Online-MegazineInterview

SHINEDOWN

Nie zufrieden

SHINEDOWN

Nach dem 2008er Geniestreich „The Sound Of Madness“ haben SHINEDOWN sich reichlich Zeit gelassen, um den Nachfolger „Amaryllis“ auszuknobeln. In der Online-Ergänzung zum Interview in RH # 299 äußern sich Bassist Eric Bass und Sänger Brent Smith zu ihrem Erfolg in den USA, den Nickelback-Vergleichen, dem (ehemaligen?) Hoffnungsträger Barack Obama und dem Gerücht um die Abschaffung der CD.

Brent, Eric, in den USA füllt ihr locker Hallen mit einem Fassungsvermögen von 15.000 – 25.000 Leuten. Seid ihr zufrieden mit dem Erfolg, den ihr in Europa habt, verglichen mit dem, was ihr in den USA erreicht habt?

Brent: »Wir sind in der glücklichen Lage sagen zu können, dass wir unsere Tour schon vor der Veröffentlichung des Albums in Deutschland beginnen können und hier vor ausverkauften Hallen spielen. Wir sind aber auch eine Band, die nie zufrieden mit dem Status quo ist. Das ist kein Hobby für uns, sondern unser Lebensweg. Wir versuchen ständig neue Territorien zu erobern und neue Fans hinzuzugewinnen. „Zufrieden“ ist ein Wort, das in unserem Wortschatz eigentlich nicht existiert.«

Eric: »Es freut uns sehr hier zu sein, aber wir wollen immer besser und größer werden. Übrigens läuft es nicht überall in den USA gleich gut für uns. Die Westküste ist schwierig. Das ist aber nicht nur bei uns so, sondern auch bei vielen anderen Bands.«

Ihr werdet oft als härtere Nickelback umschrieben. Stört euch dieser Vergleich?

Eric: »Nein, sie sind ja sehr erfolgreich.«

Brent: »Ich sehe das so: Wenn jemand nicht weiß, wie er eine Band beschreiben kann, da diese so originell ist, muss derjenige eine Combo, die ähnlich klingt, als Vergleich heranziehen. Wir wurden schon oft danach gefragt. Wir kennen die Jungs von Nickelback und haben auch schon mit ihnen getourt. Das sind alles sehr coole Typen. Wir beschweren uns nicht darüber, wenn uns jemand mit einer Band vergleicht, die weltweit 30 Millionen Alben verkauft hat. Das beleidigt uns nicht gerade. Ich denke, man kann uns dem gleichen Genre zuschreiben. Aber wir haben eine eigene Identität und einen eigenen Sound, der mit dem neuen Album noch individueller geworden ist.«

Auf dem letzten Album hattet ihr mit 'Devour' einen politischen Song. Damals war George W. Bush noch Präsident der USA. Was hat sich eurer Meinung nach seit Barack Obama verändert?

Brent: »Das ist mehr eine Frage für Eric.«

Eric: »Ich bin sehr enttäuscht. Obama hat nichts getan. Ich warte immer noch darauf, dass sich die Lage bessert. Ich könnte Stunden lang darüber reden. Viele in Amerika hatten viel Hoffnung in ihn gesteckt. Natürlich kannst du in vier Jahren nicht alle Probleme lösen, aber man sollte sich zumindest bemühen. Und ich sehe nicht, dass diese Bemühung da war. Auf mich wirkt Obama müde und überfordert mit dem Amt des Präsidenten. George Bush war aber natürlich auch nicht besser. Ich sehe allerdings auch bei den jetzigen Gegenkandidaten keinen Hoffnungsträger.«

Brent: »'Devour' wurde ja auch nicht direkt für George W. Bush geschrieben, sondern eher für die Tausenden US-Soldaten, die endlich wieder nach Hause kommen sollten. Zumindest ist das passiert.«

Ihr habt schon einige iTunes-exklusive Veröffentlichungen gehabt. Es gibt Gerüchte, dass die CD nach dem Willen der Majorlabels als musikalisches Trägermedium bald ausgedient haben könnte. Ist die digitale Distribution wirklich die beste Lösung?

Eric: »Ich denke nicht, dass es Sinn macht sich lediglich auf Downloads zu beschränken, denn es gibt Leute, die auf diesem Wege nicht an Musik herankommen. Bei Musik geht es darum, Leute zu erreichen. Wenn du keine Leute erreichst, dann hast du verloren. Ich habe auch von den Gerüchten gehört, aber ich denke, wenn das umgesetzt werden sollte, wird das nur von kurzer Dauer sein. Die Labels werden schnell merken, dass es eine Masse von Leute gibt, die gar keine Musik mehr kaufen wird. Später, wenn die jüngere Generation älter ist, könnte dieses Modell funktionieren. Aber es gibt jetzt Musikfans, die 40, 50 oder 60 Jahre alt sind und technisch nicht so bewandert sind, als dass sie ohne weiteres auf iTunes ein Album kaufen könnten.«

Brent: »Geschweige denn wollen. Nicht nur die älteren Fans wollen ein Produkt zum Anfassen, dass man in aller Ruhe auspacken und betrachten kann. Wir investieren deshalb immer viel Zeit in das Artwork.«

Eric: »Ich erinnere mich noch, wie ich in meiner Jugend die Nacht vor einer Veröffentlichung vor einem Plattenladen kampiert habe. Zusammen mit einem Freund und seinen Vater haben wir die Nacht vor dem Plattenladen verbracht um am nächsten morgen „New Jersey“ von Bon Jovi zu ergattern.«

Brent: »Cooles Album!«

Eric: »So etwas wird es in Zukunft wohl nicht mehr geben. Aber dafür steigen die Vinyl-Verkäufe.«

Brent: »Ja, waren die Vinyl-Verkäufe im letzten Jahr nicht die besten seit 1986?

Eric: »Ich habe Tausende von Songs in meinem iTunes, viele von denen höre ich mir nie an. Wenn ich mir ein physischen Tonträger kaufe, dann höre ich mir das komplette Teil an, da ich es mehr schätze.«

Zum Interviewteil von Ausgabe 299 geht es hier entlang!

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