn Of The New Centurion“ beginnt die Dämmerung des zweiten Kapitels in der Karriere von HATRIOT.«

Ihr habt einen Song mit dem Titel 'Superkillafragsadisticactsaresoatrocious', ein Wort, mit dem man beim Scrabble wohl ähnlich abräumen würde wie ich einst mit „Oberpostdirektionsbriefmarkenstempelautomatenmechanikerlehrling“. Aber natürlich muss ich bezüglich eurer Wortkreation nachhaken. Was steckt dahinter? Und was haben Pussy Riot damit zu tun, die ihr am Ende der Nummer namentlich erwähnt?

»Es ist eine Parodie auf Mary Poppins, und mir war natürlich klar, dass so ziemlich jeder Interviewpartner etwas zu diesem Song fragen würde. Der Track handelt von korrupten Führern und davon, das sie am Ende immer zu Fall gebracht werden. Ich finde, dass der Titel reichlich augenzwinkernden Humor in sich birgt - dieselbe Art von Humor, die wir einst bei Exodus hatten und die mit verantwortlich dafür war, das Thrash damals so cool war. Der Song ist total old school und einer meiner absoluten Favoriten auf der Platte. Pussy Riot haben wir ziemlich spontan in den Text eingebaut. Sie sind Opfer eines bösartigen Diktators und wir dachten, es wäre eine nette Geste, wenn wir den Track mit den Worten „Free Pussy Riot“ enden lassen würden. Damals konnten wir natürlich noch nicht ahnen, dass sie kurz nach Beendingung der Aufnahmen freigelassen werden würden.«

Sprechen wir über die musikalische Seite von „Dawn Of The New Centurion“. Die Produktion der Scheibe klingt für meinen Geschmack sehr viel professioneller. Euer Debüt hatte auch schon sehr geile Songs, aber die Aufnahmen hörten sich nach Home Recordings mit programmierten Drums an.

»Diese Ansicht teile ich nicht, denn beide Platten wurden im Trident Studio aufgenommen und von Juan Urteaga produziert. Es gibt aber einen klaren Unterschied in der Strukturierung der Songs. Die neue Album ist komplexer und gleichzeitig melodischer als das Debüt. Die Legacy-Einflüsse sind diesmal stärker als die von Exodus, trotzdem ist die Aggressivität unseres Erstling immer noch omnipräsent. „Heroes Of Origin“ war totaler Thrash von der ersten bis zur letzten Sekunde. Es war unser Ziel, keinen Moment lang nachzulassen und alles wegzublasen. Mit „Dawn Of The New Centurion“ sind wir eher ein Tarnkappenkiller. Wir haben unseren Stil verfeinert und davon profitiert, dass meine Jungs jetzt schon zum zweiten Mal im Studio waren und erfahrener geworden sind.«

Mit Kosta und J.C. hast du zwei sehr erstklassige Gitarristen in deiner Band. Wer von den beiden ist der talentiertere Songwriter?

»Definitiv Kosta, der nahezu alle Songs von HATRIOT komponiert hat und den anderen Jungs ihre Parts beibringt. Er ist schon so etwas wie ein Bandleader bei uns. Kosta und J.C. arbeiten aber super miteinander und ich sehe sie als eine Art Tag Team wie es früher Gary Holt und Rick Hunolt waren. Im Proberaum kann aber jeder seine Ideen einbringen, und wenn das Gerüst eines Songs einmal steht, nehme ich es mit nach Hause um Melodien und Texte dafür zu schreiben.«

Du hast Exodus seinerzeit auch deswegen verlassen, weil du nicht so ausgiebig touren wolltest wie das der Plan der Band vorsah. Jetzt allerdings sagst du, dass HATRIOT bereit seien, auf lange Tourneen zu gehen. Wie kam es zu diesem Sinneswandel?

»Als sich Exodus 1992 auflösten, blieb mir nichts anderes übrig, als einen regulären Job zu suchen. Ich wurde Anlagenbauer und war so gut in meinem Beruf, das ich mich nach oben arbeitete und gutes Geld verdiente. Dann kam die Reunion, wir nahmen „Tempo Of The Damned“ auf und tourten ewig lange. Es war eine geile Zeit, aber ich musste drei Kinder ernähren und die Band warf einfach nicht genug dafür ab. Also entschied ich mich für meine Kinder. Inzwischen sind meine beiden Söhne aber erwachsen und meine Tochter lebt bei ihrer Mutter. Es ist also eine ganz andere Situation und ich bin bereit, wieder in den Tourbus zu steigen.«

Deine beiden Söhne bilden bekanntermaßen die Rhythmussektion von HATRIOT und haben sicher mitbekommen, dass du früher bei Exodus ganz bestimmt nicht wie ein Heiliger gelebt hast. Insofern wirst du ihnen wohl keine Moralpredigt halten können, wenn sie auf Tour mal partymäßig über die Stränge schlagen.

»Die Jungs wissen genau, was damals bei Exodus gelaufen ist, aber sie machen nicht wegen der Partys und den Mädels Musik. Sie sind hier, um Thrash Metal zu spielen und mit HATRIOT so erfolgreich wie möglich zu werden. Natürlich gibt es Verlockungen, und ab und zu taucht auch mal jemand backstage auf, der weißes Pulver auf den Tisch legt. Aber das heißt nicht, dass wir gleich unsere Nasen da reinhalten. Ich muss mir also keine großen Sorgen um die Jungs machen, aber sei dir sicher: Wenn sie´s doch mal übertreiben, dann werde ich die Peitsche auspacken und den bösen Daddy raushängen lassen. Das habe ich definitiv noch drauf.«

 

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DISKOGRAFIE
Heroes Of Origin (2013)
Dawn Of The New Centurion (2014)