Online-MegazineInterview

TOMORROW'S EVE

Von der Realität eingeholt

TOMORROW'S EVE

Um TOMORROW’S EVE war es jahrelang still, nicht wenige Fans hatten den Eindruck, es würde die Band nicht mehr geben. Das war aber anscheinend ein Trugschluss, denn nun kehren sie mit „Mirror Of Creation III - The Project Ikarus“ zurück. Mit einem neuen Label und einem starken Album im Rücken, wollen es die Mannen um Gitarrist Rainer Grund noch einmal wissen und legen uns ein Progressive-Feuerwerk vor, das seinesgleichen sucht. Grund genug für uns, den sympathischen Saitenhexer zum Gespräch zu bitten.

Vor neun Jahren habe ich die Band das letzte Mal für ein Interview am Hörer gehabt. Rainer Grund kann sich an das letzte Gespräch ebenfalls erinnern.

»Es ist über neun Jahre, oder?«

Genau. Zur letzten Platte „Tales Of Sepentia“ haben wir ein Interview geführt. Erzähl doch mal, wie es zu dem großen Zeitraum zwischen den beiden Scheiben gekommen ist.

»(Lacht.) Ja, so ist das eben. Wie das Leben so spielt. Zunächst waren es ein paar persönliche Einschnitte bei einigen der Jungs. Ein anderer Grund war natürlich die Pause nach „Tales Of Sepentia“. Martin hat sich in der Pause nach neuen Aufgaben umgeguckt und so ist er beispielsweise zu Nachtgeschrei und zu Mekong Delta gekommen. 2014 habe ich schließlich wieder mit dem Songwriting angefangen.«

Ihr habt auch zwei neue Leute in der Band, die gar nicht unbekannt sind. Wie ist es denn zu den Wechseln gekommen?

»Das ist auf Martins (LeMar, v. – cb) Mist gewachsen. Er lernte die Jungs Mike (LePond, b. – cb) und John (Macaluso, dr. – cb) auf Tour kennen. Mike spielte die letzten Shows von Martins anderer Band Lalu mit. Eigentlich wollte Martin, dass Mike Bassspuren für sein Soloalbum einspielt. Als daraus aber nichts wurde, haben wir gesagt: „Spiel' doch bitte die Sachen für TOMORROW’S EVE ein“ (lacht). Mike haben die Files, die wir ihm geschickt haben, gefallen und so spielt er nun bei TOMORROW’S EVE (lacht). Bei John war es ähnlich. Den hat Martin auch auf einer Tour kennen gelernt, und so kam Eines zum Anderen.«

Ok. Das hört sich nach der Arbeitsweise einer Allstar-Group an. Wie läuft denn das Songwriting heute bei euch? So, wie immer? Das heißt, du und Keyboarder Olli sind für die Songs zuständig?

»Genau so war es, ja. Wir haben uns seit 2014 in mein kleines Studio hier zurückgezogen und an den Songs geschrieben. Martin war zu der Zeit noch bei Nachtgeschrei eingebunden, sodass Olli und ich erst einmal fleißig Material ohne ihn geschrieben haben. Meiner Meinung nach hätten es auch zwei Platten werden können (lacht). Als Martin schließlich frei war, brauchten wir noch einmal zwei Jahre, um die Songs so zu bearbeiten, wie du sie jetzt hörst. Dafür kann aber dieses Mal auch jeder mit jeder Note zufrieden sein.«

Heißt das, früher haben euch Leute immer reingeredet?

»Naja, reingeredet nicht unbedingt. Man hat etwas von uns erwartet, dem wir immer versucht haben Folge zu leisten. Auf der anderen Seite hatten wir schon seit jeher eine Starrköpfigkeit. Von daher hieß es immer: Bis hierhin können wir euch entgegen kommen, weiter aber nicht. Dieses Mal war es eben so, dass wir auf niemanden Rücksicht genommen haben.«

Also gab es von Seiten des Labels nach „Mirror Of Creation 2 - Genesis II“ eine gewisse Erwartungshaltung an euch?

