Online-MegazineInterview

SARKE

Vom Solisten zum Leithammel

SARKE

Thomas „Sarke“ Berglie gehört zu den eher ruhigen Vertretern der Black-Metal-Zunft, mochte sich aber auch in den Hardliner-Jahren Mitte der Neunziger nicht vom Death Metal distanzieren und steht für einen Wacken-Auftritt mit David Bowie zur Verfügung. Die Online-Ergänzung zum "Aruagint"-Interview aus Rock Hard Vol. 318 zeigt: Der begeisterte Fischer ist das beste Beispiel für die Tiefe stiller Wasser.

Statt dich in Wacken zu für einen Skandinavier vergleichsweise günstigen Preisen zu besaufen, führst du dieses Wochenende Interviews.

»Ich habe dort schon dreimal gespielt: Als Live-Gitarist von Old Man’s Child, mit Khold und ebenfalls mit SARKE. Es ist ein großartiges Festival und ich bin jederzeit für einen weiteren Gig dort zu haben.«

Rammstein haben gestern den deutschen Schlagerbarden Heino auf die Bühne geholt und stießen damit auf gemischte Reaktionen. Welchen genrefremden Künstler würdest du gerne bei einem SARKE-Konzert präsentieren?

»Hm, wir hatten dort Tom Warrior bei 'Dethroned Emperor' auf der Bühne. Aber da das nicht gilt, wähle ich David Bowie.«

Die Veröffentlichung von „Alguarint“ wurde mehrfach verschoben: Von Mai 2013 auf das Frühjahr 2014 und wieder zurück in den September diesen Jahres. Die Aufnahmen selbst sind doch problemlos verlaufen – was war also die Ursache?

»Alle Bandmitglieder sind in die Entstehung eines Films namens „Saga“ involviert. Ursprünglich sollten die Aufnahmen diesen Sommer stattfinden, sind aber auf das kommende Jahr verlegt worden.«

Die schillernde Bezeichnung als Black-Metal-Viking-Biker-Film lässt so ziemlich alle Gedankenspiele zu: Von einem mit der Handkamera gefilmten weitgehend improvisierten Blödsinn bis hin zu einem seriösen „Easy Rider“-Update. Zudem hat man Noctuno Cultos bizarre Trash-Produktion „The Misanthrope“ im Hinterkopf...

»Der Regisseur heißt Jorn Steen und es wird kein „Blair Witch Project“-Schrott, sondern ein echter Spielfilm, basierend auf einem detaillierten Drehbuch. Nocturno Culto hat eine Hauptrolle und weiß wesentlich besser über den Inhalt Bescheid. „The Misanthrope“ war okay, eben seltsamer und dunkler Stoff.«

Kennst du Nocturno Culto seit Kindesbeinen an, seid ihr aus der selben Generation – oder hast du ihn als Darkthrone-Mitglied in deinen Teenagerjahren als Idol betrachtet?

»Er ist Jahrgang 1972, ich bin ein Jahr älter. Wir wuchsen beide außerhalb Oslos, aber nicht in direkter Nachbarschaft auf.  Ich spielte auch schon in einer ersten Band, kaufte mir ihre Demos und ging auf die ganz frühen Darkthrone-Konzerte. Ich kannte ihre Musik schon seit 1987-88 und war begeistert, wie auch von Mayhem, die gerade „Deathcrush“ veröffentlicht hatten. In ihrem Haus in der Einöde war ich nie, aber häufig in Euronymous' Laden Helvete.«

Hast du mit einem der anderen fünf Bandmitglieder gemeinsam die ersten Aufnäher auf eine Jeansweste genäht, besagte Konzerte besucht oder kultige Demos in Südamerika bestellt?

»Mit keinem der aktuellen SARKE-Musiker, aber mit Terje, alias Cyrus. Wir haben schon 1994 miteinander Musik gemacht. Auch unser Drummer Asgeir stammt aus meiner Gegend, ihn kenne ich seit gut zehn Jahren. Steinar war schon als Gastgitarrist bei Satyricon, als wir mit Khold einige Gigs in ihrem Vorprogramm spielten. Die anderen habe ich erst später kennengelernt. Ursprünglich habe ich als Drummer angefangen, das war 1987. Dabei hat mich kein bestimmtes Vorbild inspiriert. Ich stand auf Mayhem, Slayer, die frühen Manowar  - definitiv nicht die aktuellen. Dazu King Diamond/Mercyful Fate und Sepultura, außerdem stand ich auf Death und Obituary. Ich habe mich auch nie vom Death Metal distanziert. Wir haben auch um die Jahrtausendwende ein Obituary-Cover und David Bowies 'Space Oddity' als Bonustracks für die „Cold Core Collection“ von Tulus aufgenommen. Der Gitarre hatte ich mich wenig später zugewandt, weil ich selbst Musik schreiben wollte und dadurch Riffs und Melodien komponieren konnte. Cyrus war zu beschäftigt mit Suspiria und als Bühnenmusiker von Dimmu Borgir, daher hat er SARKE verlassen.«

Dank Spiral Architect, Scariot und viele andere Engagements u.a. auch bei Testament weiß man, was Asgeir als Drummer technisch draufhat. Bei SARKE spielt er unglaublich zurückhaltend. Was würde sich an „Aruagint“ ändern, wenn du es selbst eingetrommelt hättest?

»Asgeir muss bei uns keine großartigen Figuren entwickeln und üben, sondern kann einfach locker mit zocken. Er hat im Studio viele Takes eingespielt, ohne den jeweiligen Song jemals mit uns geprobt zu haben. Die Arrangements und das Spiel wären nicht großartig anders, wenn ich das Schlagzeug wie auf „Vorunah“ selbst eingespielt hätte.«

Neben vielen anderen Allianzen und Einzel-Songwritern hatte auch Asgeir Material zu „Oldarhian“ beigetragen.

»Für das neue Album hat er 'Icon As Usurper' geschrieben. Die anderen Songs stammen von mir, was die Texte einschließt. „Vorunah“ sollte 2008 ein Soloalbum werden. Ich hatte die ganze Musik und alle Texte geschrieben, alle Instrumente selbst eingespielt. Das Album verkaufte sich anständig, bekam positive Reviews und die Fans wollten uns live sehen. Daher fragten Indie nach neuem Material. Weil ich kein weiteres Solowerk aufnehmen wollte, wurden wir zu einer richtigen Band. Da diese aber meinen Namen trägt und sechs bzw. nun fünf Mitglieder immer wieder unterschiedliche Auffassungen vertreten, muss ich als Leithammel die Zügel in der Hand haben. Wenn ich also nicht die meisten Songs schreiben würde, hätte es nicht mehr den SARKE-Charakter. Aber jeder ist für Input offen und wenn eine meiner Ideen von allen anderen abgelehnt wird, nehmen wir sie auch nicht auf. Nocturno Culto hatte keine Zeit, weil er mit eigenen Projekten und dem Film beschäftigt war. Steinar, Asgeir und ich haben uns vor den Aufnahmen sehr sporadisch getroffen, Nocturno Culto stieß erst für seine Gesangsaufnahmen zu uns. «

 

www.facebook.com/sarkeofficial

 

Diskographie

Vorunah (2009)
Oldarhian (2011)
Aruagint (2013)