Online-MegazineInterview

GRAND MASSIVE

Odyssee in Rekordzeit

GRAND MASSIVE

Die Veröffentlichungspolitik der bayrischen Stoner-Metal-Truppe GRAND MASSIVE lief bislang unter der Ägide „Klasse statt Masse“: Zwei EPs, zwei (Split-)Singles und ein Demo hat die Band zwischen 2008 und 2015 veröffentlicht. Nach der Veröffentlichung der EP „2“ im letzten Jahr haben sie dann offensichtlich einen Gang hochgeschaltet, so dass jetzt schon „III“ in den Läden steht. Das nehmen wir zum Anlass, mit Gitarrist Jochen Böllath über Plattenfirmenwechsel, Konzertreisen und Metallica zu sprechen.

Eure aktuelle EP „III“ ist nur ein Jahr nach „2“ erschienen. Wie kommt es, dass ihr diesmal so fix fertig geworden seid?

»Erstmal ist die „III“ für uns ein vollwertiges Album und keine EP. Früher waren die Klassiker von Abattoir, Megadeth oder Manowar teilweise auch nicht länger oder sogar kürzer, und auch heutzutage sind manche Alben nicht gerade länger als unsere Scheibe. Beide Platten des auch von euch hochgelobten Robert Pehrsson's Humbucker sind beispielsweise kürzer als unsere Scheibe, aber da habe ich noch nirgends eine Bezeichnung EP gelesen oder es wurde die Spielzeit bemängelt. Eine Platte muss in sich stimmig sein, und dieses Gefühl hatten wir einfach bei der „III“. Sicherlich hätte man noch einen Song draufpacken können, aber dann hätte es sich für uns nicht richtig angefühlt. Ich finde auch, dass es einigen Bands gut zu Gesicht stehen würde, nicht jeden geschriebenen Song aufs Album zu packen und lieber die Spielzeit zu reduzieren. Das täte manchen Alben extrem gut. Dieses Unding ist Ende der Neunziger, Anfang der 2000er aufgekommen und war mir schon immer ein Dorn im Auge. Aktuell denke ich da an die neue Metallica, der 4 bis 5 Songs weniger sehr gut getan hätten. Aber um auf deine Frage zurückzukommen: Wir hatten rund um die Veröffentlichung von der „2“ erstmals ein festes, stabiles und vor allem funktionierendes Line-up und waren danach ziemlich schnell wieder auf Kurs. Die Songs sind während oder unmittelbar nach der „2“ entstanden, die ja mehr oder weniger aus altem Material zusammengesetzt wurde.«

Nach der "Sleepwalker"-Single und "2" ist die Platte schon die dritte Veröffentlichung mit eurem "neuen" Sänger Alex Andronikos. Wie hat sich die Arbeit mit ihm verändert?

»Das stimmt, aber Alex ist so gesehen gar nicht unser „neuer“ Sänger, sondern unser einzig wahrer. Die Musik für das Debüt ist ja ohne Gesang von mir geschrieben worden, und dass Tony Hermansen den Songs eine Stimme gab, war für mich ein Wunschtraum. Danach war auch gar nichts mehr großartiges geplant, aber als das Interesse an der Band immer größer wurde und Tony auch nach Deutschland kam, um mit uns zu proben und beim Wacken Rocks South zu spielen, war klar, dass es aus logistischen Gründen mit ihm als Sänger nicht weitergehen konnte. Somit kam Alex ins Spiel und ist mittlerweile unverzichtbar geworden. Er hat einen großen Einfluss auf die Musik, gibt mit seinen Lyrics den Weg vor und gestaltet nebenbei auch die ganzen Artworks, Shirts, Sticker etc. Tony bekam etwas fertiges vorgesetzt und musste sich damit alleine zurechtfinden. Alex ist dagegen von Anfang an involviert und drückt sowohl den Songs als auch der ganzen Band seinen persönlichen Stempel auf.«

Gemischt hat die Platte mit John Hermansen eher ein Rock/Stoner-Fachmann, während für das Mastering mit Andy Classen eher ein Mann mit extremeren Referenzen verantwortlich war. Was ist der ausschlaggebende Punkt, nach denen ihr diese Posten besetzt?

»Genau diese Mischung, die du ansprichst. Der Mix aus unserem alten, eher im Stoner Rock verwurzelten Sound und dem Einfluss des neuen Materials, das eher vom Metal inspiriert wurde. John hat schon unsere Single gemischt und wir sind von seinen anderen Arbeiten wirklich begeistert, unabhängig davon, dass wir auch sehr gute Freunde sind. Nachdem unsere letzte Scheibe von Dan Swanö gemastert wurde, habe ich mich diesmal schnell an Andy gehängt. Nicht, dass wir mit Dans Arbeit unzufrieden waren, aber ich wollte unbedingt einmal mit beiden zusammenarbeiten, da ich sowohl großer Fan der „Finished With The Dogs“ (Holy Moses-Album, mab), als auch seit Demozeiten von EDGE OF SANITY bin. Ich finde, dass beide eine sehr gute Arbeit abgeleistet haben und aus den Aufnahmen das Maximum herausgeholt haben.«



Mit der Platte schielt ihr soundmäßig eher in die härtere Heavy-Rock- als in die klassische Stoner-Richtung, was zum Beispiel auch das Gastsolo von Mustasch-Gitarrist David Johannesson unterstreicht. Sucht ihr euch beim Songwriting eine Art "Fixpunkt", an dem ihr euch orientiert?

