Online-MegazineInterview

KORN

Umgeben von Verrückten

KORN

Sieben Jahre lang kehrte Gitarrist Brian „Head“ Welch KORN den Rücken zu, um nach jahrelangen Rock'n'Roll- und Drogen-Exzessen zu sich selbst zu finden. Nun ist er zurück und lenkt den Sound der Nu-Metal-Pioniere wieder in eine Gitarren-lastigere Richtung. Ergänzend zum Interview mit Head in Rock Hard Vol. 318 sprachen wir mit Sänger Jonathan Davis über familiäre Schwierigkeiten und den Sound der neuen KORN-Platte „The Paradigm Shift“.

Jonathan, was war bei den Aufnahmen zu „The Paradigm Shift“ anders als bei früheren Alben, abgesehen davon, dass Head zurück in der Band ist?

»Diesmal sind wir die Aufnahmen komplett anders angegangen als sonst, weil ich eine Menge privater Probleme hatte. Bei meinem jüngsten Sohn Zeppelin, der sechs Jahre alt ist, wurde Diabetes diagnostiziert. Das war ein harter Schlag. Plötzlich musste dieser kleine Kerl achtmal am Tag eine Spritze bekommen. Ich selbst war zudem damit beschäftigt die Medikamente abzusetzen, die ich jahrelang gegen meine Angstattacken genommen hatte. Es war eine harte Zeit. Deswegen stieß ich auch erst im Februar zu den restlichen Bandmitgliedern, die schon seit Juli 2012 am Songwriting saßen. Die meisten Lieder waren zu dem Zeitpunkt schon fertig und ich musste mit unserem Producer Don Gilmore nur noch die Gesangs- und Elektro-Parts drauflegen.

Erstmals hatte ich auch meine beiden jüngsten Söhne Pirate und Zeppelin bei den Gesangsaufnahmen dabei. Wegen der Diabetes versuchte ich so viel Zeit wie möglich mit Zeppelin zu verbringen. Es war eine tolle Zeit. Ich saß da und schrieb meine Texte, während der kleine Zep an meinen Haaren zog und Pirate unter den Tischen herum krabbelte. Diese Studio-Situation war neu für mich. Früher brauchte ich immer eine gewisse Distanz zu meiner Familie, um meinen Seelenmüll loszuwerden. Beim Schreiben der Texte strömten die Dinge, die mich belasteten, regelrecht aus mir heraus.«

Die Aufnahmen fanden in einem Studio in deiner alten Heimat Bakersfield statt.

»Ich lebe seit vier Jahren wieder in Bakersfield, weil ich die ganzen verlogenen Arschgeigen, die in Los Angeles wohnen, irgendwann nicht mehr ertragen konnte. Ich bin zurückgekehrt zu meinen Provinz-Wurzeln in Bakersfield, wo die Menschen natürlich und nett sind.«

Deine Wahl fiel auf das Buck-Owens-Studio. Hat dein Vater nicht auch schon Keyboard für Buck Owens gespielt?

»Ja, das ist richtig. Mein Vater hat das Studio selbst lange Zeit gemietet. Dort entstanden auch die ersten KORN-Demos von 'Ball Tongue' und 'Divine'. Dieses Studio umgibt eine tolle, kreative Atmosphäre. Es ist ein umgebautes, uraltes Theater.«

Lass uns kurz über ein paar einzelne Songs reden. Wovon handelt 'Victimized'?

»Es scheint mein Schicksal zu sein, dass mich verrückte Menschen umgeben, und zwar sowohl innerhalb meiner Familie als auch innerhalb der Band. So ist das schon mein ganzes Leben lang. Der Titel drückt aus, wie es sich anfühlt in diesem Schicksal gefangen zu sein. Der Song hat viel Tiefgang.«

Dein Lieblingssong auf dem neuen Album ist 'Never Never'. Worum geht es in dem Stück?

»Das Lied handelt davon, dass man sich nach einer Trennung schwört, sich nie wieder zu verlieben oder zu sehr zu öffnen. Und dann geht man doch wieder Zugeständnisse ein, weil man Angst hat alleine zu sein.«

Lass uns zum Schluss noch einmal über Head sprechen. Als er letztes Jahr zum ersten Mal wieder live mit euch gespielt hat, hast du ihn mit den Worten angekündigt, dass dieser Platz auf der Bühne viel zu lange leer war. Was für ein Gefühl war es, als er dort plötzlich wieder stand?

»Es war sehr bewegend. Ich habe mir die Augen ausgeweint. Es fühlt sich gut an, dass er dort jetzt wieder steht. Head ist ein toller Musiker, der sich in der Vergangenheit oft selbst im Weg stand. Er ist ein wichtiger Teil von KORN, und es ist schön, dass er wieder dabei ist.«

 

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