Online-MegazineInterview

VENOM INC.

Online-Ergänzung zu Rock Hard Vol. 363

VENOM INC.

Hier findet ihr die Online-Ergänzung zum VENOM INC.-Interview aus Rock Hard Vol. 363 mit Bassist und Sänger Tony „Demolition Man“ Dolan.

Tony, wenn du so von damals sprichst, fühlt sich das für mich fast magisch an, weil ich mit meinen 23 Jahren nur Bücher über die Zeiten damals lesen kann und es liebe, mich mit den Anfängen und der alten Schule zu beschäftigen.


»So inspirierend das damals war, es war für uns an sich normal und alltäglich. Ich hab Tapes getauscht mit Leuten von Metallica, Sodom und Tom G. Warrior selbst. Wir waren einfach junge Leute, die Bock auf Heavy Metal hatten. Und ich weiß auch, dass du mit 23 jetzt viele andere junge Leute in deiner Umgebung kennst, die Musik machen, in Proberäumen abhängen, in kleinen Clubs spielen, Tapes aufnehmen und ihre Musik mit anderen teilen – und ungefähr so war das damals einfach auch. Allerdings war damals alles eine Community, alle waren durch diese eine Sache so stark vernetzt und du konntest diese besondere Verbindung fühlen und auch fühlen wie sie wuchs und explodierte und es war unglaublich, Teil davon zu sein. Doch du mit deinen 23 Jahren befindest dich auch in einem wundervollen Moment, wenn du mich fragst, du kannst nicht nur Bücher lesen, sondern auch Tom Warrior mit Triptykon live sehen, du kannst Cronos, Mantas und Abbadon sehen, du kannst immer noch Sodom, Destruction oder Metallica genauso wie Obituary oder Death – wenn auch ohne Chuck – sehen. Und noch dazu kannst du auch die neuen Extreme-Metal-Bands erleben und das ist doch noch viel besser. Wir hatten damals nur uns und das war's, während du uns und das neue Zeug hast, das ist einfach genial!«

Du bist 1989 bei VENOM eingestiegen und hast dann auf den drei Alben „Prime Evil“, „Temples Of Ice“ und „The Waste Lands“ mitgemischt. Wie hast du VENOM zu dieser Zeit erlebt? Der Hype schien etwas abzuflachen.

»Ja, dass das alles so kam, liegt an einer Kette von verschiedensten Ereignissen: Nicht nur, dass meine eigene Band (Atomkraft – mam) auf dem selben Label war, Cronos und ich hatten damals jeweils auch noch feste Freundinnen, die sich beide sehr gut kannten und auch Mantas und ich pflegten eine lange Verbindung und waren einfach wie Brüder, also hab ich die Jungs schon immer als meine Freunde unterstützt, aber stand auch total auf die Musik, die sie gemacht haben, zumal ich auch selbst extremen Kram gespielt habe zu der Zeit. Auf einer Tour mit Nasty Savage und Exumer kam ich dann mit Abbadon, der als Tour-Manager mit dabei war, ins Gespräch, weil meine Band drauf und dran war, sich aufzulösen, was mich echt getroffen hat. Einige Tage später rief mich Abbadon an und meinte, ich solle mal vorbeikommen. Ich dachte, er wolle mir irgendwelche Ratschläge bezüglich der Zukunft von Atomkraft oder so geben. In der Diskussion kam aber auf, dass die Jungs einen neuen Recorddeal für drei Alben und eine EP hatten, und, dass Cronos die Band verlassen habe. Ich meinte nur: „Scheiße, und was wollt ihr jetzt tun?“ Und er antwortete, dass sie einen neuen Sänger haben wollen, woraufhin ich begann nachzudenken und einige Namen von Leuten aufzählte, die mir in den Sinn kamen. Abbadon fing nur an zu lachen und meinte, dass sie mich wollen (lacht). Ich hab mich natürlich total gefreut und meinte, dass ich das machen würde, aber nur, wenn Mantas wieder zurückkäme, denn nur dann erschien es mir legitim. Ich glaube, Mantas war erst mal nicht so scharf darauf zurückzukehren als Abbadon ihn fragte, aber als ich noch mal mit ihm gesprochen habe ihm klar machte, dass ich dort nur einsteige, wenn er auch mitmacht, meinte er, er mache es nur, wenn ich es auch mache – also haben wir es gemacht (lacht). Na ja und aus ganz vielen neuen, kreativen Energien heraus ist dann „Prime Evil“ entstanden und irgendwie waren wir da auch super heiß drauf. Darum lief es wohl auch echt gut und es ging weiter zu „Temple Of Ice“, aber schon da war irgendwie ein bisschen der Wurm drin, wir waren mit vielen Sachen nicht zufrieden und wenn wir es waren, dann war es das Label nicht und solche Sachen. Das hat uns etwas den Willen geraubt. Und in der Zeit von „The Waste Lands“ waren die Neunziger schon im vollen Gange, das heißt: Grunge war zu der Zeit das Größte in Amerika und schwappte auch zu uns nach England rüber, wo im Übrigen gerade Britpop wie Oasis total im Trend war, sodass die Verkäufe unserer Alben zurückgingen. Ich glaube weniger, dass die Bedeutung der Band abnahm, sondern dass die Hochphase des Genres erst mal abschwoll. Dann kamen auch noch einerseits Pantera und Co. sowie andererseits der Black Metal selbst in seiner extremen zweiten Welle auf und all das hat die Welt ein bisschen auf den Kopf gestellt. Wir selbst fühlten zu dieser Zeit aber auch, dass wir erst mal getan haben, was wir tun sollten, und, dass wir erst mal nichts mehr weiter zu tun haben, also ging das so zu Ende und jeder ging erst mal seiner anderen Wege.«