»Zunächst einmal war es damals schwierig, überhaupt ein Label für unsere Art von Musik zu begeistern. Unser Werdegang begann mit „The Unexpected World“ bei B Mind Records. Dort waren wir sehr zufrieden, haben uns zuhause gefühlt und Bert ist auch ein sehr lieber Kerl gewesen. Leider musste er irgendwann seine Tore schließen, warum auch immer. Er selbst sagt, das Business habe ihn dazu gezwungen. Wir wollen da nichts hineininterpretieren. Für uns hieß das, ein neues Label zu suchen, was ungefähr eine Ewigkeit gedauert hat. Es gestaltete sich anspruchsvoller, als gedacht, da sich zu der Zeit irgendwie alles vom Progressive Metal wegzudrehen schien. Dennoch sind wir mit „Mirror Of Creation“ bei Source Of Deluge Records untergekommen. Anschließend ging es direkt weiter zu Lasse von Lion Music. Wenn man die Bands seines Labels kennt, weiß man eigentlich, dass da eine gewisse Erwartungshaltung vorhanden ist und in diese Richtung wollten wir mit der neuen Scheibe gar nicht gehen.«

Sehr diplomatisch ausgedrückt, wie ich finde. Ich habe „Mirror Of Creation III - The Project Ikarus“ mehrere Male gehört und muss sagen, dass TOMORROW’S EVE nicht kleckern, sondern klotzen. Nach dem kurzen, aber typischen Klavier-Intro bricht ein Orkan über den Hörer herein, der nur schwer zu fassen ist.

»Ja (lacht). So haben wir es gemacht.«

So viel zum Thema „frei von der Leber weg“.

»Genau (lacht). Wir wollten das exakt so und genau so haben wir es gemacht. Unser Anspruch dabei war recht einfach. Wir sagten, es muss drücken, es muss klingen und es muss singen (lacht). Das macht es aus, denke ich. Auch an der Produktion haben wir echt lange gefeilt. Ich vermute, Markus vom Basement Studio hat während der Produktion noch ein paar graue Haare mehr bekommen. Es hieß zum Beispiel: „So, alles fertig. Dann machen wir alle Gitarren noch einmal.“ (lacht). Da wir aber alles gereampt haben, war das kein Problem.«

War es ein Statement eurerseits, dass der erste Song so atonal für den Hörer klingt, der selbst kein Instrument spielt? Nach dem Motto: ‚Wir sind wieder da, hört, was wir können‘?

»Hmm…eigentlich nicht. Der erste Song auf dem Album ist ja nicht der erste im Entstehungsprozess gewesen. Ich glaube 'Welcome To The Show' hatte den Arbeitstitel 'Achter', oder so. Wir haben die Songs in Reihenfolge aufgenommen und dann hat Martin sie mit seinen Texten abgestimmt. Auf einmal hieß die Nummer dann nicht mehr 'Achter', sondern 'Welcome To The Show'. Das Textkonzept war ausschlaggebend und berechnend war daran gar nichts, wie du siehst. Das einzige, was wir berechnet haben, war, dass es krachen muss. Und das tut es, denke ich.«

Im Vergleich zu den letzten Alben bleiben meiner Meinung nach die Melodien nicht so wirklich im Ohr, wenn man ältere Nummern wie 'Distant Murmurs' als Vergleich zugrunde legt.

»Da kann ich eigentlich nichts zu sagen. Das ist ja ein subjektiver Eindruck. Aber Markus sagt auch: „Mensch, ihr braucht mehr Melodien!“ Das sagt er aber immer (lacht). Martin ist dabei auch beinahe ausgerastet: „Hör‘ doch mal hin, da sind nur Melodien drauf“ (lacht). Nee, aber im Ernst. Wir sind sehr zufrieden mit dem Album und denken, dass die Platte rund klingt.«

Im Ordnung, akzeptiert. Du hast einmal in einem Interview gesagt, dass ihr auf euren Alben gar nicht gesellschaftskritisch agieren wollt. Das ist euch eher nicht gelungen, denn zum Beispiel ein Thema wie Genmanipulation ist ja nun sehr up-to-date. Ihr scheint mit eurer Musik in der Realität angekommen zu sein.

