Online-MegazineInterview

SINK THE SHIP

Optimistischer Neustart

SINK THE SHIP

"So like I said I don’t fuck with second chances…" hallt es in bester A DAY TO REMEMBER-Manier durch die heiligen Hallen der mehr als "trven" Redaktion. Ich spitze die Lauscher und wundere mich über die dann doch arg ungewohnten Klänge. Easycore im Rock Hard? Ungewohnt, aber der Sommer steht auch bald vor der Tür und Black Metal bei Sonnenschein ist auch nicht wirklich das Wahre. SINK THE SHIP heißt die Band, die den passenden Soundtrack für die warme Jahreszeit liefert und ihren Weg auf die Plattenteller der Redaktion gefunden hat. „Nun gut“, denke ich mir. „Dann geben wir dem Ganzen doch mal eine zweite Chance.“ Und während Sänger Colton Ulery nicht viel von einer zweiten Chance hält, bin ich doch froh, ein weiteres Mal in die kommende SINK THE SHIP-Platte „Persevere“ reingehört zu haben. Schließlich wird es ja auch einen Grund haben, wenn Nuclear-Blast-Chef Markus Staiger das Debüt-Album einer bis dato völlig unbekannten Band in den Himmel lobt.

Hi Colton, zu aller erst einmal herzlichen Glückwunsch zu eurem Signing bei Sharptone Records. Nuclear Blast-CEO und Sharptone-Mitbegründer Markus Staiger ist völlig aus dem Häuschen wegen eures kommenden Debüt-Albums „Persevere“ – er nennt SINK THE SHIP jetzt schon die Entdeckung des Jahres in Sachen Easycore. Wie fühlt es sich an, so ein riesiges Lob von jemandem wie Staiger zu bekommen, bevor euer Album überhaupt erschienen ist?

»Es fühlt sich absolut großartig an, wenn auch schon fast ein wenig unglaublich. Markus hat vollstes Vertrauen in den Erfolg des Albums und steht zu 100 Prozent hinter uns. Für uns als Newcomer bedeutet das wahnsinnig viel.«

Ihr habt mit 'Domestic Dispute', 'Second Chances' und 'Everything' drei Vorabsingles veröffentlicht. Waren die Reaktionen eurer Fans auf die neuen Tracks ebenso fantastisch wie die von Markus?

»Die Reaktionen sind auf jeden Fall ähnlich positiv ausgefallen, zumindest haben wir das so wahrgenommen. Vor allem mit 'Second Chances' konnten wir ordentlich Wirbel machen und die Hörer überraschen. Im Vergleich zu unserer ersten, eher poppigen Single 'Domestic Dispute' fällt der Song bedeutend härter aus – Sowohl musikalisch als auch inhaltlich. Ich glaube der Erfolg des Tracks liegt vor allem in diesem Kontrast begründet.«

Newcomern stelle ich immer gerne die Frage nach dem Ursprung und der Bedeutung ihres Bandnamens. Auf der Suche nach einer tieferen Bedeutung eures Namens bin ich allerdings lediglich auf ein Sportspiel für Grundschüler und eine obskure Techno-Platte gestoßen. Wolltet ihr eure Liebe zu Grundschulsport und Techno-Raves bekunden oder wie sind SINK THE SHIP entstanden?

»Haha, nein, weder noch. Soll ich ehrlich sein? Hinter dem Namen steckt keine großartige, tiefere Bedeutung, auch wenn es vielleicht zuerst so scheinen mag. Als wir die Band 2012 gegründet haben und auf der Suche nach einem Bandnamen waren, haben wir uns einfach Phrasen an den Kopf geworfen und 'Sink The Ship' klang cool, also haben wir uns dafür entschieden. Manchmal wünschte ich, wir hätten uns etwas Cleveres mit einer tiefen Bedeutung einfallen lassen, aber es funktioniert scheinbar auch so.«

Ihr habt euer kommendes Album zusammen mit Bert und Eric Poncet von Chunk! No, Captain Chunk! produziert – Bert konntet ihr auch als Gastsänger für 'Domestic Dispute' gewinnen. Wie habt ihr euch kennengelernt und wie verlief die Zusammenarbeit mit einer der größten Bands unter dem Easycore-Banner?

