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Century Media - Do It Yourself: Die Geschichte eines Labels

Christian Krumm hat mit „Do It Yourself: Die Geschichte eines Labels“ kürzlich ein umfassendes Werk zur Geschichte des Dortmunder Plattenlabels Century Media Records veröffentlicht. Wir sprachen mit dem leidenschaftlichen Metalfan über die Arbeit an historischen Themen und neue Herausforderungen.

Christian, "Do It Yourself: Die Geschichte eines Labels" ist bereits dein zweites Buch zum Thema Metal. Wie bist du auf die Idee gekommen, dich näher mit diesem Themenbereich auseinander zu setzen?

»Heavy Metal hat mich seit frühester Jugend begleitet und geprägt. Da musste ich nicht lange überlegen, als mich Holger (Schmenk, Co-Autor von „Kumpels in Kutten“, Red.) seinerzeit fragte, ob ich mit ihm ein Buch über Metal im Ruhrpott schreiben wollte. Als Hobbymusiker in einer Band habe ich auch die ganze typische Entwicklung mitgemacht, vom Luftgitarrenspiel im Wohnzimmer, enorm viel Zeit im Proberaum, großen Träumen, kleinen Konzerten bis zu der Einsicht, dass es eventuell doch nichts wird mit der Karriere.

Die Frage, wie es die Großen geschafft haben, war für mich daher immer von Interesse. Sie wird ja schon in vielen Büchern behandelt. Aber wie Plattenfirmen diese Bands finden, warum sie sie auswählen und was sie dann mit ihnen machen, damit sie erfolgreich werden, das gab es bisher noch nicht. Schon bei „Kumpels in Kutten“ haben Holger und ich in einigen Abschnitten versucht, dieses Thema zu behandeln. Das abgedruckte Interview mit Robert Kampf ist eine dieser Passagen. Darüber kam dann die Idee zu „Do It Yourself“ zu Stande. Für mich war es einfach ein Traum, so viele Insider befragen zu können und mir ein differenziertes Bild davon zu machen.«

Das Label Century Media wurde in Dortmund gegründet und ist auch heute noch dort ansässig. Die Geschichte der Firma ist dementsprechend eng mit der Geschichte des Metals im Ruhrgebiet verknüpft. Ist das Buch also die logische Konsequenz aus deiner Arbeit an "Kumpels In Kutten"?

»Das kann man durchaus so sehen. Das Label ist insgesamt schon sehr „Ruhrpott“, obwohl sie natürlich weltweit agieren. Ich konnte an die Erfahrungen anknüpfen, die ich mit dem ersten Buch gemacht habe. Obwohl „Do It Yourself“ keine Fortsetzung von „Kumpels in Kutten“ ist, hängen die Bücher miteinander zusammen, weil ein paar Jungs aus dieser Szene eben ein Label aufgezogen und so auf ihre Art – ähnlich wie die Ruhrpottbands – der Metalwelt ihren Stempel aufgedrückt haben. Darüber kann ich mich als Fan der Szene ebenso freuen, wie über die Erfolge von Sodom, Rage, Kreator oder Grave Digger.«

Bücher über Plattenfirmen sind, ganz im Gegensatz zu Büchern über Bands oder die Szene im Allgemeinen, bisher kaum verfügbar. Gestaltete sich die Arbeit an "Die Geschichte eines Labels" anders als die Arbeit an "Kumpels In Kutten"?

»Definitiv. Die Arbeitsweise an sich war zwar ähnlich, da auch dieses Buch hauptsächlich auf Interviews basiert. Aber die Situation war eine völlig andere. Da es so gut wie keine Vorbilder für ein solches Projekt gab, musste ich eigentlich bei null anfangen.

Von Plattenfirmen hört man in der Regel nur, wenn es Ärger zwischen ihnen und einer Band gibt. Dann wird es oft so dargestellt, als ginge es der Band nur um die Musik und dem Label nur ums Geld. Dabei sind diese Interessen unter den Beteiligten ziemlich gleichmäßig verteilt, denn alle verdienen damit ihren Lebensunterhalt. Sich aber einfach hinzustellen und zu behaupten, den Bands ginge es ja auch ums Geld und der Firma um die Musik, wäre ziemlich oberflächlich und wenig glaubwürdig gewesen. Es war also die Aufgabe, diesen ganzen Bereich des Heavy Metal zu durchleuchten und Klischees zu hinterfragen, ohne dabei neue zu schaffen. Ich habe versucht, das rein Geschäftliche auf ein Minimum zu reduzieren und einfach beide Seiten der Medaille zu zeigen. Das war nicht immer einfach, aber ich bin mit dem Ergebnis zufrieden.«

Century Media - Do it yourself: Die Geschichte eines Labels

Du hast - unter anderem in der Dortmunder Burg - dein Buch auch schon live im Zuge einer Lesung vorgestellt. Wie waren die Reaktionen? Funktionieren Lesungen in Kneipen?

»Sehr positiv. Das hat mich enorm gefreut, da dieser Themenbereich ja durchaus nicht sofort zugänglich ist wie eine Bandbiographie. Meine Lieblingsreaktion ist, wenn Leute mir sagen, dass sie wegen des Buches ihre CD-Sammlung durchforsten und etliche alte Schätzchen mal wieder auflegen. Denn das ist es auch, was die Arbeit an einem solchen Buch so schön macht – das Neu- und Wiederentdecken von Musik.

Lesungen in Kneipen und auch auf Festivals sind in der Regel von einem gewissen Nebengeräuschpegel unterlegt. Mich stört das nicht, denn ich habe ein Mikrophon. Ich werde eher nervös, wenn Totenstille in einem Raum ist und mir wirklich alle Leute zuhören. Schade ist, wenn einige, die zuhören wollen, dadurch nicht alles mitbekommen. Aber daran arbeiten wir mit Verlag und Veranstaltern und ich bin sicher, auch dafür gibt es Lösungen.«

Hast du schon Pläne zu weiteren Büchern mit dem Themenbereich Metal? Woran arbeitest du als nächstes?

»Über Metal zu schreiben werde ich in jedem Fall noch ein wenig weiter verfolgen, allerdings mehr im erzählerischen Bereich. Denn die Hauptsache ist immer noch das Gefühl und das lässt sich in Sachbüchern nur begrenzt vermitteln. Daher plane ich als Nächstes einen Roman, der dieses Gefühl in Verbindung mit der Musik ausdrückt. Die Leute auf Konzerten, in den Kneipen oder auf Festivals bieten so viel, das sich zu erzählen lohnt, und zudem das Potential für einen ganzen Haufen verrückter und doch zutiefst menschlicher Charaktere. Dem Reiz kann ich einfach nicht widerstehen, obwohl ich diese Art des Schreibens im Prinzip völlig neu erlernen muss.

Ein sehr spaßiges Projekt ist zurzeit der Blog, den ich für die Band Crossplane schreibe. Das sind ja alles gestandene Musiker mit einer Menge Humor. Da kann ich mich ein wenig austoben.

Weitere Bücher über eine Szene oder eine Plattenfirma kann ich mir erst einmal nicht vorstellen, es sei denn, ich entdecke nochmal einen völlig neuen Aspekt. Eine Bandbiographie fände ich noch spannend, aber da steht im Moment nichts an.«

 

http://www.verlag-schmenk.de/

 

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