Online-MegazineInterview

AMON AMARTH

Schweißgebadet unter Schauspielern

AMON AMARTH

Eine Gruppe Wikinger strandet in Schottland – damit beginnt die Story hinter „Northmen“, dem Wikinger-Actionfilm, in dem Johann Hegg sein Leinwanddebüt feiert. Wir haben mit ihm in der Online-Ergänzung zum Interview in Rock Hard Vol. 330 über seine Rolle und andere Wikingerfilme gesprochen. Spoiler inklusive.

Wie würdest du die Kerngeschichte von „Northmen“ jemanden erklären, der den Film noch nicht gesehen hat?

»Die Kerngeschichte ist eine Jagd. Eine Gruppe Wikinger strandet an der Küste von Schottland und ist gezwungen um ihr Leben zu fliehen. Der Film startet damit, dass sie all ihre Waffen verlieren. Sie müssen sich also mit dem durchschlagen, was ihnen geblieben ist. Und sie werden gnadenlos verfolgt von einer Meute karpathischer Söldner.«

Wie hast du erfahren, dass man dich casten möchte?

»Es war eine E-Mail von Daniel Höltschi, einem der Produzenten, die er an unser früheres Management schickte. Zu der Zeit wechselten wir gerade unser Management, wir wussten also gerade gar nicht sicher, wie es weitergeht. Sie fragten mich, ob ich interessiert wäre. Ich sagte: „Schickt mir ein Script und ich lese es. Dann sage ich zu oder ab, je nachdem ob ich es mag.“ Als ich das Drehbuch las, fand ich es ganz cool und so habe ich mich dafür entschieden.«

Für mich und viele andere scheint es eine offensichtliche Wahl zu sein dich als den Wikinger-Krieger Valli zu besetzen. Aber ist das eigentlich ein Image mit dem du dich identifizieren kannst?

»Für uns als Band ist klar, dass wir die Bildsprache in den Artworks, unseren Songs und Lyrics haben. Wir müssen deshalb nicht verkleidet auf die Bühne gehen. Das ist nicht unser Ding, wir sind ja keine echten Wikinger. Vielleicht moderne Wikinger, denn wir reisen um die Welt und spielen unsere Musik. Für uns würde es sich seltsam anfühlen, Kostüme anzuziehen, zumal es nicht von Anfang an das Thema der Band war – es ist eher passiert.«

Wie lang warst du am Set? Die Dreharbeiten dauerten ja ungefähr sechs Wochen.

»Insgesamt zwei Wochen, also fünfzehn Tage, um genau zu sein. Zuerst war ich für zwölf Tage dort um die Proben, das Stunt-Training und die ersten Dreharbeiten mitzumachen. Und dann kam ich nochmal für drei Tage wieder, um die Kampfszenen zu filmen.«

Ich fand es ziemlich amüsant, dass in die Darstellung der Wikinger durchaus Hintergrundwissen geflossen ist, der Film dafür aber alle Gesetze der Physik außer Kraft setzt.

»Wie ich auch zu vielen Leuten gesagt habe, die den Film im Internet kommentieren: Es ist natürlich keine Dokumentation.«

Sicherlich nicht, aber der Film dehnt die Realität schon arg. Der Teil, in dem beispielsweise der Turm angegriffen wird, ist eine Actionszene, in der eher Magie als Physik am Werk zu sein scheint.

»Ja, man fragt sich etwas, wo die tragenden Balken dieses Gebäudes sind. Aber es ist natürlich wichtig, dass der Turm zusammenbricht (lacht).«

„True Blood“-Beau Ryan Kwanten spielt den Mönch Conall. Wie war es eigentlich, mit ihm zu arbeiten?

»Er ist ein cooler Typ. Er hat zusammen mit einem Kollegen mit seinem Stab trainiert und die Konzentration und der Fokus der beiden war bemerkenswert. Obwohl eine Menge Leute um sie herum waren, stand er da mit geschlossenen Augen und hat einfach sein Ding gemacht – es war ziemlich beeindruckend.«

Wie war eigentlich die Stimmung am Set? Immerhin wart ihr mitten in der Pampa in den Nationalparks Südafrikas.