»Mit Bert und Eric zusammenzuarbeiten hat echt Spaß gemacht. Die Jungs haben uns wirklich gepusht und während des Aufnahmeprozesses alles aus uns rausgeholt. Ohne die beiden wäre das Album höchstwahrscheinlich nicht einmal halb so gut geworden. Keiner von uns hat Bert und Eric zuvor persönlich gekannt – wir haben uns also tatsächlich alle das erste Mal im Studio getroffen und kennen gelernt. Die beiden sind absolut klasse Jungs und haben einen phänomenalen Job gemacht.«

Welche Bands haben euren Sound neben offensichtlichen Einflüssen wie A Day To Remember oder eben Chunk! No, Captain Chunk! am meisten beeinflusst?

»Eigentlich könnte ich da jede einzelne Pop-Punk- und Metalcore-Band zwischen 2005 – 2012 nennen. Wir sind da nicht sonderlich wählerisch, aber klar, Chunk! No, Captain Chunk! sind ein großer Einfluss, oder aber auch Miss May I, deren Sänger Levi Benton auch einen Gastpart auf 'Everything' abgeliefert hat.«

Im Vergleich zu anderen Bands aus dem Genre beschäftigt ihr euch in euren Texten oftmals mit ernsten, persönlichen Themen. Auf eurer Facebook-Seite nennt ihr jede einzelne Sekunde eures Lebens als größte Inspirationsquelle - wie wichtig ist es für euch, Dampf abzulassen und eurem Frust mit der Musik ein Ventil zu verschaffen?

»Auf jeden Fall sehr wichtig! SINK THE SHIP sind für uns unser Hauptventil, um Frust, Angst und alle anderen negativen Gefühle zu verarbeiten. Wenn irgendwer mich auf einer sehr persönlichen Ebene kennenlernen will, der muss sich bloß „Persevere“ anhören.«

Auf 'Second Chances' – dem Opener eures Albums – machst du unmissverständlich klar, dass du kein Freund davon bist, Menschen eine zweite Chance zu geben. Witzigerweise war dies genau der Song, wegen dem ich mir euer Album ein zweites Mal angehört habe. Was hat dich dazu veranlasst, einen solch negativen Text zu verfassen?

»Die Inspiration für den Song lieferten all die ganzen Idioten, mit denen ich in meinem Privatleben zu tun hatte. Auch als Band mussten wir uns vor allem zu Beginn mit vielen toxischen Personen abgeben, die uns das Leben echt schwer gemacht haben. Mit 'Second Chances' rechnen wir mit all diesen Menschen ab.«

 Trotz aller Ernsthaftigkeit eurer Texte bemüht ihr jedoch stets darum, sowohl inhaltlich als auch musikalisch eine positive Komponente in eure Musik zu integrieren. Versucht ihr, trotz aller Rückschläge und negativer Erfahrungen immer positiv zu bleiben?

»Das ist etwas, dass ich mir über die Jahre von Senses Fail abgeguckt habe. Ernsthafte Texte mit eingängiger Musik zu kombinieren - so schreibe ich eigentlich am liebsten Songs. Ich finde es wichtig, einen Kontrast zu schaffen, um so eine emotionale Balance zu halten.«

Dieser Kontrast lässt sich auch im Artwork zu „Persevere“ erkennen. Wer hat das Albumcover entworfen und was war euer Gedankengang bei der Gestaltung?

