Online-MegazineInterview

EPICA

Quanten, Kids & Rock 'n' Roll

EPICA

Die holländischen Symphonic-Metaller von EPICA kommen im Januar für sechs von Rock Hard präsentierte Shows nach Deutschland. Wir sprachen mit Frontfrau und Superwoman Simone Simons über das aktuelle Album „The Quantum Enigma“, die Macht der (Live-)Musik und den gekonnten Spagat zwischen Karriere und Familie.

Ab November tourt ihr mit eurem Album „The Quantum Enigma“ durch Europa. Was war das beste Konzert, dass du als Gast je gesehen hast?

»Rammstein. Das war beim Pinkpop-Festival in den Niederlanden. EPICA haben an dem Tag auch gespielt und abends gab es dann auf der Hauptbühne Rammstein zu sehen. Als großer Rammstein-Fan habe ich natürlich Live-DVDs der Band zu Hause, hatte sie zu dem Zeitpunkt aber noch nie wirklich live gesehen. Ich stand ganz vorne und habe die Wärme der Pyroeffekte gespürt – Rammstein machen einfach eine Wahnsinnsshow. Das war wirklich beeindruckend! Ich hoffe, dass sie nochmal auf Tour gehen, damit ich mir ein weiteres Konzert anschauen kann.«

Wie unterscheidet sich euer aktuelles Album „The Quantum Enigma“ von den vorherigen EPICA-Alben?

»Ich finde, im Sound und den Songs hört man einige Unterschiede zu unseren anderen Alben. Joost van den Broek hat „The Quantum Enigma“ produziert und mit Mixer Jacob Hansen haben wir auch zum ersten Mal gearbeitet. Wir konnten bestimmte Sachen anders machen, weil wir wegen meiner Schwangerschaft eine große Pause hatten und damit viel Zeit. 2013 haben wir mit „Retrospect“ unser zehnjähriges Bandjubiläum gefeiert. Danach war es an der Zeit, wieder nach vorne zu schauen und etwas Neues auszuprobieren. Die fünf Jungs haben Songs geschrieben und wir haben uns oft getroffen, obwohl wir alle weit auseinander wohnen. Es war ein sehr intimer Arbeitsprozess, was der Platte zugute kam. Es stimmt einfach alles, weil wir richtig viel Zeit hatten, alles vorzubereiten. Wir haben aus einer Auswahl von über 25 Songs nur die allerbesten ausgewählt. Unter anderem weil wir uns im Studio viel Zeit gelassen haben, war es für uns auch die teuerste Platte bis jetzt. Aber das war es auf jeden Fall wert. Wir dachten uns: Wir hatten mit den letzten Alben Riesenerfolge, jetzt probieren wir es mal anders, so wie wir es gerne machen möchten. Wir sind Risiken eingegangen, eben weil wir auch mit neuen Leuten gearbeitet haben, aber manchmal muss man einfach Dinge ändern, um die Sache spannend zu halten und den Spaß daran zu bewahren. Ich meine, wir haben fast ununterbrochen getourt und die kleine Pause, die neuen Songs und die Babys, denn ich war zu der Zeit schwanger und die Frau unseres Keyboarders Coen (Janssen) auch, haben alles etwas entspannt. Da ging es also nur darum, Babyzimmer einzurichten und neue Songs zu schreiben!«

Du hast gerade deine Schwangerschaft angesprochen: Hat die Geburt deines Sohnes Vincent die Arbeit am Album beeinflusst?

