Online-MegazineInterview

TOXPACK

Mit Volldampf in den Knall?

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Im deutschsprachigen Rock-Sektor geht momentan ordentlich die Post ab. Die größeren Bands der Szene spielen ausverkaufte Touren und heimsen hohe Chartpositionen ein. Auch TOXPACK aus Berlin haben mit „Schall & Rausch“ eine tolle neue Platte am Start, was wir zum Anlass nahmen, Gitarrist Tommi ein wenig auf den Zahn zu fühlen.

Tommi, zuerst mal ganz allgemein: Warum trägt das Album den Titel „Schall & Rausch“?



»Schall bedeutet ganz klar die Musik und Rausch ist das, was sich jeder gerne mal gibt, wenn man am Wochenende feiern geht. „Schall & Rausch“ ist dann halt beispielsweise ein Zusammenspiel von beidem. Oder du lässt dich von dem Schall, also von der Musik, in eine Art Rausch versetzen. Das bedeutet für uns der Plattentitel.«

Mit der Scheibe seit ihr zu Napalm Records gewechselt. Wie kam der Kontakt zustande, und was waren letztendlich die Gründe für den Wechsel?



»Der Kontakt kam durch unsere alte Booking-Agentur MAD bzw. deren Chef Marc Nickel zustande. Wir haben uns zusammen mit Napalm zu Gesprächen getroffen und waren uns sofort sympathisch. Im Prinzip ist es bei Plattenverträgen ja wie bei der Jobsuche, dass bessere Angebot nimmst du an. Napalm hat uns letztendlich das bessere Angebot gemacht und wir sind dann im Guten von Better Than Hell zu Napalm gewechselt.«

Eure neue Platte hat einen wesentlich aggressiveren Sound als „Friss!“. Wie kommt‘s?



»Als wir die Anfang 2015 begonnen haben, die Platte zu schreiben, war für uns klar, dass wir wieder ein bisschen mehr Pfeffer im Gesamtsound haben wollten, ein bisschen mehr zurück zu dem Sound, der uns ausmacht. Dementsprechend haben wir auch beim Songwriting schon darauf geachtet und die Amps wieder mehr aufgedreht. Außerdem hatten wir einen Schlagzeugerwechsel in der Band. Dazu kommt, dass wir in einem anderem Studio aufgenommen haben. Ich denke, dass sind auf jeden Fall die wesentlichen Faktoren, die dazu beitragen.«



Musikalisch mag ich 'Wenn du willst' sehr gerne, der Text hingegen ist mir zu platt und plakativ ausgefallen. Warum diese sehr direkte und keine subtilere Herangehensweise?

»Wenn du das plakativ findest, dann ist das deine berechtigte Meinung. Ich sehe das halt etwas anders. Ich bin so, ich rede so. Warum sollte ich mich verstellen? Und sind wir mal ehrlich, wie viel Prozent der Frauen mögen eine subtilere Herangehensweise bei diesem Thema? „Entschuldigen Sie, ich würde heute vielleicht gerne mit Ihnen und so weiter. Würde sich das vielleicht einrichten lassen?“. Nee, sei mir nicht sauer. Zudem muss man auch nicht jeden Text auf die Goldwaage legen oder bierernst nehmen. Ich finde auch, dass es auf der Platte wesentlich wichtigere Songs gibt, und ich hätte mir persönlich auch eher eine Frage zu anderen Tracks erhofft, als ausgerechnet zu 'Wenn du willst'.«

Ihr habt auf euren Platten auch immer wieder Songs mit aktuellem politischem Bezug, auf „Schall und Rausch“ zum Beispiel die großartige Nummer 'In Trümmern' mit Gunnar und Stefan von Dritte Wahl als Gästen. Findet ihr, dass deutschsprachiger Musik eine besondere Rolle bei so etwas zukommt, weil die Texte von mehr Leuten im deutschsprachigen Raum verstanden werden?



»Gerade in der aktuellen Zeit finde ich politische Statements wichtiger denn je. Und klar, es ist schon ein Unterschied, ob du das Ding in Englisch oder in Deutsch singst, letzteres versteht halt wirklich jeder. Es passt nicht jedem da draußen, dass wir in unseren Songs auch mal politisch werden, aber es ist wichtig, Zeichen zu setzen. Das haben wir bei der letzten Platte mit 'Nichts hören, sehen, sagen' getan und auf der neuen Platte mit 'In Trümmern'. Wenn ich ehrlich bin, macht mir die aktuelle Weltsituation schon etwas Angst. Wenn das alles so weitergeht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es hier irgendwann mal richtig knallt.«

Die deutschsprachige Rockmusik ist in letzter Zeit wieder sehr erfolgreich, in letzter Zeit haben Bands wie die Broilers, Betontod, Kärbholz oder die Onkelz erfolgreiche Alben und Touren vorgelegt. Wie wirkt sich das aus eurer Sicht auf die Szene aus?



»Ich finde es gut, dass deutschsprachiger Rockmusik wieder mehr Gehör geschenkt wird. Was mir, oder uns, allerdings auffällt, ist irgendwie eine gewisse Spaltung der Szene. Alles muss immer größer und fetter sein. Viele gehen nur noch auf die großen Shows, kleinere Bands oder kleinere Veranstalter schauen oftmals in die Röhre, was ich traurig finde. Ich denke auch, da sollte sich die Szene ruhig mal wieder einen Ruck geben und ihre eigene Szene, also die Bands da draußen die sich den Arsch aufreißen, oder die kleineren Clubs im Allgemeinen, wieder mehr unterstützen. Denn wenn das alles irgendwann nicht mehr da ist, was ist dann?«

Spürt ihr wegen dieses Aufwinds einen gewissen Druck oder beflügelt euch das eher?



»Klar ist ein gewisser Druck da, weil viele Bands wirklich gute Sachen vorlegen. Aber nicht alle Acts haben die finanziellen Möglichkeiten, um zum Beispiel ihre Tour so dick aufzuziehen, wie manch andere oder sich so breit zu präsentieren. Auch wir machen uns Gedanken, was unsere kommende Club-Tour zum Beispiel betrifft. Die Leute wollen ja auch was für ihr Eintrittsgeld geboten bekommen. Aber es muss nicht immer alles total aufgeblasen sein, für uns steht die Musik und die Kommunikation mit den Fans klar im Vordergrund. Du wirst uns auch immer nach der Show auf ein Bier oder ein Gespräch am Merchstand treffen. Kommt auf einer unserer Record-Release-Shows im April vorbei und überzeugt euch davon!«

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