Online-MegazineInterview

THE LEVITATION HEX

Unhappy Metal

THE LEVITATION HEXTHE LEVITATION HEX

Im Auftakt zum Interview in Rock Hard Vol. 312 betonte Adam Agius, dass THE LEVITATION HEX mehr sind, als eine Fortführung von Alchemist unter anderem Namen. Dennoch ist er nicht abgeneigt, über die Vergangenheit zu sprechen – auch um sie abzuschließen. Denn die Zukunft wartet, auch wenn der Nachfolger zum selbstbetitelten Debüt noch vor der Fertigstellung steht.

Adam, wie wird man als Australier Krautrock-Fan? Im Radio lief diese Musik in den Achtzigern sicher nicht. Welche Alben sollte ein THE LEVIATION HEX-Fan aus dieser Sparte kennen?

»Um einen guten Einblick in meine Haupteinflüsse zu bekommen, empfehle ich die Pink-Floyd-Alben „The Piper At The Gates Of Dawn“, „A Saucerful Of Secrets“, „Umma Gumma“ „Atom Heart Mother“ und „Meddle“. Das zweite, dritte und vierte Soft-Machine-Album, „Tago Mago“ von Can und alles von Faust, Camel, Caravan und für die härtere Seite des klassische erste Lucifer’s-Friend-Werk. Ich könnte locker 50 weitere nennen. Ich kaufe mir viel Vinyl, sowohl neue Veröffentlichungen wie Re-Releases. Gerade bin ich dabei, meine Bathory-LP-Sammlung zu komplettieren. Ich geben nicht mehr ganz so viel Geld wie früher für Tonträger aus und mische dabei modernen Rock und klassische Metal-Wiederveröffentlichungen. Ach ja, es stimmt natürlich: Im Radio hatte obskure psychedelische Musik hier nie eine Chance – abgesehen von den Pink Floyd der „Meddle“ Ära.«

Mikael Åkerfeldt bietet sich da als kompetenter Kollege und Gesprächspartner an.

»Auf der gemeinsamen Opeth/Alchemist-Tour hatten wir 2003 lange Konversationen und fanden heraus, dass wir beide einige sehr obskure Schallplatten horten. Mein Interesse an solcher Musik geht auf meinen 16ten Geburtstag zurück, als ich bei einem Freund extrem gutes Hasch rauchte, er das Zimmer abdunkelte und „The Piper At The Gates Of Dawn“ auflegte. Das war eine erleuchtende Erfahrung, die nie verblasste und meine Liebe zu solchen Sounds anschob. Ich begann mit Ray von den Hard-Ons Musik auszutauschen und er brachte mich auf den Krautrock.«

Wie der Name schon sagt, ist euer Label High Roller der NWOBHM sehr zugetan. Was bedeutet dir diese Bewegung?

»Es gab auch Gespräche mit Cyclone Empire, aber ihre Offerte kam zu spät. Auch Listenable waren im Rennen. Ich kann es gar nicht abwarten, das Splatter-Vinyl im Gatefold mit den ganzen Fotos endlich zu sehen und zu berühren. Ich liebe die NWOBHM!!!!! Welcher Headbanger mit Respekt tut das nicht? Ich war in den Achtzigern Teenager und die Welle nahm einen großen Teil meines Lebens ein – wie später Thrash und Death Metal. Alter, ich bin Aussie – also kommt noch simpler Pub-Rock Marke AC/DC, The Angels und Rose Tatooo dazu. Als ich in der zweiten Hälfte der Achtzigern erste Songs schrieb, waren Voivod und Coroner wichtige Einflüsse. Auf dem 1990er Demo von Alchemist hört man das sehr deutlich. «

Der Name Listenable ist eben gefallen. Kanntest du Laurent schon aus seinen Fanziner-Tagen mit dem Peardrop? Statt bei ihm landeten Alchemist beim österreichischen Label Lethal, welches neben Fester und Belial auch Schmutz wie Graveland veröffentlichte.