»(lacht) Allerdings! Ich war ja noch nie in einem Film, und man hört immer so viele Geschichten von Schauspielern, die sich nicht verstehen. Ich bin ein totaler Amateur, aber alle waren nett und hilfsbereit, obwohl einige von ihnen in wirklich großen Produktionen mitgewirkt haben – wie Ryan, Anatole Taubman (Bovarr) oder Ed Skrein (Hjorr).«

Sind die jetzt alle AMON AMARTH-Fans?

»(lacht) Ich weiß nicht, ob sie sich als Fans bezeichnen würden, aber einige kamen zu unseren Shows. Anatole sah uns beispielsweise in Berlin und fand's großartig. Und James Norton, Charlie Murphy (Lady Inghean) und Darrell D'Silva (Gunnar) kamen zur Show in London und hatten da eine echt gute Zeit.«

Was hat dir am besten an der Verwandlung zum Wikinger gefallen?

»Der Schwertkampf! Das war einfach unfassbar spaßig. Ich hatte mein Trainingsoutfit vergessen, ich stand da also in Army-Hosen und T-Shirt und am Ende des Tages war ich klatschnass vor Schweiß. Mir lief der Schweiß wortwörtlich aus allen Poren, aber ich wollte nicht aufhören. Die Stuntmänner sagten: „Ich glaub', wir lassen es für heute gut sein“, und ich sagte: „Nur noch ein bisschen.“ Sie versprachen mir dann, dass ich morgen spüren würde, was ich getan hatte. Und so war's dann auch. Aber ich hatte Spaß.«

In letzter Zeit gab es einige Filme und Serien zum Thema Wikinger – angefangen bei deinem Film bis hin zu Filmen wie 'How To Train Your Dragon'. Wie erklärst du dir dieses plötzliche Interesse an der Wikinger-Mythologie?

»Ich glaube ein Grund ist, dass die Entertainment-Industrie bisher wenig zum Thema Wikinger gemacht hat. Außer natürlich „The Vikings“ (1958) mit Tony Curtis und Kirk Douglas und Hrafn Gunnlaugssons Raben-Trilogie "When The Raven Flies" (1984), "In The Shadow of the Raven" (1987) und "The White Viking" (1991). Diese Filme sind einige der wenigen echten Wikingerfilme, die ich kenne. Dabei bietet die Geschichte der Wikinger viel Material zur Inspiration. Besonders die Mythologie mit ihren Geschichten, die sich gut auf der Leinwand umsetzen lassen. Diese Themen haben erst kürzlich vermehrt Interesse in den USA gefunden und leider scheint es mit unserer Kultur oft so zu sein, dass sie den Umweg über die Vereinigten Staaten nehmen muss, bevor sie für uns wieder interessant wird. Das ist etwas seltsam. Das Altnordische hat natürlich auch den Vorteil, dass es eine der wenigen Kulturen ist, für die es schriftliche Quellen gibt und der Einfluss ist sehr weitreichend – die Wikinger haben größere Teile der Welt beeinflusst, als man vielleicht annehmen mag. Man glaubt zu wissen, dass sie Handel mit den Chinesen trieben, man hat zum Beispiel eine Buddha-Statue in einem Grab bei Stockholm gefunden. Es ist bewiesen, dass sie nach Amerika segelten, vermutlich bis auf die Höhe von Manhattan, vielleicht sogar bis nach Mexiko. Es ist also eine Geschichte, die die Vorstellungskraft anregt. Wir lernen aber auch aus archäologischer Sicht mehr über Wikinger.«

Kann es nicht auch sein, dass die Geschichten um Wikinger schlicht sehr simpel sind? Es sind große Krieger, die vergleichsweise egoistisch handeln können und die in einem Krieg kämpfen um etwas zu erlangen, das sie haben wollen. Das widerspricht jeglicher political correctness dieser Tage.

»Ja, ich finde es in diesem Zusammenhang auch interessant, dass Wikinger als barbarische Krieger dargestellt werden, die töten, vergewaltigen und plündern. Aber in aller Fairness – jeder hat das damals getan. Nicht nur die Wikinger – selbst die Christen taten das! Es lässt sich nur nicht verleugnen, dass die Wikinger ein wenig besser darin waren (lacht). Was sie für die Leute so schrecklich gemacht hat, war die Art, wie ihre Schiffe gebaut waren. Sie konnten jeden Fluss hochsegeln und überall angreifen, sie konnten sich an Leute heranschleichen, was schlicht furchterregend ist, wenn man darüber nachdenkt. Sie waren sehr kluge und talentierte Krieger, vor allem waren sie aber eigentlich kluge und talentierte Händler. Dieser Teil der Wikingerkultur ist vermutlich nicht so spannend, weil er nicht so dramatisch ist.«

Wenn ich Filme sehe, versuche ich immer den Bechdel-Test anzuwenden. Im Fall von „Northmen“ versagt der definitiv. Lady Inghean ist die einzige Frau und sie hat nicht mal eine andere weibliche Protagonistin mit der sie sprechen kann.