Die ersten drei Alben haben thematisch nicht nur den Neunziger-Black-Metal stark geprägt, sondern werden auch heute noch von jungen Generationen abgefeiert – meinst du, die Songs tragen einen speziellen, zeitlosen Spirit in sich oder wie erklärst du dir das?


»Als wir Venom Inc. ins Leben gerufen haben, ging es uns auch genau darum – es war wichtig dorthin zurückzukehren, wo alles angefangen hat und quer durch das gesamte Vermächtnis zu spielen, damit Leute, die es sonst nur auf der Platte hören oder gehört haben, es wieder neu aufleben lassen und erleben, ja einfach wieder fühlen können. Auch die junge Generation soll das Gleiche fühlen, was ein Mann, der heute 54 ist, damals in den Achtzigern fühlte, als er diese Songs live gehört hat. Wenn wir auf die Bühne gehen und die Songs einfach nur nachspielen würde, ohne Emotion und Bedeutung, dann würde auch das Publikum dieses geile Gefühl nicht mitkriegen. Aber wir wollen es leben, denn darum ging es bei VENOM schon immer. Hör' dir die alten Tapes an, die waren dynamisch und pulsierend und so gefühlsgeladen und genau das möchte ich zurückbringen, wenn ich auf die Bühne gehe. Diese Songs erlauben einem einfach, frei zu sein und sich dem Erlebnis einfach hinzugeben, und das ist wichtig.
Dennoch kann man natürlich ein bestimmtes Album nicht noch mal aufnehmen, es kopieren oder dergleichen, denn du wirst niemals noch mal genau die gleiche Person sein, wie zu dem Zeitpunkt. Dein Leben verändert sich, die Dinge um dich herum verändern sich, die guten und die schlechten Dinge, ja die ganze Situation, in der du dich befindest sowie auch deine Einflüsse jeglicher Art verändern sich. Aber trotzdem bleibt zumindest noch ein Stück von dem, was du mal warst oder gefühlt hast in dir drin. Vielleicht denkt der 60-jährige Typ oder die 50-jährige Frau heute, dass dieses jugendliche Stück in ihr verloren ist, weil sie nun konform leben, Kinder haben, verheiratet sind, nur noch vor dem Fernseher hocken und Bier trinken oder weiß der Geier was. Wir wollen aber auch diese Leute, die einst mal auf unsere Musik abgegangen sind, wieder zu unseren Shows holen und ihnen zeigen, dass ein Teil dieser früheren Person noch immer in ihnen steckt – für eine Nacht sollen sie diesen Teil von sich frei ausleben können, sodass sie dann nach Hause gehen und sich erinnern, was noch alles in ihnen steckt. Ich erinnere mich, dass wir mal eine Show in Vancouver, Washington State, gespielt haben und dort ein Typ mit langem grauen Bart und grauem Haar war. Nach der Show kam der Typ zu mir, schüttelte mir die Hand und bedankte sich. Ich sagte ihm, dass ich mich freuen würde, dass ihm die Show gefallen hat und währenddessen zeigte er auf sein Gesicht, von dem Tränen herunterliefen. Ich fragte: „Oh fuck, bist du okay?” Und er antworte: „Ey, Mann, ich bin 56”, und ich so: “Ist das der Grund, weshalb du weinst, weil du 56 bist?” (lacht).  Und er meinte: „Nein, Mann, das ist deine Schuld, du hast diese Tränen verursacht, weil du 'Angel Dust' gespielt hast und ich mich wieder wie verdammte 18 gefühlt habe, schau dir an was du angerichtet hast, du bringst mich zum Heulen”, lachte er mich an. Und genau so was lieben wir, das ist der Spirit der Musik.«

