Online-MegazineInterview

IN SOLITUDE

Schach und Drogen

IN SOLITUDE

IN SOLITUDE wildern auf „Sister“ nicht im Schwesternhaus – Party pur ist nicht ihre Lebensmaxime, wie Texter und Vokalist Pelle Åhman in der Online-Ergänzung zum Interview aus Rock Hard Vol. 318 zu verstehen gibt.

Pelle, ihr habt offensichtlich die Wurzeln des Metal tiefer denn je erkundet, und zwar nicht in den frühen Achtzigern, sondern bis zu anderthalb Dekaden früher angesetzt.

»Es ging uns darum, eine Klanglandschaft und Atmosphäre zu erzielen, die absolut unsere eigene ist. Einen alles durchdringenden Ton aus unserem Inneren. Nicht nur als Spur, sondern als Charakteristikum. Aber natürlich gibt es zahllose Dinge, die uns auf diesem Weg inspiriert und in Details beeinflusst haben. Das umfasst alles mögliche von einer bestimmten Art, die Strophe eines Psychic-TV-Songs zu singen, über Sekunden, in denen der Gitarrensound an The Pretty Things erinnert bis hin zu einem Intervall in der Manier von Celtic Frost. Aber letztlich wurde das Album geschrieben, als die meisten Türen zur Außenwelt verschlossen waren. Somit war der Kompositionsprozess wesentlich introspektiver.«

Hattet ihr Zugriff auf besonderes Vintage-Equipment bei den Aufnahmen, um einen noch wärmeren Sound zu erreichen?

»Jede Menge, dazu haben wir auch viel auf Band aufgenommen, was der Atmosphäre auf dem Album zugute kommt. Uns ging es dabei nicht darum, einen Old-School-Sound zu erzielen, es klang in unseren Ohren einfach wesentlich besser. Es wurde dem Material gerechter. Interessant, dass du den Klang als wärmer empfindest – wir hatten eigentlich im Gegenteil einen kälteren Klang beabsichtigt. Aber ich glaube zu verstehen, was du meinst.«

Habt ihr grundsätzlich das Gefühl, zu spät geboren zu sein – oder begrüßt ihr auch die technischen Errungenschaften  der letzten 40 Jahre für Musiker?

»Rein hypothetisch ist das ein interessanter Gedanke. Aber nein, so ticken wir nicht. Alle Dekaden haben ihre Vor- und Nachteile. Letztlich liegt es an dir, deine kurze Zeit hier zu rechtfertigen. Genau das tun wir. Wir leben in wirklich interessanten Zeiten, im Guten wie im Schlechten.«

Dein Gesang ist tiefer, als bislang, aber auch dramatischer.

»Das ist eine natürliche Entwicklung. Der Wert der Songs verändert ihren Klang und die Texte stellten dieses mal wesentlich größere Anforderungen an den Ausdruck.«

Wo habt ihr diese deutschen Zeilen aufgeschnappt:  “Lungenzüge tief ins Leere! Wie der Springer im Spiel der Spiele!“ – seid ihr kiffende Schachfreaks?

»Sie stammen aus einem Einstürzende-Neubauten-Text, die Genre-unabhängig zu meinen Lieblingsbands gehören. Ich hatte das Gefühl, sie drücken nachträglich die Stimmung unseres Gigs beim Hell’s Pleasure angemessen aus. Schach und Drogen können sehr inspirierend sein, haben aber keine Signifikanz in unserer Musik. Wir sind alle Bauern auf diesem hoffnungslosen Schachbrett. Dein Zug!«

 

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Pic: Ester Segarra