»Das Cover für „Persevere“ wurde von Michael Cortada entworfen. Der hat auch schon Artworks für Bands wie A Day To Remember, Pierce The Veil und I Prevail entworfen, welche großartig aussehen. Das Design haben wir gemeinsam entworfen, nachdem wir uns gegenseitig unsere Ideen vorgestellt haben. Michael hat wirklich einen super Job gemacht, unsere Vision zum Leben zu erwecken.«

Mit eurem Debüt habt ihr euch thematisch weiter von den gängigen, übermäßig positiven Easycore-Klischees entfernt. Zuvor seid ihr jedoch anscheinend weniger ernst an die Sache herangegangen. Zumindest lässt euer 'My Shiny Teeth And Me'-Cover-Song aus dem Nickelodeon-Cartoon "The Fairly Odd Parents" darauf schließen. Ist das ein einmaliges Ding gewesen oder habt ihr vor, in Zukunft öfter solche Songs zu covern?

»Haha, ich habe die Sendung als Kind geliebt. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr genau, wie die Idee zu diesem Cover entstanden ist – aber ich bin froh, dass wir es getan haben. Wir hören uns den Song immer wieder gerne an, weil wir einen riesigen Spaß bei den Aufnahmen hatten. Und wer weiß, vielleicht machen wir so etwas nochmal, da will ich mich gar nicht festlegen.«

Interessanterweise findet man zu eurer musikalischen Vergangenheit so gut wie keine Informationen, geschweige denn Musik. 2017 habt ihr dann eine kurze Bandpause eingelegt, um euch zu sammeln. Was war der Grund für euren Neuanfang?

»Wenn du kein SINK THE SHIP-Fan vor unserer Pause warst, kannst du eigentlich gar nicht wissen, dass wir zwei EPs vor unserem ersten Album veröffentlicht haben. Einige Songs unser letzten EP "From The Bottom" sind auf dem neuen Album vertreten, die haben wir dann einfach neu aufgenommen. Wir wollten einen kompletten Neuanfang mit einem neuen Label starten, also haben wir unsere ganze alte Musik aus dem Netz entfernt, da sie nicht mehr unser heutiges Level repräsentiert. Vielleicht veröffentlichen wir die beiden EPs noch mal neu, wenn unser Label Bock darauf hat, aber ansonsten werdet ihr unsere alte Musik erstmal nicht zu Ohren bekommen. Außerdem haben unser Gitarrist Brandon und ich uns deutlich weiterentwickelt als Songwriter.«

Mit neuen Songs im Gepäck habt ihr auch wieder angefangen, live zu spielen. Derzeit seid ihr mit euren Genrekollegen von Settle Your Scores und Telltale unterwegs. Wie sieht für euch die perfekte Live-Show aus?

»Live-Shows sind einfach das Beste an der ganzen Sache, wir haben auch richtig Bock auf die anstehenden Konzerte und freuen uns, den Leuten unsere neuen Songs zu präsentieren. Es mag zwar unspektakulär klingen, aber eine perfekte Show ist eine, bei der wir nicht mit technischen Problemen zu kämpfen haben und alles glatt läuft. Davon hatten wir vor allem zu unseren Anfangszeiten gar nicht mal so viele, aber man lernt mit der Zeit ja auch viel dazu.«

Und zu guter Letzt – wie sehen eure Zukunftspläne für SINK THE SHIP aus, jetzt wo der Neustart geglückt ist?

»Unser Album erscheint zwar erst am 27. April, doch wir arbeiten jetzt schon eifrig an einem Nachfolger. Das Sharptone-Signing hat uns hungrig gemacht und wir haben nicht vor, in der nächsten Zeit aufzuhören. Diese Chance hat in uns ein neues Feuer entfacht, welches lange brennen wird.«

Na dann kippt mal weiter fleißig Spiritus ins Feuer und viel Erfolg mit eurem neuen Album!


Und wenn ihr, liebe Leser, keine Berührungsängste mit poppigem Metalcore haben solltet und einen neuen Soundtrack für die anstehende Grillparty sucht – hört in die neue SINK THE SHIP-Platte „Persevere“ rein, welche am 27. April via Sharptone Records erscheint.

 

www.sinktheshipband.com

www.facebook.com/sinktheship

 
 

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