»Ja, auf jeden Fall. Es war sehr anstrengend für mich, da ich schon kurz nach der Geburt meinen Gesang aufgenommen habe. Mein Sohn war natürlich mit im Studio, hatte ständig Hunger, ich war müde und musste trotzdem eine Topleistung bringen. Ich war zwar noch nie so erschöpft, aber es hat sich gelohnt. Ich bin sehr stolz auf das Ergebnis und empfinde die neuen Songs als meine bisher beste Gesangsleistung, obwohl ich wirklich todmüde war - keine Ahnung wie ich das geschafft habe. Natürlich bekam ich sehr viel Hilfe von meiner Mutter und meinem Mann, die dann zwischendurch auf den Kleinen aufgepasst haben. Auch unser Gitarrist Isaac (Delahaye) hat für einen Tag den Onkel gespielt und Vincent durch die Gegend getragen. Eigentlich hatten wir schon vorher mit den Gesangsaufnahmen beginnen wollen, aber da ich zu dem Zeitpunkt erkältet war, war das keine Option. Das macht einfach keinen Sinn, es sei denn, man möchte einen speziellen Effekt erzielen, den ich persönlich nicht schön finde. Deswegen konnte es eben erst später losgehen. Aber mit Joost zusammen haben wir sehr effizient gearbeitet. Ich beispielsweise habe für mehr Songs weniger Zeit gebraucht, als auf den anderen Platten. Wir waren einfach ein tolles Team!«

Ich kann mir vorstellen, dass man in dieser Situation auf ungeahnte Kräfte zurückgreifen kann.

»Ja, das stimmt. Ich weiß nicht, woher diese Kraft kam, aber ich war wirklich Superwoman! Ich habe gestillt, schnell gegessen, nicht geschlafen und tagsüber gesungen. Singen ist körperlich sehr anstrengend und wenn man dann nachts nicht schlafen kann, ist man natürlich schlecht drauf. Dann noch das Stillen dazu, das laugt einfach aus – genau wegen dieser Anstrengungen bin ich noch ein bisschen stolzer auf die Platte. Es war harte Arbeit, hat sich aber sehr gelohnt.

Die Quantenphysik – wie in „The Quantum Enigma“ thematisiert - ist ein eher ungewöhnliches Konzept für ein Metalalbum. Wie kam es dazu?

»Unser Gitarrist Mark Jansen interessiert sich sehr dafür. Er hat in „Design Your Universe“ schon einmal darüber geschrieben und findet dieses Konzept sehr inspirierend. Unsere Texte sind oft auch philosophisch angehaucht – die Lyrics sind uns sehr wichtig. Viele Fans schätzen, dass es bei uns nicht nur um Drachen und „Lord Of The Rings“ geht. Nicht, dass ich das nicht schön fände, aber unsere Texte tragen auch eine aktuelle Botschaft. Klar, Quantenphysik ist ein außergewöhnliches und schwieriges Thema, aber die Metalfans sind ja größtenteils sehr intelligent und freuen sich über Denkanstöße. Uns ist wichtig, dass man ein bisschen über den Tellerrand hinwegsieht und sich damit beschäftigt, was in der Welt los ist.«

Du verfasst auch Songtexte für die Band, zum Beispiel 'Unchain Utopia'. Fällt es dir leicht, einen Song in Wort zu fassen?

»Es gibt Songs, bei denen es mit den Texten sehr schnell geht und es gibt eben jene, die man erst auf den letzten Drücker vollendet. Wenn wir die Gesangslinie schreiben, haben wir erst einmal blöde Texte - wir nennen das Käsetext. Die sind dann ultraromantisch und blöd, damit diese Gesangslinie besser läuft. Manchmal mutet das schon fast wie Schlager an! Wenn wir dann damit fertig sind, schreiben Mark und ich nach unserem Konzept die tatsächlichen Texte. Normalerweise teilen Mark und ich uns die Songtexte auf, aber dieses mal hatte er die meiste Arbeit, da ich zu der Zeit ja gerade entbunden hatte und mit einem Neugeborenem auf dem Schoß die Texte schreiben musste.«

Das Album klingt sehr cineastisch ('The Fifth Guardian', 'Canvas Of Life'). Welche Filme schaust du dir gerne an?

