Online-MegazineInterview

TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA

Mozart war ein Headbanger

Das TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA hat im Frühjahr 2011 zum ersten Mal für eine Tour nach Europa übergesetzt. Gitarrist Al Pitrelli zeigt sich im Interview sehr überzeugt von der Qualität des TSO und ist sicher, dass die “Beethoven's Last Night”-Tournee ein voller Erfolg mit großartigen Musikern und Darstellern werden wird.

Al, wie kam es dazu, dass ihr erst 2011 nach Europa gekommen seid?

»Wir haben 1999 mit dem Touren begonnen und sind damit quasi ins kalte Wasser gesprungen. Es hat uns ein paar Jahre gekostet, um rauszufinden, wie wir das TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA präsentieren möchten. Ich weiß, dass Paul O'Neill für ein einige Jahre nach Europa gehen wollte, aber aus welchem Grund auch immer hat es mit der Planung nicht geklappt. Ich bin einfach froh, dass wir dieses Jahr hier sind. Die Leute in Deutschland, England oder Holland werden sagen, dass es die die großartigste Rock'n Roll-Show ist, die sie je gesehen haben.«

Ist bei euren ausgeklügelten Autritten noch Platz für Spontanität?

»Es gibt immer Spontanität, wenn ich die Bühne betrete. Und ich hoffe bei Gott, dass alles richtig läuft. Man kann nie garantieren, wie eine Show ablaufen wird. Etwas kann schief laufen, jemand einen Unfall haben. Im Positiven oder Negativen: Manchmal gibt es magische Momente in dieser Show, auf die man nicht vorbereitet ist. Manchmal reißt mir eine Saite und Chris Caffery muss für mich ein Gitarrensolo übernehmen, während ich mir einen neue Gitarre organisiere. Man weiß nie was passieren wird. Das ist das Schöne daran, ein Künstler zu sein. Wir erschaffen jeden Tag etwas anderes. Also es gibt immer Spontaniät, auch wenn alles einstudiert ist. Sogar die Proben selbst sind spontan.«

Bitte beschreib die Publikumsreaktionen bei einem TSO-Konzert! Ist es mehr wie in einem Musical mit bescheidenem Applaus oder wie bei einer Metal-Show?

»Es ist wie eine gesittete Metal-Show. Die Leute respektieren uns und realisieren zum selben Zeitpunkt, was sie dort sehen. Wir sind weder ein traditionelles Orchester, noch eine traditionelle Metalband. Es ist etwas dazwischen. Wir haben ein neues Genre erschaffen und unser Publikum ist ein Teil dessen. Man kann unser Publikum nicht beschreiben, außer zu sagen, dass sie noch nicht mit Stühlen nach uns geworfen haben. Ich denke, dass Leute, die eine orchestrale Performance erwarten, durch den Fakt, dass dort eine ziemlich progressive Rockband auf der Bühne steht, erstaunt sind. Und ich denke, dass es andere Leute gibt, die eine tolle Rock-'n'-Roll-Band erwarten, es bestimmt mögen, dass dort musikalische Klasse auf der Bühne herrscht. Es gibt für jeden etwas. Das klassische Publikum wird in etwas aggressivere Musik eingeführt und das etwas aggressivere Publikum lernt etwas über das Historische. Von Metal bis Mozart. Wir umspannen alles.«

Warum passen Metal und klassische Musik so gut zusammen?

»Klassische Musik ist für mich die erste Form des Metals. Sie ist düster, sie ist provokativ und launisch. So ist es auch im Heavy Metal. Mozart, Chopin, Syrkowski, Beethoven, Rachmaninov, sie waren bestimmt Headbanger. Du brauchst keine SG oder Les Paul um deinen Hals hängen zu haben, um ein Headbanger zu sein. Es ist die Düsternis des Riffs. Das härteste Riff auf diesem Planeten, das ich kenne, ist das Motiv von Beethoven’s 5. Sinfonie. Wenn ich Mozart's 25. Sinfonie auf Tour mit TSO spiele, ist es das Finsterste was ich je gespielt habe. Es gibt nur zwölf Noten in der westlichen Musik. Die Ursprünge der instrumentalen Musik sind bis heute die selben zwölf Noten. Es ist die Kombination jener Noten, die Dunkelheit erschaffen. Black Sabbath, Beethoven und Mozart haben dieselben Zutaten verwendet. Denk da mal eine Minute drüber nach!«

Jon Oliva ist bei dieser Tour nicht dabei. Kannst du etwas mehr über die Gründe sagen?

»Nein! Ich weiß, dass Jon einige Familienmitglieder mit großen gesundheitlichen Problemen hat und als ein gutes Familienmitglied kümmerst du dich zuerst um deine Angehörigen. Wir kommen ohne ihn zurecht, wir werden ihn sehr auf dieser Tour vermissen und können es kaum erwarten, dass er ein anderes Mal dabei sein wird. Wir senden unsere Gebete und beste Wünsche an seine Familie und wünschen ihnen das Beste! Es gibt niemanden auf der Welt der Jon Oliva ersetzen kann. Genauso wie es keinen Ersatz für seinen Bruder Criss Oliva gibt. Möge er in Frieden ruhen!«

Ein Review von der Show in Düsseldorf findet ihr hier.