Online-MegazineInterview

SONIC REIGN

Verwunderung statt Menschenhass

SONIC REIGN

Gut Ding will Weile haben – bös auch. SONIC REIGN proben nur alle paar Wochen, spielen nie live und haben in anderthalb Dekaden im Wesentlichen ein Demo, eine MCD und nunmehr nach sieben Jahren Pause das zweite Album „Monument In Black“ in die eigene Diskographie gewuchtet. Dafür spricht die Qualität der genannten Veröffentlichungen für sich. Benjamin Borucki, als Sänger und Gitarrist 50% des Duos, mag sich ebenfalls nicht beklagen.

Der Deal mit Metal Blade bezog sich nur auf die Übernahme der letzten Eigenproduktion oder bestand die Option auf mehr seitens des Labels? Eure eigene Firma Sovereignty wiederzubeleben und größer aufzustellen, war offensichtlich keine Option.

»Genau, Metal Blade haben „Raw Dark Pure“ wiederveröffentlicht und hatten die Option auf drei oder vier weitere Alben, die sie leider nicht gezogen haben. Sovereignty stand wirklich nicht mehr zur Debatte, nachdem wir damals gemerkt haben, was für einen Aufwand das bedeutet und wie wenig erfolgreich wir waren. Damals wollten wir mit dem „Raw Dark Pure“-Release testen, ob wir das mit dem Label hinbekommen oder nicht. Nachdem das gleich so schleppend verlief, wollten wir auch keine weitere Band signen.«

Fasst ihr euch ein Stück weit an die eigene Nase, dass der Deal nicht länger lief – wegen ausbleibender Gigs und weil das neue Album auf sich warten ließ?

»Nein, es ist schade, aber wirklich schlimm ist es auch nicht. Ursprünglich sah es so aus, als wollten Metal Blade „Monument In Black“ noch veröffentlichen, aber dann kam die Finanzkrise im Rahmen derer sie sich von einigen kleinen Bands wie SONIC REIGN getrennt haben. Dass wir nie auftreten würden, stand schon von Anfang an fest und das hatten wir auch unmissverständlich mitgeteilt. Ich wäre gerne bei dem Label geblieben, denn sie sind wirklich hoch professionell und coole Kerle. Ist jetzt aber eben anders gelaufen.«

Ihr nehmt eure Alben in Eigenregie auf – tauscht ihr euch öfter auf technischem Gebiet mit eurem Quasi-Nachbarn Markus Stock von der Klangschmiede Studio E aus?

»Mein Drummer Sebastian ist bei uns der Studiotechniker. Er schaut schon ab und zu bei Markus vorbei und hat ihm auch während der Aufnahmen zu „Monument In Black“ immer mal wieder Soundbeispiele gebracht und sich Rat geholt. Equipment hat er sich meines Wissens nach nicht geliehen, obwohl das sicher kein Problem gewesen wäre. Markus ist ein netter Kerl, er hat viel Ahnung und wieder einmal einen spitzen Job beim Mastern gemacht. Ich wohne in der Nähe von Trier, daher bin ich nur alle paar Monate mal zum Proben in Mellrichstadt.«

Nutzt ihr öfter die Gunst der Stunde, mit dort aufnehmenden Bands einen heben zu gehen? Ich erinnere mich daran, während eines Schneesturms am Wochenende kurz nach Mitternacht verzweifelt eine offene Kneipe in Mellrichstadt gesucht zu haben.

»Sebastian trifft sich glaube ich eher selten mit Bands die im Studio E aufnehmen. Kneipen gibt es da nicht so viele, das stimmt, hehe. Komm das nächste mal einfach zu uns ins Studio, wir haben immer Bier da.«

Fußt 'Clouds Above The Desert' auf eigenen Erfahrungen, einem Sahara-Trip beispielsweise? Oder beschreibt der Titel gar kein Naturphänomen, sondern steht als Metapher beispielsweise für einen Wechsel? Man kann die Saat der „messengers of rebellion“ auch als geistigen Input begreifen, als intellektuelle Nahrung.

»Dir kann man gar nichts vormachen oder? Ist natürlich metaphorisch gedacht, wie Du schon richtig mutmaßt. Ein Gewitter, das reinigt und den Durst der Erde stillt. Also wieder das Thema Rebellion.«

Auch in 'A Doctrine Unreachable' wird wieder der Abschaum thematisiert. Ist es ein misanthropischer Titel, der sich gegen den Menschen an sich richtet: Sind wir schlicht als Gattung unfähig, diese Doktrin (welche?) zu erfüllen?

»Nein, nicht gegen den Menschen an sich. Eher gegen Menschen, die anderen erzählen wollen, wie sie zu leben haben und ihnen Vorgaben machen, die keiner erfüllen kann oder will. Man kann es auch auf Religionen bezogen sehen, aber letztendlich ist der Text da nicht festgelegt.«

Baut ihr mit den Texten und der Musik negative Affekte ab; wirken sie kathartisch oder aufputschend?

»Ich hasse Menschen nicht, ich fühle mich nur besser wenn keine da sind, hehe. Nein im Ernst: Menschenhass empfinde ich nicht. Das ist ein viel zu krasses Wort. Eher Verwunderung, wie ignorant viele Menschen sind, wie sie über sich bestimmen lassen und sich allen möglichen Vorgaben beugen.«

Den ewigen Satyricon-Vergleich habt ihr euch damals mit dem Infomaterial zu „The Decline Portrait“ selbst eingebrockt, oder?

