Online-MegazineInterview

PHILM

Vielbeschäftigter Rebell

PHILM

Nach seinem unrühmlichen Rausschmiss bei Slayer meldet sich Dave Lombardo mit seiner Avantgarde/Metal/Punk/Alternative-Band PHILM zurück. Wir befragten die Schlagzeugkoryphäe zum zweiten PHILM-Album „Fire From The Evening Sun“, Slayer, Grip Inc und Jeff Hanneman.

Dave, „Fire From The Evening Sun“ fällt musikalisch sehr bunt aus, oft scheint jedoch ein deutlicher Punk-Einfluss durch. Was bedeutet dir diese Musik?

»In der Vergangenheit war Punk für mich immer eine Szene und ein Stil, der sich um nichts scherte. Sei es die Meinung deiner Eltern, die Regierung, Schule oder dein Boss. Punk stand für freies Denken, dafür du selbst und glücklich damit zu sein. Und im Endeffekt ist es das, was ich geworden bin; so etwas wie ein Rebell. Ich stehe für nichts mehr, es sei denn es ist positiv und fühlt sich für mich gut an. Und ich denke, genau das spiegelt das Album wieder: Dieses Gefühl Rebellen zu sein.«

Hatte deine Trennung von Slayer auch einen Einfluss auf die härtere Gangart?

»(überlegt) Ich hatte das Gefühl, dass ich nach der Trennung den Fans zeigen musste, dass ich immer noch harte Musik spielen kann. Beim ersten Album hatten viele Leute eher den Eindruck, dass es sich um eine Art Jazz- oder Ambient-Album handelt. Das trifft auf „Harmonic“ aber nicht zu, denn es gibt auch harte Parts. Aber wir wollten bei dem neuen Album zeigen, dass die Band eine kraftvolle Einheit ist.«

Du hast bereits angekündigt, dass die Songs auf der kommenden EP noch härter sein sollen als „FFTES“.

»Ja, ich denke schon, sie sind ja noch nicht ganz fertig, aber man kann die Richtung schon ungefähr einschätzen. Und es gibt einen kleinen musikalischen Unterschied, weil ich für die EP erstmals Doublebass bei PHILM eingesetzt habe. Ich habe das Doublebass-Spiel bei PHILM extra außen vorgelassen, um mich selbst neu zu erfinden. Bei den Songs der EP, die nächstes Jahr im Februar oder März erscheint, setze ich wieder etwas Doublebass ein.«

Ich war überrascht zu sehen, dass du der Band Amen beigetreten bist.

»Nein, ich bin der Band nicht beigetreten, das war einfach ein falsches Zitat in einer Pressemitteilung. Ich bin sehr gut mit Casey Chaos befreundet und er fragte mich, ob ich einige Songs mit ihnen aufnehmen möchte und – wenn es mein Zeitplan erlaubt – auch einige Shows mit ihnen spiele.«

Hast du irgendwelche anderen Projekte in der Pipeline? 

»Derzeit sind viele Projekte in Arbeit, aber es ist noch nichts aufgenommen, deshalb fokussieren wir uns erst mal mit PHILM darauf, unsere EP fertig zu stellen.«

Hast du nach deiner Trennung von Slayer in Erwägung gezogen, Grip Inc. mit einem anderen Sänger anstelle des verstorbenen Gus Chambers zu reaktiveren?

»Ja, in der Tat. Ich habe darüber nachgedacht, die Band mit Casey Chaos, dem Sänger von Amen, zu reaktivieren. Er kannte Gus und ich hatte das Gefühl, dass er ein guter Ersatz wäre. Aber derzeit bin ich mit PHILM und diversen anderen Projekten beschäftigt, wir hatten keine Zeit, uns auf Grip Inc. zu konzentrieren. Aber wer weiß? Vielleicht passiert in der Zukunft etwas in der Richtung.«

Du hast die Slayer-Songs sehr lange live gespielt. Vermisst du es, sie zu spielen, oder bist du im allgemeinen des Thrash Metal müde geworden?

»Nein, ich bin des Thrash nicht müde geworden, es gibt auch bei einigen PHILM-Songs deutliche Thrash-Einflüsse. Aber man gewöhnt sich schnell an dieses Regiment, ständig auf Tour und auf die Bühne zu gehen. Abend für Abend, das ist wie ein Drill. Ich vermisse es schon, auf der Bühne zu spielen, aber das wird sich bald ändern.«

Würdest du es in Erwägung ziehen, bei einer anderen Thrash-Metal-Band einzusteigen? Gab es schon Angebote?

»Ja, aber wenn du in einer der besten Thrash-Bands der Welt gespielt hast, warum sollte ich dann in eine andere Thrash-Band mit einem niedrigeren Status einsteigen? In meinen Augen gibt es keine andere Thrash-Band, die auf dem selben Level wie Slayer spielt. Ich möchte keinen Schritt zurückmachen, von daher lasse ich es lieber ganz sein. Ich bin definitiv nicht müde vom Thrash, aber ich habe in letzter Zeit nichts gehört, was inspirierend war oder sich in einer interessanten Art von dem unterscheidet, was ich bisher gemacht habe.«

Wann hast du festgestellt, dass mit Slayers Geschäftsmodell etwas nicht stimmt?

»Ich bekomme ständig Fragen zu Slayer gestellt und kann in dieser Situation nicht gewinnen. Fans werfen mir mittlerweile vor: „Warum hört er nicht endlich auf, darüber zu reden und lebt sein Leben?“ Einige meinen auch, ich würde die ganze Zeit rumheulen. Aber das stimmt ja nicht: Ich habe, genau wie jetzt, eine Unterhaltung mit einem Journalisten und beantworte eine Frage. Aber ich möchte nicht mehr über dieses Thema reden, das habe ich schon zu Genüge getan, wer Details dazu wissen möchte, kann es im Internet nachlesen.«

Könntest du dir nochmal vorstellen, irgendwann wieder bei Slayer einzusteigen?

»Nein, derzeit verschwende ich da nicht mal einen Gedanken dran.«

Ich hatte immer das Gefühl, dass du dem verstorbenen Jeff Hanneman in Slayer näher standest als den anderen beiden Mitgliedern. Was hat euch verbunden?

»In den letzten vier oder fünf Jahren vor seinem Tod haben wir viel Zeit zusammen im Tourbus verbracht. Wir haben viel geredet, gelacht und Musik gehört, während die anderen in der Halle waren. Wir hatten viele glückliche Momente, in denen wir rumgealbert haben. Das einzige, was mir negativ auffiel: Er fing die letzten Jahre seines Lebens an, sehr viel Alkohol zu trinken.«

Was ist deine liebste Hanneman-Komposition?

»Das gibt es so viele, aber die letzten Kollaborationen fühlten sich für mich am speziellsten an, besonders auf „World Painted Blood“. Das war sein letzte Leistung als herausragender Songwriter. Er hatte – im Gegensatz zu „Christ Illusion“ – einen großen Anteil an dem gesamten Entstehungsprozesses des Albums. „World Painted Blood“ ist derzeit mein liebstes Album, wenn es um Jeffs Musik geht, ganz einfach, weil er so viel Herzblut hineingesteckt hat.
Wir haben es wirklich genossen, uns das Album in der Backlounge des Busses anzuhören.«

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