Online-MegazineInterview

BLACK SPACE RIDERS

Volle Kraft auf den Warpantrieb

BLACK SPACE RIDERS

BLACK SPACE RIDERS dürften als wohl spacigste Band der Republik sowohl Anhänger von gepflegtem Stoner Rock á la Kyuss und Monster Magnet, als auch Traditionalisten, die eher auf Black Sabbath oder Danzig stehen, hinter sich vereinen. Wir unterhielten uns mit Front-Nerd JE über psychedelische Proberaum-Experimente, Achtziger-Sci-Fi-Klassiker und die Rückkehr des Vinyls.

JE, euer Zweitling “Light Is The New Black“ steht jetzt seit drei Monaten in den Läden, seid ihr mit den Verkäufen bisher zufrieden?

»Ich bin insgesamt sowieso mit der Situation total zufrieden. Gemessen an den Erwartungen, die wir hatten, als wir die Band damals gegründet haben, ist es total erfreulich, wo wir heute stehen. Bisher haben wir von unserer neuen Scheibe etwa 700 CDs und 200 Schallplatten an den Mann gebracht. An den Merchandise-Ständen ist die Vinyl-Quote unglaublich hoch. Die meisten Bands verkaufen auf zehn CDs etwa eine Schallplatte, bei uns hält sich das auf Konzerten fast die Waage. Unser Paket ist aber natürlich auch sehr fair: Wir bieten unser Album als Gatefold-Doppel-LP inklusive CD für 20 Euro an.«

Black Space Riders - Light Is The New BlackSammelst du selber auch Platten?

»Ja, ich sammle selber auch. Ich bin nicht mehr ganz jung und damals klassisch mit Vinyl eingestiegen, habe dann aber schon sehr früh auf CDs gewechselt. Die sammle ich heute auch noch. Wenn ich zwischendurch was richtig Geiles finde, kaufe ich es auch gerne auf Vinyl. Mein Plattenspieler war allerdings für einige Jahre nicht zugänglich, weil sich darauf riesige Stapel von ungehörten CDs auftürmten.«

Wie viele Platten besitzt du insgesamt?

»Ich besitze in etwa 10.000 CDs und vielleicht 1.000 Schallplatten. Eigentlich bin ich von der Haptik totaler Vinyl-Freak, aber für meine Lebenssituation sind CDs einfach praktischer, weil ich viel Musik im Auto höre.«

Wie kommt ihr auf Songtitel wie ‘Someone Has Turned The Knob To Switch On The Light, But Instead Something Strange Happened To The Warp Engine‘?

»Der Titel hat gleich mehrere Dimensionen, ich muss da ein bisschen ausholen. Bist du bereit für eine längere Antwort? (lacht)«

Unbedingt.

»Wenn man sich unsere Entstehungsgeschichte als Band anschaut, ist es so, dass ich von Anfang an wollte, dass wir in eine hypnotische, schwere Psychedelic-Richtung gehen. Ich bin totaler Science-Fiction-Fan und deshalb war von vorne herein klar, dass die Band ein Sci-Fi-Konzept haben sollte. Außer unserem Drummer sind wir alle auf demselben Trip. Daraus hat sich ergeben, dass wir ein geschlossenes Konzept verfolgen. Auf unserem neuen Album dreht sich im Gegensatz zum Vorgänger, auf dem es um „Black“ und „Space“ ging, alles um „Light“. Zuerst entsteht bei uns die Musik, anschließend die Texte, die sich immer um das Kernthema drehen sollten. Danach kümmern wir uns um den Plattentitel und den Untertitel, und zuletzt entstehen kurz vor dem Studiobesuch, wenn wir schon wissen in welcher Reihenfolge wir die Stücke anordnen wollen, die finalen Songtexte. ‘Somebody Has Turned The Knob To Switch On The Light, But Instead Something Strange Happened To The Warp Engine‘ ist ja eher ein psychedelisches Soundexperiment, als ein echter Song. Die Aufnahmen sind an einem sehr späten Abend im Studio entstanden. Wir haben mit unseren Effektgeräten rumgespielt, in denen in einer Selbstoszilation ein rhythmisches Blubbern entstanden ist. Darüber haben wir dann ein Schlagzeug gelegt und angefangen, wie wirr an Knöpfen, also „Knobs“, zu drehen. Aus dem Bezug von „Knob“ und „Light“ ist dann letztendlich der Songtitel entstanden.«

Live lässt sich das ja sicherlich nur schwer reproduzieren – sehr clever von euch, grade dem Song, den ihr live nicht spielen werdet, den längsten Titel zu verpassen.

»Der Titel ist ja quasi auch länger als der Song. (lacht)«

Hat sich im Vergleich zum ersten Album in eurer Band beim Songwriting was verändert?

»Inzwischen ist unser Spektrum etwas breiter geworden, finde ich. Das erste Album war damals viel mehr Stoner Rock, als sein Nachfolger und war von der Stilistik viel kompakter. Auf der neuen Platte haben wir erstmalig viele sehr ruhige Passagen, gehen aber im Gegenzug auch stellenweise sehr aggressiv zu Werke. Beim Gesang habe ich manchmal fast geflüstert, dann wieder fast gebrüllt.«

Ich wollte eigentlich eher auf den Prozess des Schreibens an sich raus. Für das erste Album hast du damals sehr viele Songs quasi im Alleingang geschrieben, wenn man sich die Credits zu “Light Is The New Black“ anschaut, dann wirkt es so, als ob ihr euch die Arbeit ein bisschen mehr aufgeteilt habt.

»Ja, absolut. Das war beim ersten Album ansatzweise auch schon so, und wir sind diesen Weg konsequent weiter gegangen. Meistens schleppe ich irgendein Riff an, mit dem wir dann im Proberaum rumspielen und erst einmal überlegen, in welche Richtung der Song später gehen soll. Dann fange ich an, die Gesangsmelodie zu entwickeln. Songwriting besteht für mich aus dem Riffing und der Gesangsmelodie, der Rest ist nur eine Frage des Arrangements, und darum kümmern wir uns immer gemeinsam.«

Du bist erklärter Sci-Fi-Fan – was ist dein Lieblingsfilm?

»So richtig angefixt worden bin ich damals mit “Star Trek“ und “Star Wars“, aber ich mag es eigentlich lieber ein bisschen düsterer. “Blade Runner“ ist zwar von der Optik extrem Achtziger, aber trotzdem ein großer Klassiker und einer meiner Favoriten. “Pitch Black“ mit Vin Diesel ist auch großartig. Solange die Filme nicht zu niedlich sind, kann ich mich eigentlich mit allem anfreunden.«

Und wie sieht’s mit Comics aus?

»Ich war noch nie so der Comicfan – eigentlich lese ich ja sowieso nur das Rock Hard. Eure Zeitschrift ist quasi meine Klolektüre, und mit der Ausgabe 300 habt ihr mich ganz schön erwischt. Hast du schon mal versucht, die auf dem Klo zu lesen? Das geht gar nicht!«

 

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