»Laurent und ich kannten uns vom Tapetrading. Er hat 2004 auch eine Alchemist-Show gebucht. Michael, der Lethal-Boss, veränderte sich von einem Musikliebhaber in eine hasserfüllte Person. Wir haben ihn nie persönlich getroffen, aber ich bin froh, dass er den Ball für Alchemist 1992 in Rollen brachte.«

War euer auch auf Demos in der Adresse genutzter Name Alcaschmutz, der irgendwie deutsch klingt, eine Verneigung vor hiesigen Alkoholspezialitäten?

»Ich liebe Hefeweizen, aber auf den Namen kamen Leute, die uns gehasst haben. Wir fanden das lustig, haben den Namen adoptiert und die Anti-Fans damit noch mehr auf die Barrikaden gebracht, haha.«

Die „Embryonics“-Doppel-CD war ein tolles Package zwischen Best–Of und Raritätensammlung, die auch einige Demoaufnahmen enthielt. Das 1987er Debüt-Tape „Eternal Wedlock“ wurde aber unterschlagen. Würdest du dich gegen eine Demo-Compilation mit allem raren Material, oder vielleicht gar eine Vinyl-Box mit allen Veröffentlichungen sträuben?

»Sorry, das wird nie passieren. Da müsste zu viel Geld investiert werden und alle ehemaligen Musiker müssten ins Boot geholt werden. Das ist nahezu unmöglich. Glaub mir: Du willst „Eternal Wedlock“ nicht hören.... Es war gut für die ersten Versuche von 15-Jährigen, aber nicht mehr. Es war eine Mischung aus traditionellem Metal und Thrash, die uns damals natürlich sehr enthusiastisch machte. Ich hab keine Ahnung, was die damaligen Mitstreiter heute machen, hoffe aber, dass sie gesund und wohlauf sind. Ich bereue nichts, auch wenn die Musik nicht sonderlich gut war. Selbst die Finanzierung von einem Vinyl wäre hart, weil das Artwork restauriert und angepasst werden müsste, die Musik remastert. Ich lege mein Geld lieber in die Zukunft als die Vergangenheit an.«

Die Besetzung vom Debütalbum „Jar Of Kingdom“ hielt dafür gut zwei Jahrzehnte. Haben die Jungs mit Alchemist auch das Musikerdasein aufgegeben?

»Keiner von ihnen spielt mehr in einer Band, aber Rodney ist weiterhin als Metal-Promoter im Norden von Queensland aktiv. Roy und John sind Väter geworden, was ich ihnen sehr gönne. Das muss ein großartiges Gefühl sein. Ihr zuletzt mangelndes Interesse an der Band hat auch nichts mit dieser neuen Rolle zu tun.«

Nick Wall, euer Keyboarder, war immer der neue, das Kid. Wäre er gut bei THE LEVIATION HEX aufgehoben?

»Nick war nie wirklich an Alchemist interessiert und seine kurzzeitige Einbindung als Vollmitglied nicht meine Idee. Als er per Mehrheitsbeschluss aufgenommen wurde, befand ich mich im Urlaub. Er spielte immer ziemlich unsauber und das ist eins der Details an Alchemist, die mich heute noch nerven. THE LEVITATION HEX brauchen keinen Keyboarder, wir arbeiten mit Einspielungen wie schon The Who... Das ist nichts Neues.«

Dein Gesangsstil ist weder eindeutig Thrash-Shouting, noch Hardcore-Geschrei oder Death-Growling. Welche Idole oder Ikonen haben dich geprägt?

»Wenn es um Metal geht sind Tom Araya und Mille meine frühen Vorbilder, später kamen dann Chris Reifert von Autopsy und David Vincent von Morbid Angel dazu. Die ganzen Klargesänge sind von mir, aber ich halte sie reduziert, da sie live schwer zu reproduzieren sind.«

Deine Familie stammt aus Malta. Fühlst du dich als Europäer, könntest du hier Wurzeln schlagen?