»Nein, ich denke nicht. Wir sind ja alle alte Metaller und somit sticht unser Lieblingssound halt auch immer mehr durch. Wir haben in der Band alle unterschiedliche Geschmäcker, aber auf Bands wie Crowbar und Down können wir uns einigen. Das ist aber nicht der Fixpunkt oder Anspruch der Band, so zu klingen. Ich persönlich mag weiterhin den guten alten Stoner Rock, wie er vor 15 bis 20 Jahren gespielt wurde. Andererseits kann ich mit den meisten Bands, die heutzutage unter diesem Genre laufen, wenig anfangen. Außerdem hat jeder von uns vorher in Thrash-, Doom- oder Death Metal-Bands gespielt. Zum aktuellen Sound haben wir uns ganz ohne Fixpunkte hinbewegt. Da es bei uns eigentlich immer zuerst um gute Riffs geht, war die Bewegung zu mehr Metal-Einflüssen vorauszusehen. Ein guter Metal-Song lebt nun einmal von seinem guten Riff und das ist unser Fixpunkt: gute Riffs zu schreiben.«

Wenn man sich eure Support-Slots anschaut, streckt ihr die Fühler sowohl in Richtung Metal als auch in Richtung Hard Rock aus. Wo fühlt ihr euch mehr zu Hause?

»Wir haben sowohl vor Red Fang, Corrosion Of Conformity als auch vor Overkill gut bestehen können und das macht uns schon glücklich. Aber wo fühlt man sich wohler? Wir haben einiges an Heaviness zugelegt, daher würde ich eher Richtung Metal tendieren.«

Wenn ich die Texte richtig interpretiere, geht's auf der neuen Platte um Vergänglichkeit im weitesten Sinne. Was macht für euch das Thema so interessant, dass ihr euch auf einer ganzen Scheibe damit beschäftigt?

»Die Vergänglichkeit spürt doch jeder im täglichen Leben. In seinem Umfeld, an sich selbst. Die Songs sind konzeptartig aufgebaut, bei "III" handelt es sich dennoch nicht um ein Konzeptalbum im klassischen Sinne. Die Platte erhält durch die Lyrics einen roten Faden, der von Verlust, Aufgabe und die dadurch wiedergefundene Stärke jeder Persönlichkeit handelt. Außerdem geht es um falsche Prediger und Propheten, den Missbrauch der Religionen und die täglichen Hindernisse in einer modernisierten Welt. Zusammengefasst also um eine moderne Odyssee, eine Irrfahrt durch die Welt, die sich so verändert hat und viele Menschen einfach nur noch überfordert.«

Ihr habt bis jetzt jede Veröffentlichung bei einem anderen Label gemacht. Steckt dahinter ein spezielles Kalkül oder was ist der Grund?

»Der Grund ist einfach, dass wir mit jeder Veröffentlichung ein besseres Angebot bekommen haben. Die erste Scheibe erschien über ein schwedisches Label und die letzte Scheibe über 7Hard. Wir waren mit 7Hard wirklich sehr zufrieden und die Leute dort sind wirklich super nett, aber dann kamen Metalville, die ich seit Jahren sehr schätze und mit denen ich schon länger in Kontakt bin. Ich glaube, wir sind mit jeder Scheibe einen kleinen Schritt vorangekommen und einfach glücklich, dort gelandet zu sein. Ich hoffe mal, dass wir dort auch bleiben dürfen.«

Ihr tretet leider nicht sehr häufig auf. Kann man sich in absehbarer Zeit auf eine längere Tour freuen?

»Eine längere Tour wäre natürlich super, wenn die Umstände passen. Sag niemals nie, aber momentan ist das alles relativ schwer mit der Familie und unseren Jobs unter einen Hut zu bringen. Ich könnte das eventuell schon regeln, aber wir sind halt fünf Leute und da wird es wirklich schwierig. Aber wenn das Paket stimmig wäre, könnte man sicherlich was organisieren. So ist das in dieser Hinsicht leider, wenn man nicht mehr 20 ist. Aber wir konzentrieren uns gerade auf ausgewählte Einzelshows und fahren bisher recht gut damit. Wir lassen uns mal überraschen und freuen uns natürlich über alle Angebote in dieser Richtung!«

Habt ihr ein großes Ziel, auf das ihr hinarbeitet, oder guckt ihr einfach, wohin es die Band treibt?

»Wir haben kein großes Ziel. Wir lassen uns treiben und schauen mal, was passiert. Wie bereits gesagt ist die Band schon ein sehr aufwändiges Hobby, das aber unglaublich viel Spaß macht und ich auf keinen Fall missen möchte. Wir haben jetzt mit ganz vielen alten „Helden“ von uns zusammengearbeitet, haben drei CDs veröffentlicht und mit einigen unserer Faves die Bühne geteilt. In der Hinsicht haben wir schon mehr erreicht, als wir je erwartet oder überhaupt gedacht hätten. Für 2017 haben wir aber schon Ziele: Ein größeres Festival spielen und für zwei bis drei Lieblingsbands eröffnen zu dürfen. Namen kann ich dir aber keine nennen, da gibt es hunderte…«

 

 

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