»Alles außer romantische Filme. Vor allem diese amerikanischen romantischen Komödien, das ist überhaupt nicht mein Ding. Ich mag eher die Science-Fiction- oder Fantasy-Schiene und bin ein riesiger Fan von Tim Burton. Für mich ist Filmmusik sehr wichtig. Ein Beispiel: Bei „Gladiator“, einem meiner Lieblingsfilme, muss ich immer am Ende weinen, wenn er stirbt. Manchmal habe ich allerdings das Gefühl, dass es vor allem die Musik ist, die mich zum Weinen bringt. Wenn die Musik nicht stimmt, dann kann ich auch den Film nicht genießen. Von Mark weiß ich, dass er Hans Zimmer, Danny Elfman und John Williams toll findet. Natürlich fließt das in das Songwriting ein und ich empfinde unsere Songs als Filme ohne Bild.«

Ich habe mir dein Blog SmoonStyle  angeschaut und fand die Beschreibung "the behind the scenes of my life" sehr passend. Ist es dir wichtig, auch neben deiner Sängerrolle bei EPICA öffentlich wahrgenommen zu werden?

»Ich habe neben EPICA noch viele andere Leidenschaften, die aber genauso auch für EPICA eingesetzt werden können, wie zum Beispiel Make-up, Klamotten, Design. Ich habe mal als Visagistin gearbeitet und mache das immer noch gerne. Auch Fotografie ist eine Kunst, die mich sehr begeistert. Ich mag Photoshootings, mache aber auch selber gerne Bilder. Es ist schön, durch Social Media die Möglichkeit zu haben, mit den Fans in Kontakt zu treten. Obwohl mein Mann (Kamelot-Keyboarder Oliver Palotai - nh) ja auch Musiker ist und wir dadurch beide in der Öffentlichkeit stehen, gebe ich allerdings nicht zu viel von meiner Familie preis. Trotzdem ist es schön, persönliche Dinge zu posten und andere daran teilhaben zu lassen. Übrigens teile ich auch gerne Rezepte, da ich es liebe, zu kochen. Ich bin quasi Rockstar und Hausfrau!«

Welchen Song, ganz egal welchen Genres, würdest du gerne einmal einsingen?

»Das ist eine gute Frage. Ich liebe den „Nightmare Before Christmas“-Soundtrack und habe, als wir mit der Band an Halloween 2012 in Kanada gespielt haben, 'Sally's Song' gesungen. Meine Version habe ich zwar bisher nur live gesungen, aber sie kam bei den kanadischen Fans sehr gut an. Ich habe natürlich auch das entsprechende Sally-Make-up aufgelegt, mit Nähten, die durch das Gesicht laufen und so weiter. Das war eine spontane Idee. Ich glaube, man kann sich das Video auch bei Youtube anschauen! Bald ist ja schon wieder Halloween, vielleicht sollte ich ein paar Halloween-inspirierte Make-up-Ideen posten!«

Zum guter Letzt: Gibt es noch etwas, das du den Fans und Rock-Hard-Lesern sagen möchtest?

»Da wir ab Mitte Januar auch Shows in Deutschland spielen, würde ich natürlich gern viele der deutschen Fans sehen. Dasselbe gilt auch für Neugierige, die vielleicht noch Fans werden möchten. Kommt vorbei und schaut euch die Show an! Es gibt jede Menge Spaß, gute Musik, Bier – was will man noch mehr?«

 

 

www.facebook.com/epica

http://epica.nl/

 

Pics: Stefan Schippers (Promo)

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

ANNIHILATOR + BEHEMOTH + BLACK MESSIAH + BRAINSTORM + DELAIN + EISREGEN + FINNTROLL + KATAKLYSM + KISSIN' DYNAMITE + KORPIKLAANI + u.v.m.08.07.2016
bis
10.07.2016
GeiselwindOUT & LOUD FESTIVALTickets
RAMMSTEIN + DEEP PURPLE + EVANESCENCE + IN FLAMES + FIVE FINGER DEATH PUNCH + ROB ZOMBIE + EMPEROR + ALTER BRIDGE + EUROPE + EPICA + u.v.m.16.06.2017
bis
18.06.2017
BE-DesselGRASPOP METAL MEETINGTickets
MEGADETH + KREATOR + WINTERSUN + ELUVEITIE + MGLA + HEAVEN SHALL BURN + VITAL REMAINS + EPICA + HAIL OF BULLETS + HATEBREED + u.v.m.16.08.2017
bis
19.08.2017
DinkelsbühlSUMMER BREEZETickets