»Die EP hatte unsere damalige Plattenfirma Supreme Chaos Records so beworben. Seitdem lesen wir im Großteil der Reviews etwas von Satyricon. Den Ruf werden wir sicher nicht mehr los. Es gibt schlimmere Bands, mit denen man verglichen werden kann, aber ich denke wir haben weit mehr als einen Satyricon-Einfluss zu bieten.«

Durchaus. In 'The Whisperer In The Dark' lassen bei den melodischen Läufen Katatonia grüßen, insofern passt der Blakkheim-Kommentar um so mehr. Er und Ashmedi haben aber keine Gastbeiträge eingespielt, richtig?

»Nein es gab überhaupt keine Gastbeiträge auf dem Album. Wir sind nicht mit Katatonia befreundet. Der Kontakt kam über Azathoth (ex Dark-Fortress-Sänger und Textzulieferer bei SONIC REIGN, btj) zustande, der die Band schon seit vielen Jahren persönlich kennt. Das Statement von Ashmedi kam ebenfalls über einen gemeinsamen Freund zustande.«

Grundsätzlich passt ihr aber gut zwischen Secrets Of The Moon und Dark Fortress – hat eure Musik ergo einen „deutschen“ Black-Metal-Stempel? Gibt es einen solchen Sound mittlerweile, in Abgrenzung zum griechischen, südamerikanischen, norwegischen und schwedischen Black Metal?

»Das kann ich wirklich nicht beantworten, da ich die Black-Metal-Szene gar nicht wirklich verfolge.«

Kommentierte Blakkheim die neuen Songs, oder das Debüt? War dieses „less is more“ ein bewusster Leitsatz für euch, habt ihr aufwändigere Arrangements wieder entrümpelt?

»Das Statement war zu den Songs von „Monument In Black“. Unser Debüt kennt er gar nicht, denke ich. Wir haben auf dem Album sowohl die simpelsten Riffs, die wir je hatten als auch die komplexesten Arrangements. Wir wollen immer beides auf einem Album haben, damit es nicht langweilig wird.«

Sind sieben Songs die komplette Ausbeute der letzten Jahre, oder wanderte viel in den Papierkorb bzw. bestand die Band über Monate oder Jahre eher auf dem Papier?

»Viele Riffs aus den letzten Jahren sind noch übrig und einen Song haben wir tatsächlich nicht mit auf das Album genommen, da er vom Stil her nicht dazu gepasst hätte. Aber im Großen und Ganzen ist das meiste Material der letzten Jahre auf „Monument In Black“ zu hören. Wir hatten nie sehr lange Phasen ohne Probe. Wir lassen uns nur, wie schon vorher, alle Zeit, die wir brauchen, bis wir zufrieden sind. Es ging uns nie darum, besonders viele Veröffentlichungen zu machen. Wir wollen Qualität liefern und das ist sicher auch das, was unsere Hörer an der Band schätzen.«

Genossen Stellar Master Elite bei dir temporär Priorität?

»Ich bin kein Mitglied von Stellar Master Elite. Ich habe nur ein paar der Songs eingesungen. Das hatte auf unsere Arbeit mit SONIC REIGN überhaupt keinen Einfluss. Mit Stellar Master Elite probe ich gar nicht. Das machen Dave und Marco alleine. Mit SONIC REIGN proben wir normalerweise alle paar Monate mal für eine Woche am Stück. Die letzte Probe ist allerdings schon ziemlich lange her. Wird Zeit, dass es da auch wieder weiter geht.«

Ihr habt von Anfang an mit einigen (Image-) Konventionen gebrochen bzw. auf Corpsepaint, Pseudonyme etc. bewusst verzichtet. Ist Black Metal für euch noch ein Synonym für Magie?

»Wir machen uns um so was keine Gedanken. Es gibt sicherlich auch Leute, die sagen, wir würden keinen Black Metal spielen. Wie man unsere Musik nun bezeichnet, interessiert mich einfach nicht. Black Metal hat für mich durchaus etwas von seinem Reiz verloren. Ich bin nach wie vor großer Fan, aber die angesprochene Magie, die ich anfänglich durchaus noch gefühlt habe, spüre ich immer weniger und meist eher bei den alten Alben, die ich schon immer gemocht habe. Da kommen natürlich noch nostalgische Gefühle hinzu.«

Ihr habt selbst in alten Interviews gesagt, dass sich eure Musik in den frühen Tagen zwischen Bandgründung, der Demophase und dem Debütalbum rapide verändert hat. Habt ihr euch seither gefunden und die Evolution geht nur noch langsam vonstatten, wie bei einer abflachenden Kurve?

»So würde ich das unterschreiben können, ja. Ich sehe „Raw Dark Pure“ und „Monument In Black“ stilistisch nicht allzu weit voneinander entfernt. Aber es ist wichtig, nicht still zu stehen und neuen Einflüssen gegenüber offen zu bleiben; sonst wird es langweilig.«

Erstaunlich, dass die Besetzung schon 15 Jahre hält – habt ihr kein Konfliktpotenzial, oder seid ihr beide kompromissbereit genug?

»Wir kennen uns schon seit unserer Kindheit, daher wissen wir den anderen durchaus einzuschätzen. Unser musikalischer Geschmack ist auch, was SONIC REIGN angeht, sehr ähnlich, daher ergeben sich auch nur wenig Fälle in denen einer eine Idee gut findet und der andere nicht. Sebastian kümmert sich um alle Studiofragen, da kenne ich mich nicht aus. Dafür übernehme ich normalerweise alles was mit Texten zu tun hat. Diesmal kamen viele der Texte gar nicht direkt von mir, sondern von Azathoth. Ich hab da nur noch etwas umgeschrieben und gestrichen, beziehungsweise hinzugefügt. Ansonsten wird alles diskutiert und Probleme gibt es dabei eigentlich nie.«

 

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