Online-MegazineInterview

Partymonium: Die wildeste Party Deutschlands

PARTYMONIUM

Thorsten Wilms ist (unter seinem Bühnennamen Rod Usher) nicht nur als der Frontmann der Horror-Punk-Combo The Other bekannt, sondern veranstaltet seit einigen Jahren in Köln die wohl bekannteste Hair-Metal-Party Deutschlands: Das PARTYMONIUM. Wir unterhielten uns über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der bis über die Landesgrenzen hinaus beliebten Veranstaltung.

Thorsten, ihr geht mit eurer Party jetzt in das sechste Jahr - wie würdest du die Entwicklung des PARTYMONIUM zusammenfassen?

»Das ist eine gute Frage! Als wir mit der Reihe angefangen haben, hätte ich niemals damit gerechnet, dass wir auf der dritten Veranstaltung bereits mehr als 400 Gäste begrüßen können würden. Die PARTYMONIUM ist rasend schnell gewachsen. So lange wir noch in unserer alten Location, dem Bogen, gefeiert haben, blieb das auch so. Mit der Zwangsverlegung im vergangenen Jahr hat ein kleiner Publikumsaustausch stattgefunden. Einige unserer langjährigen Gäste haben den Wechsel in die Kölner Werkstatt, aus welchen Gründen auch immer, nicht mitgemacht. Die Party wird allerdings auch im neuen Club noch sehr gut besucht, und die Leute rocken sich nach wie vor den Arsch ab. Man kann sich natürlich immer noch ein bisschen steigern (lacht).«

Da du gerade den Wechsel der Location ansprichst: Im vergangenen Jahr hat euer langjähriger Veranstaltungsort die Pforten geschlossen, momentan findet die Party in einem Club in Köln-Ehrenfeld statt. Soweit ich gehört habe, habt ihr Pläne, im Laufe des Jahres erneut umzuziehen.

»Ganz genau. Wir haben auch in den vergangenen Jahren immer mal wieder Specials in anderen Clubs gemacht, aber es hat sich herausgestellt, dass der Bogen aufgrund seiner abgerockten Atmosphäre mit Abstand am besten angenommen wurde. Vermutlich denken viele Leute einfach, dass "Metal" und "ranzig" gut zusammenpasst (lacht). Dazu kommt noch, dass der Bogen sehr zentral am Kölner Hauptbahnhof gelegen war. Das war natürlich ein Riesenvorteil für diejenigen, die für die Party von weiter weg anreisen. Ehrenfeld ist zwar das Kölner Partymekka, aber für Auswärtige ein wenig umständlicher zu erreichen, wenn man nicht gerade mit dem Auto kommt. Der ehemalige Betreiber des Bogen eröffnet demnächst einen neuen Club, der unweit des Hauptbahnhofs gelegen sein wird. Wenn alles so läuft, wie wir uns das vorstellen, dann wird das eine richtig tolle Location, die einen coolen Industriecharme versprüht.«

Wie seid ihr damals darauf gekommen, die PARTYMONIUM ins Leben zu rufen? Als ihr mit der Partyreihe vor fünfeinhalb Jahren gestartet seid, war Glam Metal, um es vorsichtig zu formulieren, in Deutschland nicht gerade "in".