»Gelebt habe ich dort nicht, aber nach der 2008er Europatour verbrachten meine Frau und ich dort einige Urlaubstage. Sollte die Band nicht schon ohnehin durch die Decke gehen, sehe ich keine Umorientierung nach Europa kommen. Die Welt ist kleiner geworden und es ist nicht mehr so schwer, für einige Shows alle paar Jahre die Kontinente zu wechseln, selbst für eine kleine Band wie uns.«

Dank eurer Homepage weiß ich, dass Modern Invasion immer noch im Geschäft sind. Allerdings scheinen sie ihre Veröffentlichungen nur noch daheim zu promoten.

»Sie nehmen schon lange keine Bands mehr unter Vertrag, sondern konzentrieren sich auf den Vertrieb weltweiter Künstler und ihres Back-Katalogs. Es ist fantastisch, mit ihnen zu arbeiten, da sie so erfahren und ehrlich sind. «

Deine Texte beinhalten moralische Gedanken und positive Botschaften wie „never use others for your selfish gain“ und „manage your ego/don’t force others under your wing“.

»Die Lyrics sind auf jeden Fall persönlich, aber nie nur auf eine konkrete Situation oder Person bezogen. Es sind allgemeine Erfahrungen oder Gedanken, die sich aus meinem Leben ergeben. Sie sollten leicht verständlich sein. Jeder kennt das Gefühl, betrogen oder benutzt worden zu sein.«

Vielleicht sollte Kim Jong Un THE LEVITATION HEX hören und sich entspannen.

»Haha, der Kerl muss verdammt noch mal chillen. Er ist wirklich genau so ein Arsch wie sein Vater, was mir für die nordkoreanische Bevölkerung bitter leid tut. Sein Säbelrasseln beunruhigt mich, auch wenn ich nicht permanent daran denken muss.«

Ist 'The Longest Path' also keine eine Abrechnung mit Alchemist: Sehr her, ich lache als Letzter?

»Nein, es ist eine Botschaft an mich, mir selbst treu zu bleiben und weiter nach Glück und Erfüllung zu streben, auch wenn es natürlich mein ganzes Leben bestimmt. 'Depressedemic' dagegen handelt vom modernen Lebensstil, in dem Depressionen immer normaler werden. Musik ist da normalerweise eine Befreiung, aber für mich war sie auch Teil des Problems, als ich Karriere-orientierter war. Es gab einige Zusammenbrüche in meinem Leben, aber ich glaube nicht ans Aufgeben, sondern stehe auf, klopfe mir den Staub ab und versuche es erneut.«

'Dream Deficit' beschreibt deine traumlosen Nächte in den Jahren des Pot-Rauchens. Bist du auf Tour nicht in Versuchung gekommen?

»Nur an den beiden Tagen in Amsterdam, am Anfang und Ende der Tour. Da habe ich Joints mitgeraucht, in der lustigen gemeinsamen Situation war es okay. Den täglichen Konsum habe ich 2008 aufgegeben, weil es meine mentale und körperliche Gesundheit beeinträchtigt hat. Das war kein Vergnügen.«

Du hast mehrfach das zweite Album von THE LEVITATION HEX angesprochen. Welche Lektionen habt ihr aus dem Debüt gelernt?

»Wir befinden uns noch im Schreibprozess. Erwartet den selben Geschmack mit einigen Nuancen, da die anderen Mitglieder nun stärker involviert sind. Ich möchte aber weiterhin die Heavyness betonen, man soll zu der Musik bangen können. Ich mag dunkle Musik, aber sie muss interessant sein. Die bisherigen neuen Songs sind also dunkel, heavy und psychedelisch – genau so, wie ich es mag. Was auf jeden Fall vermieden wird, sind alle fröhlichen Klänge. Dafür eignet sich Pop aber kein Metal.«

 

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Pic: Andrew Pittman (Promo)