Online-MegazineInterview

HAMMERFALL

Vom Regen in die Pause

HAMMERFALL

Bevor die schwedischen True-Metaller HAMMERFALL nächstes Jahr eine wohlverdiente Pause einlegen, kredenzen sie ihren Fans zum 15-jährigen Bandjubiläum mit „Gates Of Dalhalla“ noch eine beeindruckende DVD/Blu-Ray. Bassist Fredrik Larsson nahm sich Zeit für ein Gespräch und erläutert unter anderem, warum wichtige HAMMERFALL-Gigs immer im Regen stattfinden.

Hi Fredrik. Wie ist denn das Wetter bei euch gerade?

»Ahh, es geht. Nicht ganz so gut, wie es sein könnte, aber es regnet nicht.«

Hammerfall - Gates Of DalhallaDa habt ihr wettermäßig momentan ja mehr Glück als bei der Aufzeichnung eurer neuen DVD „Gates Of Dalhalla“. Oscar hat im Bonusteil bereits erzählt, dass wichtige HAMMERFALL-Shows immer bei Regen stattfinden und auch der für die DVD mitgeschnittene Gig bildete da keine Ausnahme.

»Ja, es hat wirklich den Anschein, als ob es bei solchen Shows immer so laufen muss. Aber das Wetter ist natürlich etwas, dass wir nicht beeinflussen können. Murphy’s Law eben (lacht).«

Wie zufrieden bist du denn insgesamt mit der DVD?

»Sehr zufrieden. Patric (Ullaeus, Musikvideo-Regisseur der u.a. für Dimmu Borgir, Children Of Bodom und In Flames gearbeitet hat – Red.) hat einen großartigen Job gemacht. Während der Show hat er das Geschehen auf und außerhalb der Bühne perfekt eingefangen. Zudem ist es ihm gelungen, die besondere Atmosphäre, die Dalhalla ausmacht, wunderbar rüber zu bringen. Das war uns sehr wichtig, denn schließlich ist es der Hauptgrund gewesen, weshalb wir uns für Dalhalla entschieden haben. Die Umgebung ist eben wirklich beeindruckend und somit hat im Prinzip alles gestimmt. Vom Licht bis zum Sound, der dazu passend sehr roh ausgefallen ist. Ich bin wirklich sehr zufrieden mit der DVD.«

Wessen Idee war es eigentlich Dalhalla als Location für die Jubiläums-DVD zu wählen?

»Unsere ursprüngliche Idee war, eine Show irgendwo in Europa aufzunehmen. Deutschland hätte sich da zum Beispiel auch angeboten. Joacim hatte aber schließlich die Idee nach Dalhalla zu gehen und die Show dort mitzuschneiden. Wir haben dann ziemlich schnell realisiert, dass der Ort die perfekte Umgebung für eine Jubiläumsshow bietet und sehr gut zu uns passen würde. Die Bühne wird durch ein kleines Wasserbecken vom Publikum getrennt, so dass einerseits eine gewisse Distanz entsteht, auf der anderen Seite fühlt sich das Ganze aber auch viel intimer an als es eigentlich ist. Wie gesagt, die Location hat eine besondere Atmosphäre.«

Du hast mir eine gute Überleitung zu meiner nächsten Frage präsentiert: War es durch die Distanz zwischen Band und Publikum schwieriger für euch, die Fans genauso zu erreichen wie bei konventionellen Gigs?

»Nein, damit hatten wir eigentlich keine Probleme. Aufgrund der Tatsache, dass Dalhalla wie ein altes Amphitheater aufgebaut ist, konnten wir jeden Fan erreichen. Außerdem bietet dieser Aufbau auch allen Fans die Möglichkeit, die Show gleich gut verfolgen – im Gegensatz zu einem normalen Hallenkonzert. Das Zusammenspiel mit dem Publikum war während der Show also gar kein Problem. Natürlich ist es angenehmer, in ein paar Augenpaare direkt vor der Bühne zu blicken, aber das Konzert in Dalhalla hat darunter überhaupt in keiner Weise gelitten. Wir waren ja auch mit relativ vielen anderen Sachen auf der Bühne beschäftigt (lacht).«

Nun hast du gerade schon angemerkt, dass die Show in Dalhalla keine gewöhnliche für HAMMERFALL war. Hattet ihr allerdings im Vorfeld schon eine Ahnung, dass es so etwas Spezielles für euch werden würde?