»Ja, uns hat die Realität eingeholt. Damals habe ich immer gesagt, dass wir Fans von Science-Fiction-Themen sind, und nun ist es eben kein Science-Fiction mehr. Ich denke auch, dass Martin zu der Zeit, als er die Texte verfasst hat, ziemlich angepisst war. Die Gesamtsituation mit den Flüchtlingen zum Beispiel, wie damit umgegangen wird, wie die Gesellschaft sich verändert, etc. Eigentlich ist das gar nicht so sein Ding, aber er scheint ein Bedürfnis gehabt zu haben, sich Gehör zu verschaffen. Für uns als Band war das vollkommen in Ordnung. Der Text zu 'Bread And Circusses' hat ihm echt am Herzen gelegen und das Video dazu wurde von Andy von Very Metal Art auch super umgesetzt.«

Finde ich auch, die Videos sind sehr gelungen. Generell habe ich den Eindruck, dass dieses Mal einfach mehr passiert, als bei den letzten Veröffentlichungen. Oder ist das wieder ein subjektiver Eindruck?

»Nein, ist es nicht (lacht). Es ist auf jeden Fall mehr los. Alleine schon, da wir zehn, elf Jahre lang weg vom Fenster waren. Wir wollen die Gunst der Stunde nutzen, da wir sehr starkes Feedback bekommen haben. Das hat uns echt überrollt. Wir haben schließlich gesagt, wir machen alles selbst, dann können wir alles steuern und alles machen, was geht. Hinterher wollten wir nicht sagen müssen „hätten wir doch das noch probiert“, etc. Es kommen ab August monatlich Videos auf den Markt, die von unserer Promotion Agentur Dr. Music Promotion veröffentlicht werden. Wir sind in Magazinen sehr aktiv, ohne dabei aber irgendwelche Klicks zu kaufen oder dergleichen. Das ist etwas, das wir nicht wollen, und wir legen auch entsprechend Wert darauf, dass das nicht so ist. Auf unserer Facebook-Seite haben wir ungefähr 1200 Follower. Dagegen sehe ich Bands, die vor zwei Wochen ein Album veröffentlicht haben und nun weit über 100.000 Likes für ihre Seite haben. Gleiches gilt für Likes bei Youtube, etc. Traurig ist nur, dass Veranstalter genau auf diese Zahlen schauen.«

Irgendwie scheint der Prophet im eigenen Land nichts zu zählen.

»Ganz richtig. Unsere Idee ist dabei möglichst lange im Gespräch zu bleiben. Wir nehmen jetzt erst einmal den französischen Markt unter die Lupe und sehen dann wie es weiter geht. Wir bleiben ganz cool, irgendwann kommen auch die Klicks und damit dann die Veranstalter.«

Habt ihr tourtechnisch etwas geplant? Vielleicht sogar in diesem Jahr noch?

»Ja, ich habe letzte Woche eine Liste mit Bands aufgestellt, die wir uns als Paket wünschen würden. Mal sehen, was in der Richtung geht. Leider waren wir für die Threshold-Geschichte einen Tag zu spät dran, sonst würden wir die Tour mitfahren. Dr. Music Promotion helfen uns in dieser Hinsicht sehr gut. Wir wollen für Februar/März 2019 ein passendes Package zusammenstellen und europaweit schön auf Tour gehen. Wird auch mal Zeit (lacht).«

Hat ein paar Tage gedauert, stimmt.

»Ein paar Touren hatten wir schon. Das Gesamtpaket hat damals aber nie wirklich gut gepasst und war natürlich auch einer mangelnden Unterstützung von Seiten des Labels her geschuldet. Bert von B Mind Records war da der Einzige, der etwas investiert hat, und ist letztlich auch daran gescheitert. Für uns wäre es in Ordnung, wenn wir am Ende bei Null rauskämen. Hauptsache, wir können unsere Leute bezahlen. Unter den Gesichtspunkten sollte es mit einer Tour schon laufen.«

www.t-eve.com

www.facebook.com/Tomorrows.Eve.official

 
 

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