Und habt ihr euch als junge Boys überhaupt dafür interessiert, was Aleister Crowley oder Anton LaVey zu sagen hatten?

»Cronos war immer gut belesen, er hat viele Bücher durchstöbert, genauso wie Abbadon, er hat immer viel recherchiert einfach aus seinem Interesse heraus, aber der Einzige, der wirklich einer Glaubenslehre gefolgt ist, bin ich. Das meine ich allerdings eher auf einer persönlichen Ebene, ich habe keine schwarzen Messen zelebriert oder bin in Wälder gerannt, um Hühner bis zum Tod verbluten zu lassen. Ich habe aus diesen ganzen Lehren – und eben auch der satanischen Bibel LaVeys – einen Ethos für mich herausgebildet. Ich glaube, LaVey war auch ein Schamane und dementsprechend hat er auch einige ziemlich grundsätzliche Dinge geschrieben, Dinge, die einfach nur Rat für ein richtiges Leben beinhalten. Wie in jeder Religion geht es auch im Satanismus grundsätzlich darum, aufzubauen, wer man ist und nur du weißt, wer du bist, was du willst und brauchst in Bezug auf alles Mögliche.«

Jetzt seid ihr als VENOM INC. zurück und habt euer erstes Album unter diesem Namen veröffentlicht. Was war euer Ziel? Ich meine, es ist klar, dass es unmöglich ist, eine zweite „Black Metal“ zu schreiben und ich konnte mir auch denken, dass ihr nicht mit dem typischen Achtziger-Rumpelsound um die Ecke kommt, aber „Ave Satanas“ ist trotzdem noch moderner geworden, als ich dachte.

»Wie mittlerweile bekannt ist, kam das ganze VENOM INC.-Ding ja mehr zufällig zustande, das haben wir ja nicht geplant und es sollte nur diese eine Show auf dem Keep It True geben, um die man uns bat. Als es dann wirklich dazu kam, dass wir ein Album machen, war für mich das Wichtigste, dass wir nicht zurückschauen und versuchen, uns selbst oder bereits veröffentlichte Alben zu kopieren, weil das einfach unecht und nicht authentisch wäre – und das habe ich so auch zu Mantas gesagt. Wir leben nicht mehr in 1991, '92 oder '93, wir leben im Jahr 2017 und deswegen müssen wir sein, wer wir sind. Wenn wir also dieses Album schreiben, meinte ich zu Mantas, dann soll das nach nichts anderem klingen, als nach Mantas, Abbadon und dem Demolition Man. Wir spielen, was und wie wir spielen, und wenn die Leute es mögen, dann mögen sie's und wenn nicht, dann nicht. Ich denke, dass alle unsere Charaktere auf dem Album vertreten sind, es gibt ein paar Oldschoolsounds, es gibt aber auch ein paar zeitgenössischere Songs und auch ein paar M-Pire Of Evils – das alles entstand aber organisch, wir haben nicht versucht irgendwas oder irgendwer zu sein. Der moderne Sound dürfte auf Mantas' Kappe gehen, er hat die Platte produziert und das ist auch gut so, weil er sehr sauber und fein arbeitet. Zum Beispiel kann er 24 Stunden lang am Sound der Snare rumbasteln, während ich nach zehn Minuten schon gelangweilt bin und am liebsten sagen würde: „Komm schon, hau auf die Snare, bang, fertig, haha!“«


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