»Wir hatten natürlich gewisse Vorstellungen von der Show. Andererseits waren wir mit dem ganzen Drumherum sehr beschäftigt, so dass wir uns im Vorfeld gar nicht wirklich Gedanken darüber gemacht hatten. Es gab zum Beispiel mit der Organisation einfach unheimlich viel zu tun. Außerdem mussten wir ja auch noch die Songs für das zweistündige Set üben (lacht).Wir waren sehr darauf fokussiert, an diesem Abend nichts schief gehen zu lassen. Man erlebt ja manchmal Abende, an denen alles was schief gehen kann, auch schief geht. Um das auszuschließen, war jeder von uns auf seine Aufgabe fixiert und bis auf das Wetter ist zum Glück auch alles rund gelaufen (lacht). Letztlich hat auch der Regen zu einem gelungen Konzert beigetragen. Da muss man sich nur einmal 'Glory To The Brave' ansehen.«

Da stimmte ich dir zu. Der Regen trägt seinen Teil zu der besonderen Atmosphäre des Konzerts bei, gerade auch bei dem von dir genannten Song.

»Ja, es sieht einfach fantastisch aus.«

HammerfallWas hat euch der Spaß denn gekostet? Ihr habt nicht gerade wenige Showelemente aufgefahren, wenn man sich die Lichtshow und die achtzig Marshall-Boxen auf der Bühne vor Augen führt.

(lacht) »Ja, die sind cool, oder? Ich kann ich dir über die genauen Kosten der Show gar nichts sagen, da ich überhaupt nicht in die Budgetplanung involviert war. Lass es mich mal so sagen: ich denke, wir haben alles ausgegeben, was wir hatten (lacht). Verdient haben wir an dem Konzert jedenfalls nichts. Unser Ziel war es, den Fans einfach die beste HAMMERFALL-Show überhaupt zu bieten – mit all den vielen Songs, den Pyros und so weiter.«

Auf eurem aktuellen Album „Infected“ finden sich einige Nummern, die nicht sofort ins Ohr gehen, wofür ihr auch einige Kritik einstecken musstet. Wart ihr selbst überrascht, dass Songs wie 'Patient Zero' sich trotzdem perfekt in die Setlist einfügen oder hattet ihr das sogar im Hinterkopf, als ihr das Album geschrieben habt?

»Nein, geplant hatten wir das sicherlich nicht. Manchmal passieren solche Dinge automatisch, wenn man versucht sich etwas von dem vorherigen Album abzugrenzen. Es gibt immer Leute, die daraufhin genau das kritisieren. Wenn man sich aber die Songs im Kontext eines Konzertes anhört, stellt man fest, dass sie live perfekt zu den Klassikern passen.«

Hattet ihr Probleme die Setlist für das Jubiläumskonzert zusammen zu stellen?

»Kann man so sagen, ja. Jede Band hat Stücke, die die Fans immer erwarten. Hinzu kommen die Songs, die wir spielen müssen und die, die wir spielen wollen. Da ist es schwierig jedem Wunsch gerecht zu werden. Ich hätte mich über ein paar weitere Songs nicht beschwert. Andererseits ergibt sich daraus das Problem, dass die Stimmung unter einer noch längeren Spielzeit leiden könnte. Alles in allem sind knapp über zwei Stunden doch ausreichend gewesen und wir hatten auch noch jede Menge Gäste auf der Bühne. Es hat richtig viel Spaß gemacht mit Jesper Strömblad oder Stefan Elmgren die alten Songs zu performen.«

Im Bezug auf Jesper, der aus gesundheitlichen Gründen 2010 bei In Flames ausgestiegen ist, war ich persönlich etwas erstaunt, dass er an dem Konzert teil genommen hat und zudem recht fit wirkte. Die letzten Infos besagten ja, dass er noch immer gesundheitliche Probleme hat. Wie geht es ihm denn momentan?

»Ich weiß nicht, wie es ihm genau geht. Er hat sicherlich Höhen und Tiefen. Als wir bezüglich des Jubiläumkonzertes an ihn herangetreten sind, hat er aber sofort zugesagt und wollte unbedingt mit uns auf der Bühne stehen. Man darf nicht vergessen, dass Jesper ein wichtiger Teil in der Anfangszeit von HAMMERFALL war und viele Songs mit Oscar zusammen geschrieben hat. Dennoch waren wir bis zuletzt etwas nervös, ob er es schafft. Bei einem solchen Krankheitsbild weiß man ja nie. Er hat es aber geschafft und wir hatten sehr viel Spaß auf der Bühne.«

Wir drücken ihm die Daumen, dass er wieder gesund wird. Du hast vorhin erwähnt, dass es sehr viel Spaß gemacht hat, mit den alten Bandmitgliedern zusammen das Konzert zu spielen. Wenn du dir jetzt die DVD anschaust, welcher Song hat dir denn am besten gefallen?

