Online-MegazineInterview

SLASH

Mit Schirm, Charme und Zylinder

SLASH FEAT. MYLES KENNEDY & THE CONSPIRATORS (c) Travis Shinn

Es gibt kaum einen so ikonischen Musiker wie Saul "Slash" Hudson: Den Gitarristen mit den lockigen, ins Gesicht hängenden Haaren, der selten ohne Zylinder unterwegs ist und stets eine Sonnenbrille trägt, würde auch meine Mutter (die mit Rockmusik nun wirklich nicht viel am Hut hat) auf Anhieb erkennen, wenn sie ihn beim Shoppen treffen würde. In genau diesem Outfit – und mit seiner Gibson im Arm – empfängt der ehemalige Guns-N'-Roses-Gitarrero mich in seiner Garderobe im Backstagebereich des französischen Hellfest, um über seine neue Live-DVD "Live At The Roxy" zu plaudern.

Slash, bei unserem letzten Gespräch hast du mir erzählt, dass du mit deiner Produktionsfirma Slasher Films gerade an einem Western arbeitest. Seitdem ist beinahe ein Jahr vergangen, und "Cut-Throat's Nine" lässt immer noch auf sich warten - was ist passiert?

»Leider ist während der Produktion eine ganze Reihe von Dingen schief gelaufen. Wir mussten mehrfach den Produzenten wechseln, und irgendwann hatte das Studio die Nase voll. Ich hätte den Film gerne gemacht, aber es hat leider nicht sein sollen.«

Wie schade.

»Ja, schon. Ich mochte die Geschichte wirklich gerne. "Cut-Throat's Nine" war als Remake des gleichnamigen mexikanischen Filmes geplant. Momentan arbeite ich aber an einem neuen Projekt, und der Streifen wird großartig.«

Kannst du mir schon mehr dazu verraten?

»Nein, das ist noch streng geheim. Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass es wieder ein Horrorfilm wird. Ich bin ein riesiger Fan von Gruselstreifen. Wir sind Anfang des Jahres in die Vorproduktion gegangen und planen den Release für Halloween des kommenden Jahres. Eine Weile müsste ihr euch also noch gedulden (lacht).«

Gut Ding will eben Weile haben. Aber untätig bist du ja ohnehin nicht gerade, du hast erst kürzlich eine neue Live-DVD veröffentlicht.

»Genau (lacht). Meine letzte DVD hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, und seit ihrer Veröffentlichung haben wir zwei weitere Alben aufgenommen. Im vergangenen Jahr haben wir ein paar kleine Clubshows gespielt, eine davon im Roxy in Los Angeles. Das war zu Beginn der "World On Fire"-Tour, und wir haben dem Publikum erstmalig die neuen Songs live vorgestellt. Die Idee, eine DVD zu machen, ist ganz spontan entstanden.«

Unter anderem habt ihr eine fünfzehnminütige Version von 'Rocket Queen' aufgeführt. Der Song ist eines meiner liebsten Gunners-Stücke, und die Langfassung ist der Wahnsinn.

»Ich habe Spaß an so was. Leider können wir nicht immer so extreme Fassungen spielen, weil wir, wenn wir nicht als Headliner unterwegs sind, meistens nur eine Stunde Zeit haben. Wenn man der Main-Act ist, hat man deutlich mehr Spielzeit zur Verfügung. Normalerweise spielen wir ein etwa zweistündiges Set.«

Wenn du an deine Anfangstage als Musiker zurückdenkst - hättest du je gedacht, dass du es mal so weit bringen würdest?

»Ich habe über so was ehrlich gesagt nie großartig nachgedacht. Mir ging es immer nur darum, Gitarre zu spielen und in einer Band zu sein. Das ist einfach mein Ding, und damit bin ich vollkommen zufrieden. Ich mache mir nie große Gedanken um die Zukunft, ich lebe im Hier und Jetzt. Ein Schritt nach dem anderen. Die Dinge finden sich schon.«

War es schwierig für dich, von den großen Arenabühnen wieder in kleine Clubs zu wechseln, nachdem du damals bei Guns N' Roses ausgestiegen bist? Oder sind dir kleine Shows ohnehin lieber?

»Sogar zu der Zeit als Guns N' Roses eine große Stadionband waren, bin ich zwischen den Gigs immer noch in kleinen Clubs jammen gegangen. Ich mag kleine, intime Auftritte. Das Publikum steht genau vor einem, und man kann viel besser mit den Leuten interagieren, als wenn man auf einer riesigen Bühne steht. Natürlich haben große Shows und Auftritte auf Festivals auch ihren Reiz, weil das eine ganz andere Atmosphäre ist. Ich spiele mit meiner jetzigen Band schon eine ganze Weile zusammen, und inzwischen haben wir uns eine relativ große Anhängerschaft erspielt. Die Leute kennen uns, und das wirkt sich auch positiv auf Auftritte auf Festivals aus. Am liebsten sind mir aber nach wie vor kleinere Shows.«

Gehst du heutzutage immer noch in kleinen Clubs jammen? Ich könnte mir vorstellen, dass das für jemanden mit deiner Bekanntheit keine so einfache Sache ist.

»In den letzten fünf Jahren war alles etwas schwierig, weil ich so viele Projekte habe und dementsprechend meine Zeit sehr knapp gemessen ist, aber ich mache das immer noch ab und an. Ich habe mich nie als großer Rockstar gefühlt und bin ziemlich auf dem Boden geblieben. Natürlich werde ich ab und zu erkannt, aber das ist kein großes Problem. Ich hänge noch gerne in kleinen Clubs und Bars ab.«

Was hast du mit SLASH FEAT. MYLES KENNEDY AND THE CONSPIRATORS als nächstes vor?

»Wir arbeiten bereits an neuen Songs, und das Material klingt großartig. Inzwischen haben wir uns gut aufeinander eingespielt, und die Chemie in der Band ist wirklich toll. Das wirkt sich auch positiv auf den Songwriting-Prozess aus.«

Und da du sozusagen deine eigene Plattenfirma bist, bekommst du nicht mal von dieser Seite Druck. Das muss unglaublich entspannend sein.

»Das stimmt (lacht). Ich arbeite zwar mit einem weltweiten Vertrieb zusammen, aber das verursacht keinen Stress. Wenn ich vertraglich an eine Plattenfirma gebunden wäre, könnte ich nicht so arbeiten, wie es mir gefällt. Die Musikbranche ist wirklich beschissen. Wenn irgendjemand, vom kommerziellen Standpunkt aus gesehen, den Rock 'n' Roll kaputtgemacht hat, dann waren es die großen Plattenfirmen. Einen Vertrag bei einem dieser Labels zu unterschreiben, kommt heutzutage einem kreativen Todesurteil gleich. Die Firmen wollen, dass man die Musik schreibt, die gerade populär ist. Zum Glück haben das viele Bands erkannt und machen da nicht mit. Das tolle am Heavy Metal ist, dass er immer schon abseitig positioniert war. Das ist auch der Grund dafür, dass sich diese Musikrichtung so lange gehalten hat.«

 

DISKOGRAFIE

Slash (2010)
Made In Stoke 24/7 (Live, 2011)

Apocalyptic Love (2012)

World On Fire (2014)

Live At The Roxy 25.9.14 (Live, 2015)