Online-MegazineInterview

NEURAXIS

Reif für die Anstalt

Mit ihrem sechsten Studioalbum „Asylon“ haben die Kanadier NEURAXIS ein weiteres mal ihr Talent für intensiven, technischen Death Metal bewiesen. Im Interview mit Rock-Hard-Online spricht Gitarrist Rob Milley über aktuelle Tourpläne, das Grundkonzept von „Asylon“ und die Einflüsse der Band.

Rob, ihr seht dem Release eures sechsten Studioalbums „Asylon“ und ausführlichem Touring mit Sepultura und Deicide im Februar und März entgegen. Wird dies die größte Tour in eurer 17-jährigen Bandgeschichte sein und wie seid ihr an die Support-Plätze gekommen?

»Ja, die Sepultura-Tour wird die größte Tour, die NEURAXIS je gespielt haben. Wir sind 2009 mit Cannibal Corpse getourt, was mit 500 bis 1000 Zuschauern pro Abend auch sehr groß war. Wir haben bei einer neuen Booking-Agentur für Nordamerika unterschrieben und sie haben NEURAXIS für diese beiden Touren bestätigt. Wir wollen später im Jahr noch weiter in Nordamerika touren.«

Im Hinblick auf das Artwork suggeriert „Asylon“ eine Thematik über Psychiatrie, Medikamente und Experimente an Menschen. Wo siehst du die Verbindung zwischen Artwork, Titel und den Texten?

»Das Artwork ist um den Song 'Asylum' angelegt. Dieser war ursprünglich als Albumtitel angedacht, also wurden Artwork und Layout in Bezug darauf gestaltet. Später fanden wir heraus, dass es besser wäre, den Titel zu ändern, also hat Alex (Lablanc) recherchiert und herausgefunden, dass der griechische Ursprung von Asylum „Asylon“ ist. Die Texte sind sehr dunkel, so dass Artwork und Layout das Feeling von den Texten und der Musik unterstreichen mussten.«

Woher kam die Idee, ein Album über Dinge dieser Art zu schreiben? Wäre es überzogen, von einem Konzeptalbum zu sprechen?

»Unser Sänger Alex hatte eine Menge Ideen für die Texte. In den letzten paar Jahren haben Alex und ich eine Menge emotionaler Momente durchlebt. Es war eine düstere Zeit während der Tour für das letzte Album. Bestimmte Dinge, wie der Wechsel von Bandmitgliedern, Beziehungen oder der Verlust von Familienmitgliedern hatten großen Einfluss auf Texte und Musik. Alex hatte ein „Halb-Konzept“ über einen Charakter, der in einer Anstalt eingeschlossen ist und sich mit emotionalen und psychischen Perspektiven beschäftigt. Von dieser anfänglichen Idee aus hatte Alex viele weitere Ideen dieser Art. Die Texte sind eine sehr persönliche Angelegenheit.«

Mittlerweile ist kein Gründungsmitglied mehr bei in NEURAXIS tätig. Denkst du, dass diese Tatsache sich auf die musikalische Entwicklung der Band auswirkt?

»Für jedes Album haben NEURAXIS sich weiterentwickelt. Wenn man auf das erste Album „Imagery“ zurückblickt, war das ein völlig anderes Gefühl. Ich bin eingestiegen, bevor das erste Album veröffentlicht wurde, aber ich denke dass NEURAXIS mit dem zweiten Album, „A Passage Into Forlorn“, ihren Stil gefunden haben. Unser Sound hat sich weiterentwickelt und mein Songwriting ist mit jedem Album wichtiger geworden. Wenn sich Leute darüber beschweren, dass keine Gründungsmitglieder mehr bei NEURAXIS sind, dann interessiert mich das nicht, da ich seit fast 15 Jahren in der Band bin und dazu beigetragen habe, dass der Sound sich so entwickelt, wie er heute ist. Die Gründungsmitglieder waren sich alle einig, dass es das Beste war zu gehen und haben mir die besten Wünsche hinterlassen, um weiterzumachen. Beim neuen Album „Asylon“ hatten die neuen Mitglieder großen Einfluss auf das Feeling. Unser Drummer hat heftigste Parts aus sich rausgeholt und unser Bassist hat unserem Sound viele neue Klangfarben hinzugefügt, da er von der Gitarre unabhängige Basslinien spielt; und er spielt einen Sechssaiter, so dass eine ganze Welt voller neuer Möglichkeiten für den Bass hinzugekommen ist.«

Kannst du einige Einflüsse nennen, die Neuraxis zu Zeiten der Bandgründung in den Neunzigern beeinflusst haben? Sind es noch dieselben, oder seht ihr euch nach all der Zeit unabhängig von äußeren Faktoren?

»Neuraxis wurden von vielen Spielarten des Metal beeinflusst: Death Metal aus den frühen Neunzigern, Achtziger-Thrash, Melodic Metal, Progressive Rock. Einige dieser Einflüsse sind auch heute noch da. Im Laufe des Älterwerdens, kehre ich zu diesen früheren Einflüssen zurück, da sie große Wirkung auf mich hatten. Es ist außerdem leicht, sich von Bands inspirieren zu lassen mit denen wir touren, da wir sie jeden Tag sehen und spielen hören. Das können sowohl moderne, als auch Bands der alten Schule sein. Aber manchmal, wenn wir so mit dem Komponieren, Proben und Touren beschäftigt sind, sind wir von den ganzen extremen Zeug irgendwann übersättigt. Oft hören wir dann unsere älteren Sachen oder gar keine Musik!«

Mit eurem technischen und modernen Sound seid ihr sowohl für Anhänger von tarditionellen, anspruchsvollen Death Metal, als auch für Fans von moderneren Deathcore-Bands wie Whitechapel, Suicide Silence, etc. interessant. Siehst du das als Vorteil, oder magst du die derzeitigen Hardcore-beeinflussten Stilrichtungen nicht?

»NEURAXIS haben keine Verbindung zu irgendeinem Core-Style-Metal. Wenn uns diese Fans mögen, dann freut uns das, aber wir fühlen uns dieser Musikrichtung nicht verbunden. Ich denke, Neuraxis haben mehr mit brutalem, extremem Death Metal, europäischem Melodic-Death und einigen technischen Aspekten gemeinsam.«

 

www.myspace.com/neuraxis

 

DISKOGRAFIE

Imagery (1997)
A Passage Into Forlorn (2001)
Truth Beyond... (2002)
Truth Imagery Passage (Best of, 2005)
Trilateral Progression (2005)
Live Prgression (Live, 2007)
The Thin Line Between (2008)
Asylon (2011)