Online-MegazineInterview

STEVE 'N' SEAGULLS

Verschwitzte Männerhaut

STEVE'N'SEAGULLS

In der weiten Welt des Internets gibt es viele mehr oder weniger talentierte Musiker, die sich an Coverversionen großer Rock- und Metalklassiker versuchen. Definitiv zu ersterer Kategorie zählen STEVE'N'SEAGULLS aus Finnland, die mit ihren Bluegrass- und Country-Adaptionen auf sechs- bis siebenstellige Klickzahlen bei YouTube kommen. Wir nahmen den Release ihrer zweite Platte „Brothers In Farms“ zum Anlass, um mit Bassist Pukki über Arbeitsweisen, betrunkene Kritiker und ihr neues Video zu 'Aces High' zu sprechen.

Pukki, in Finnland gibt es einige Bands, die Rockmusik in andere Genres transferieren, zum Beispiel Apocalyptica, Eläkeläiset oder eben STEVE'N'SEAGULLS. Habt ihr eine Erklärung, warum das bei euch so populär ist?

»Schwierig zu sagen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir Finnen lange die Gewohnheit hatten, eigene Versionen von bekannten Hits aus aller Welt zu machen. Die Resultate waren allerdings von wechselnder Güte.«

Ich habe das Gefühl, das viele Leute euch als Comedy-Act sehen, obwohl euer Sound für mich doch recht ernsthaft klingt. Wie seht ihr euch selbst?

»Es macht natürlich viel Spaß, aber wir nehmen die Musik sehr Ernst. Wie mein Instrumenten-Lehrer mal sagte: „Je mehr Mühe du reinsteckst, desto müheloser musst du es aussehen lassen.“«

Was sucht ihr in einem Song, den ihr covern wollt, und wie sucht ihr ihn aus?

»Der Song muss etwas haben, an dem man sich festhalten kann, wenn man so will. Normalerweise sind die Lieder, die wir covern eher melodisch, aber es muss nicht zwangsläufig so sein. Der Auswahlprozess ist dann zweigeteilt: Als Erstes kommt einer von uns mit einem Songvorschlag an, und einer Idee, wie man ihn umsetzen könnte. Das probieren wir dann alle zusammen aus. Manchmal spielen wir auch mit verschiedenen Ansätzen herum, und nach ungefähr einer Stunde wissen wir, ob wir an der Nummer weiterarbeiten oder nicht.«

Wie läuft denn bei euch das Arrangieren ab? Das klingt als würdet ihr wie ein Karikaturist arbeiten: Ihr nehmt die charakteristischen Teile eines Songs und schreibt quasi einen Country-Song drum herum.

»Ich glaube, man könnte unsere Herangehensweise schon mit dem eines Karikaturisten vergleichen, ja. Wir versuchen, immer zumindest das Kernelement eines Songs zu behalten, sei es ein Riff oder eine Melodie. Dieses Element setzen wir dann in einen komplett anderen Kontext. Wie viel wir ändern, ist von Song zu Song verschieden, manchmal ändern wir nur ein bisschen und manchmal viel mehr, zum Beispiel bei unserer 'Sad But True'-Version.«

Ich war zum Beispiel sehr überrascht von eurer 'In Bloom'-Interpretation. Den positiven Vibe, den eure Version versprüht, hätte ich niemals in dem Stück vermutet. Wie seit ihr auf das Arrangement dieses fröhliches Singalong-Refrains gekommen?

»Das war eine Idee unseres Banjospielers Herman. Es scheint die düsteren Lyrics etwas abzumildern, oder sie im Gegenteil noch zu unterstreichen. Es fühlte sich auf jeden Fall großartig an, die Nummer in dieser lebhaften Art und Weise zu spielen!«

Das erste Video, dass ihr zur neuen Platte veröffentlicht habt, untermalt das Iron Maiden-Cover 'Aces High'. Der Clip unterscheidet sich ziemlich von euren vorherigen Videos. Warum habt ihr dafür diesen „High-End“-Ansatz gewählt?

»Wir fanden es wichtig, Kühe, ferngesteuerte Modellflugzeuge und Bauchtänzerinnen mittleren Alters im Video zu haben. Unsere Plattenfirma hat uns dafür einen Haufen Geld gegeben, für das wir ihnen artig dankten, am Ende aber trotzdem das Budget überschritten. Es hat viel Spaß gemacht, zur Abwechslung mal so eine Art Video zu machen, aber das wird uns nicht davon abhalten, weiter diese Akustik-Live-Videos zu machen, die man von uns gewohnt ist.«

Wenn mich nicht alles täuscht ist 'Fill Up The Tank' euer erster eigener Song, den ihr veröffentlicht habt. Plant ihr, in Zukunft mehr eigene Sachen zu veröffentlichen?

»Du hast recht, das ist unser erster eigener Song, und wer weiß, vielleicht gibt es auf der kommenden Platte ein paar mehr eigene Tracks. Wir arbeiten jedenfalls immer auch an so was.«

Ihr habt in den letzten Jahren einige große Rockfestivals gespielt. Habt ihr jemals Leute getroffen, die sich von euren Versionen angepisst waren oder die eure Musik als Beleidigung aufgefasst haben?

»Ich muss sagen, dass wir überall überraschend gut aufgenommen wurden. Das einzige, an das ich mich in diese Richtung erinnern kann, war ein betrunkener Finne, der richtig davon genervt war, das wir die Taktart von 'Nothing Else Matters' verändert haben. Das war aber in einem kleinen Club, nicht auf einem Festival.«

Zum Abschluss: Was können wir von der Tour erwarten, die euch dieses Jahr noch durch Europa führt?

»Eine brandneue Setlist mit ein paar alten Favoriten und selbstverständlich verschwitzte Männerhaut!«


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