»Das stimmt. Ich habe just gestern noch darüber nachgedacht, als sie im Radio darüber gesprochen haben. Ja, es ist definitiv ein sehr männerdominierter Film. Ich mag allerdings ihren Charakter, sie lässt sich nicht herumschubsen sondern ist sehr tough.«

Sie ist ja auch so schon Opfer genug, wenn sie von der Gruppe Wikinger mitgezerrt wird und andauernd in ihrem total unpraktischen Kleid durch die Pampa rennen muss.

»Ja, ich will jetzt nicht spoilern, aber sie ist ja genauso auf der Flucht wie die restliche Gruppe. Sie hat also nicht viel andere Möglichkeiten.«

Gehen wir nochmal zur Geschichte. Die Wikinger wollen ein Kloster plündern, nachdem sie von Zuhause fliehen mussten, weil sie sich gegen einen König dort gewehrt haben. In der Geschichte wird allerdings nicht ganz klar, wie dieses Geld etwas an der Tatsache ändern soll.

»In der Geschichte war ursprünglich vorgesehen, dass sie ein Lösegeld zahlen müssen.«

Ich bin mir nicht sicher, ob das im Film überhaupt noch kommuniziert wird.

»Ich habe ihn noch nicht in der Endfassung gesehen, bin mir also nicht sicher wie deutlich das im Endeffekt noch wird. Aber eigentlich, so wie ich die Geschichte verstanden habe, wollen sie das Kloster plündern um ihr Lösegeld zuhause zu zahlen und zu ihren Leben zurückzukehren und ihren Status wiederherzustellen.«

Das ist interessant, denn im Film kam es mir eher so vor, als würden sie den neuen König in ihrer alten Heimat ablehnen. Mein erster Gedanke war also: warum seid ihr nicht mit euren Familien fortgesegelt?

»Das ist eine valide Frage, dir wir uns beim Lesen des Drehbuchs auch gestellt haben. Bevor wir gedreht haben, haben wir uns zusammengesetzt und uns in die Rollen hineinversetzt. Die Diskussion war: Warum sind wir auf diesem Schiff? Wir haben nachgestellt, was passiert ist, bevor wir Segel gesetzt haben und in der Version, die wir uns ausgemalt haben, kamen wir direkt aus einer Schlacht, in der wir gegen den neuen König verloren haben. Wir sind also auf der Flucht.«

Der Topos ist im Prinzip auch aufgewärmt: Segel' nach Großbritannien, plündere ein Kloster, werde ein Held zu Hause! „Vikings“ nutzt das ja auch. Auf welche Wikingergeschichte wärest du mal gespannt?

»Der Topos ist sehr verbreitet, ja. Ich würde viel lieber mal einen Film über Wikinger sehen, die nach Russland oder Istanbul reisen. Oder nach Konstantinopel! Die Wikinger haben Konstantinopel mindestens zwei mal belagert. Sie versagten elendig, aber sie haben es versucht (lacht).«

Was ist der größte Nachteil des Films in Bezug auf Wikingerkultur?

»Naja, der Film behandelt die Kultur eigentlich nicht. Es ist ein Actionfilm über Wikinger. Es ist wenig darin, wie Wikinger gelebt haben oder ihre Beziehung zu ihrem Glauben – bis auf Ausrufe, wie „Ich möchte im Kampf sterben!“«

Eigentlich ist die keltische Kultur dieser Zeit fast detaillierter dargestellt – mit den düsteren, dreckigen Häusern und Burgen.

»Ja, es ist nicht „The Vikings“ mit Tony Curtis und Kirk Douglas, wo sie wie Prinz Eisenherz aussehen. (lacht)«

 

www.facebook.com/NorthmenMovie

http://www.northmen-themovie.com/

 

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