»Scheiße, da erwischt du mich auf dem völlig falschen Fuß (lacht). Lass mich einmal nachdenken. Ich weiß es nicht. Es ist alles ein wenig verschwommen, auf der Bühne ging es nur ums Spielen und eine gute Show. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob wir die Songs genauso genießen konnten, wie wir es tun, wenn wir andere Shows spielen. Wir hatten aber mit allen Gästen viel Spaß auf der Bühne. Wenn du mich jetzt auf einen Song festnageln willst, werde ich wohl 'Steel Meets Steel' nennen, das von Mikael (Stanne, Dark-Tranquility-Fronter – cb) gesungen wurde. Die Version unterscheidet sich einfach extrem von der mit Joacims Gesang.«

Ich hätte jetzt eher darauf getippt, dass du eine Nummer wie 'Glory To The Brave' mit dem Chor als Highlight der Show nennst.

»Stimmt. Die vom Chor begleiteten Stücke gehören sicherlich auch zu den Highlights.«

Wessen Idee war es denn, den Chor mit auf die Bühne zu holen?

»Ich glaube, das war auch Joacims Idee. Es handelt sich um den Chor, mit den Joacim die TV-Show 'Clash Of The Choirs' gewonnen hat. Wir holten die Sänger für ein paar Stücke auf die Bühne und sie haben wirklich fantastisch geklungen.«

Der Chor passt auf jeden Fall ganz gut zu HAMMERFALL. Gerade auch, wenn man sich die Bühne vergegenwärtigt, die prädestiniert für klassische Konzerte scheint. Wäre die Arbeit mit einem Orchester oder Chor ein Projekt für die Zukunft für HAMMERFALL?

»So etwas wäre sicher eine Möglichkeit. Nichtsdestotrotz gibt es bereits viele Beispiele anderer Bands, die so etwas umgesetzt haben. Außerdem haben wir nur wenige Songs, die eine orchestrale Unterstützung brauchen würden. So ein Projekt ist für HAMMERFALL also nicht wirklich notwendig. Selbstverständlich wäre es cool, wenn man Songs einmal in einem anderen Gewand hören könnte. Das wiederum würde aber auch eine Menge zusätzliche Arbeit bedeuten. Ich denke, für den Moment reicht es, dass wir den Chor live eingebaut haben (lacht).«

Ihr wollt euch 2013 für ein Jahr zurückziehen und eine Pause von HAMMERFALL gönnen. Hat diese Entscheidung auch etwas damit zu tun, dass ihr euch zu sehr in einer gewissen Routine gefangen fühlt?

»Eigentlich nicht. Die Pause dient eher der Prophylaxe, um genau das mit HAMMERFALL zu vermeiden. Wir möchten nicht an den Punkt gelangen, an dem es keinen Spaß mehr macht. Seit ich 2007 wieder zur Band gestoßen bin, haben wir sehr viele Tourneen gespielt und ohne wirkliche Unterbrechung sehr viele Projekte realisiert. Die Band ist jetzt an einem Punkt, an dem wir unsere Batterien wieder aufladen müssen. Verstehe mich nicht falsch, es macht noch immer sehr viel Spaß in der Band zu spielen. Aber wir müssen diese Pause einlegen, damit wir eben diese Freude daran nicht verlieren. Wenn wir das frühere Tempo weiterhin vorlegen, die regulären Touren, die Sommerfestivals und so weiter, dann könnte der "worst case" durchaus eintreten.«

Verständliche Sichtweise. Habt ihr euch schon Gedanken gemacht, was nach der Pause für HAMMERFALL ansteht?

»Auf jeden Fall möchten wir mit einem neuen Album zurückkommen. Konkrete Pläne dafür gibt es allerdings noch nicht, vor allem was Studiotermine oder ähnliches angeht. Zum jetzigen Zeitpunkt freuen wir uns eigentlich nur auf die Pause von HAMMERFALL, damit wir uns auch anderen Dingen zuwenden können. Ich bin beispielsweise gerade mit Death Destruction im Studio um unser zweites Album aufzunehmen. Joacim wird Musical-Darsteller bei „Rock Of Ages“ und Oscar möchte nächstes Jahr ein Buch über HAMMERFALL schreiben. Du siehst, wir liegen trotz der anstehenden Pause von HAMMERFALL nicht auf der faulen Haut (lacht).«

Dann wünsche ich euch viel Erfolg mit euren Projekten und danke dir für das Interview, Fredrik!

 

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27.06.2015
Dischingen, HärtsfeldseeROCK AM HÄRTSFELDSEETickets
HELLOWEEN + HAMMERFALL + GOTTHARD + SAXON + PRETTY MAIDS + LORDI + RED HOT CHILI PIPERS + U.D.O. + DRAGONFORCE + PINK CREAM 69 + u.v.m.07.08.2015
bis
08.08.2015
St. Goarshausen, Loreley FreilichtbühneROCKFELSTickets
VINCE NEIL + VENOM + SAXON + THE MICHAEL SCHENKER FEST + ORDEN OGAN + VICIOUS RUMORS + GLORYHAMMER + SLAUGHTER + FIREWIND + CRYSTAL VIPER + u.v.m.13.07.2017
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