»Stimmt. Damals lief in Deutschland, so weit ich das mitbekommen habe, wirklich noch nichts in der Richtung. Ehrlich gesagt war ich damals auch mit den jüngeren skandinavischen Bands des Genres noch überhaupt nicht vertraut. Ich dachte, dass so eine Party eher etwas für so alte Leute wie mich, die die Achtziger live erlebt haben und noch mal ein bisschen tanzen gehen wollen, ist.
Vor etwa sechs Jahren war ich mit meiner damaligen Freundin in Miami im Urlaub, und wir haben unter anderem Vince Neils (Mötley-Crüe-Fronter - jp) Dr.-Feelgood-Bar besucht. In der Bar lief total coole Musik aus den Achtzigern, die der DJ aber leider mit ein paar hippen, modernen Beats unterlegte. Der ganze Laden war mit Memorabilien von Mötley Crüe vollgestopft, Bühnenoutfits, Gitarren, goldene Schallplatten, und so weiter. Ich fand das Konzept sofort absolut geil. In Deutschland gab es nichts vergleichbares. Ich habe noch aus meinem Urlaub Bernd Dialek, mit dem ich in der Vergangenheit schon verschiedene Partys veranstaltet hatte, angerufen. Bernd war sofort begeistert, und wir haben uns noch am Telefon darauf geeinigt, im September loszulegen. Danach ging alles Schlag auf Schlag.
Die Inspiration kam also direkt aus Amerika. Nebenbei habe ich damals gerade ein Buch mit dem Titel "American Hair Metal" gelesen, das das ganze Genre ein wenig ironisch beleuchtet hat. Ich dachte mir, wenn wir eine Party aufziehen, dann auch mit einem Augenzwinkern. Das Ergebnis unserer Bemühungen hat eingeschlagen wie eine Bombe. Wenig später kamen Steel Panther zum ersten Mal nach Deutschland, und das hat unserer Party auch noch mal einige neue Gäste beschert, obwohl wir die ganze Sache natürlich nie so satirisch wie die Band gesehen haben.«

Inzwischen gibt es zumindest NRW-weit einige Veranstaltungen, die euch nacheifern.

»Ja, die sprießen wie die Pilze aus dem Boden. Ich habe das Gefühl, dass ich bald jeden Tag auf eine Glam-Metal-Veranstaltung gehen könnte (lacht).«

Trotzdem muss man euch zugestehen, dass ihr mit dem Konzept nach wie vor am erfolgreichsten seid. Würdest du sagen, dass euch der Standort Köln in der Hinsicht zugute kommt? Die Rheinländer verkleiden sich bekanntermaßen gerne, und lassen auch keine Party anbrennen...

»Ich glaube, dass sich unser Erfolg vor allem in zwei Dingen begründet: Zum einen sind wir nun mal das Original, und das merken die Leute auch. Das PARTYMONIUM kann man inzwischen durchaus als Markenbegriff bezeichnen. Zusätzlich gestalten wir unsere Location mit viel Liebe zum Detail. Bei uns gibt es Schminktische, passende Poster, aufblasbare Gitarren, und, und, und. Auf der anderen Seite, da gebe ich dir hundertprozentig Recht, ist Köln eine absolut offene, feierfreudige Stadt. Das merkt man nicht nur am traditionellen Karneval, sondern etwa auch an Veranstaltungen wie Halloween, die hier ebenfalls begeistert aufgenommen wurden. Speziell zu den Anfängen der PARTYMONIUM sind extrem viele Leute in Stretchhosen und mit Perücken auf der Party aufgetaucht. Das hat inzwischen etwas nachgelassen, aber die Gäste donnern sich immer noch mächtig auf. Viele Mädels sind halb nackt, und die Kerle werfen sich in die geilsten Achtziger-Outfits. Richtig geil finde ich, dass die Leute, die von außerhalb kommen, sich sofort in dieses Kölner Lebensgefühl integrieren.«

Wie würdest du jemandem, der noch nie auf der PARTYMONIUM war, die Veranstaltung schmackhaft machen?

»Das ist eine schwierige Frage, mit der ich immer wieder kämpfe, wenn ich zum Beispiel eine Newsmeldung schreibe. Wenn es sich um jemanden handelt, der auf Brautschau ist, würde ich sagen, dass es bei uns superheiße Mädels in knappen Klamotten gibt, die genau so viel Lust sich auszutoben haben, wie die Jungs. Musikliebhabern würde ich erklären, dass wir richtig geilen Kram aus den Achtzigern spielen, aber auch die jüngeren Bands des Genres nicht vernachlässigen. Hier kann man entweder seine Jugend wieder aufleben lassen, oder Hits aus einer Zeit entdecken, in der man vielleicht noch gar nicht geboren war. Außerdem spielen wir auch obskurere Songs, die jemand, der bisher vielleicht nur Mötley Crüe und Alice Cooper gehört hat, mit Sicherheit noch nicht kennt.
Am Ende läuft es aber einfach auf eines heraus: Wir feiern die wildeste Party Deutschlands, spielen die größten Hits, und haben die beste Stimmung im Laden (lacht).«

 

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